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Kurt Masur ist einer der
großen Dirigenten unserer Zeit. Er hat mit
den bedeutendsten Orchestern und Solisten der Welt
konzertiert. Rechtzeitig zu seinem 75. Geburtstag
(18. Juli 2002) erschien nun diese große, vom
Maestro autorisierte Biographie. Masurs
langjähriger Vertrauter Johannes Forner hat
seinen Lebensweg sachkundig und einfühlsam
nachgezeichnet - das faszinierende Porträt
eines weltweit gefeierten Künstlers.
Zeiten und Klänge.
Die Mutter, zwei Schwestern,
später Katharina Hartmann, die gestrenge
Klavierlehrerin, der er noch 1997 an ihrem
Sterbebett im Altersheim dankte - starke Frauen
waren es, die dem träumerischen und scheuen
Jungen den Weg ins Leben wiesen. Einzig schwarzer
Fleck des weit gehend ungetrübten
Kindheitsidylls im schlesischen Brieg war der
Vater, ein Alkoholiker, der eine familiäre
Randfigur blieb. Zusammen mit einer
Sehnenverkrümmung der Hand, die eine
Pianistenkarriere verhinderte, hat Kurt Masur die
Weichheit und Labilität des Vaters als latente
Bedrohung des eigenen Lebens geerbt.
Der Lebensweg des 1927 geborenen Dirigenten ist eng
verknüpft mit der Geschichte des Leipziger
Gewandhauses. Der Traditionstempel, man spürt
es, ist dem Musikwissenschaftler Johannes Forner
Herzenssache. Buchhalterisch akkurat verzeichnet
der ehemalige Leipziger Chefdramaturg und Vertraute
Masurs Historisches, Spielpläne und
Orchester-Interna - zuweilen auf Kosten etwas
detailreicherer Innenansichten seines
Protagonisten.
Masur, der sich aufgrund seines abgebrochenen
Studiums an der Musikhochschule kokett als Amateur
bezeichnet, hatte schon in jungen Jahren die
Pultgötter Furtwängler und Bruno Walter
zu Vorbildern erkoren. Sein Karrierestart glich
einem Schnelldurchlauf:
Kapellmeistertätigkeiten in Halle, Erfurt und
Leipzig; schließlich, knapp
dreißigjährig, wurde der Dirigent, der
sich gern als Freund des Orchesters ("aber als ein
unerbittlicher") sah, auch Publikumsliebling an der
Dresdner Philharmonie. Die Arbeit mit dem
Gewandhausorchester aber, das er von 1970 an
beharrlich auf Weltniveau hievte, markierte den
ersten Höhepunkt seines Lebens.
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Selten ermöglichte Einblicke
ins DDR-Kulturschaffen- und -mauscheln, machen
Forners penibel recherchierte Biografie zum
kulturpolitisch spannenden Bericht, in dem auch der
tragische Unfalltod der zweiten Ehefrau Masurs
sowie dessen Straffreiheit nicht ausgespart
bleiben, die kurzfristige Gerüchte um
Stasideckung aufkommen ließen. Zum Heroen
beider deutscher Staaten geriet Kurt Masur
schließlich durch seine Appelle an die
Besonnenheit und seine gewaltverhindernden
Aktivitäten im Rahmen der
Montagsdemonstrationen, die ihm 1990 beinahe das
Amt eines DDR-Staatspräsidenten eingetragen
hätten. Kurzes Nachdenken, dann doch lieber
Beethovens Neunte!
(Ravi Unger/Amazon)
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Kurt Masur.
Zeiten und Klänge.
Biographie.
Von Johannes Forner
Gebundene Ausgabe,
405 Seiten, Propyläen Verlag

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