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Baden-Badener
Orchestergeschichte
Den
Spielbankpächtern war es im 19.
Jahrhundert aufgegeben, für ein kulturelles
Rahmenprogramm in der zur "Sommerhauptstadt
Europas" aufsteigenden Kurstadt zu sorgen. Eine
Vielzahl renommierter Künstler, begonnen bei
Hector Berlioz,
über Johannes Brahms,
Clara Schumann und
Johann Strauß bis zu
Pauline
Viardot-Garcia, bot deshalb vor
allem musikalische Leckerbissen einem
interessierten Publikum an.
Der Spielbankpächter Oscar Edouard
Bénazet hatte 1853/54 den rechten
Flügel des "Conversationshauses", des heutigen
Kurhauses, auf
luxuriöseste Weise umgestalten lassen und 1854
erstmals Musiker ganzjährig als Mitglieder des
"Orchestre de la Conversation" verpflichtet, womit
er die Baden-Badener Orchestertradition
begründete.
1858 wurde Miloslav Koennemann Kapellmeister des
Bénazetschen Orchesters. Er leitete das
Orchester auch nach 1872, als es nach dem
allgemeinen Spielbankenverbot in Deutschland
Aufgabe der Stadtverwaltung geworden war, sich um
das Kulturgeschehen des Badeortes zu kümmern.
Das Privatorchester der Spielbankpächter wurde
zum ersten städtischen Orchester im gesamten
Gebiet des heutigen Baden-Württemberg.
Miloslav Koennemanns Nachfolger Paul Hein, ab 1892
im Amt, gelang es, das städtische Orchester zu
einem Symphonieorchester ersten Ranges auszubauen.
Viel beachtete Konzerte wurden im Kurhaus und im
Theater gegeben.


In diesem
kunstvoll aus Schmiedeisen gefertigtem
"Musik-Kiosk" gab das städtische Orchester
Konzerte für die Kurgäste. (Abbildung aus
dem Jahr 1900)
Diese Tradition wurde von Ernst Mehlich ab dem Jahr
1927 weiter gepflegt. Während seiner Amtszeit
fanden in den Jahren 1927 bis 1929 die
Nachfolgeveranstaltungen der "Donaueschinger
Kammermusikaufführungen für
zeitgenössische Tonkunst" als "Deutsche
Kammermusiktage", die unter anderem Bertolt Brecht und
Paul Hindemith nach
Baden-Baden brachten, statt. Zu Beginn der 1930er
Jahre organisierte Ernst Mehlich gemeinsam mit dem
Meistergeiger Carl Flesch und
dem Meisterpianisten Karl Friedberg das "Klassische
Kammermusikkonzert Baden-Baden". 1933 musste Ernst
Mehlich auf Betreiben des Nationalsozialistischen
Regimes trotz heftigen Protestes der
Öffentlichkeit sein Amt abgeben.
1934 wurde das städtische Orchester der neu
gegründeten Bäder- und
Kurverwaltung zugeordnet und
in Sinfonie- und Kurorchester umbenannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Orchester
mit 20 ehemaligen Mitgliedern und etlichen neu
engagierten Musikern als Baden-Badener Orchester
eine Renaissance. Kurkonzerte und anspruchsvolle
Konzertabende unter Leitung Carl August Vogts
sorgten für große Aufmerksamkeit und den
Fortbestand des Orchesters. Von 1972 an oblag die
Orchesterleitung Hans-Joachim Wunderlich, dem 1981
Werner Stiefel folgte. Mit ihm zusammen
präsentierte das Orchester nicht nur
Opernproduktionen, sondern sorgte mit einem
vielfältigen Programm während des
jährlich regelmäßig stattfindenden
"Philharmonischen Sommers" für eine
nachdrückliche Belebung des städtischen
Kulturlebens. Diskussionen um eine Verringerung der
Anzahl der Musiker oder gar um den Fortbestand des
Orchesters sorgten bereits im Jahr 1985 dafür,
dass die Patronatsgesellschaft für das Theater
ihre Unterstützung auch dem Orchester zuteil
werden ließ.
Nach der so genannten Reform der Bäder- und
Kurverwaltung wurde das Orchester wieder der Stadt
überantwortet und erhielt zum wiederholten Mal
einen neuen Namen: Baden-Badener Philharmonie.
Unter diesem Namen bestritt es eine Reihe von
Gastspielen, nicht nur in Deutschland und Europa,
sondern auch im Jahr 2002 im Mittleren Osten, die
durchaus als förderlich für das Renommee
der Kurstadt betrachtet werden können.
Am 1. Januar 2007 übernahm der gebürtige
Bulgare Pavel Baleff den Taktstock als Chefdirigent
der Baden-Badener Philharmonie.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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