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27.3.-24.5.2010
Stefan Müller / Hang zur
Neigung
Im Zentrum der künstlerischen
Auseinandersetzung von Stefan Müller (*1971)
stehen die Beschäftigung mit Malerei und die
Frage, was diese nach den Fragestellungen der
Konzeptkunst und der Minimal Art formal noch
für die Gegenwart bedeuten kann. Mit einem
minimalistischen Ansatz lotet Müller das Bild
aus, wobei er es oft zu einem möglichst
frühen Zeitpunkt als fertig erachtet. Minimale
Spuren, die durch die Prozesse der Rahmung oder
Bespannung erzeugt werden können und dabei
zufällig entstanden zu sein scheinen, reichen
oft schon für ein fertiges Bild aus.
Kennzeichnend für Müllers Malerei ist die
Reduktion in der Material-, Motiv- und Farbwahl.
Malgrund sind unbehandelte Leinwand, Baumwolle oder
gebrauchte Stoffe wie Bettlaken, die vor und
während des Malens dem Zufall ausgesetzt
werden: Bierflecken, Asche, Staub, Kaffee oder Blut
ersetzen die normale Versiegelung. Ebenso
integriert er banale Elemente wie Schmutz,
Seidenpapier und Konfetti.
Oft scheint Müller lapidar und
zerstörerisch mit seinen Bildern umzugehen. So
kann es gut sein, dass er seinen schmutzigen
Atelierboden mit einer Leinwand aufwischt und diese
anschließend aufspannt. Die aufgenommenen
Rückstände können ein fertiges Bild
ausmachen oder sie werden mit Farben
vervollständigt. Empire of Dirt (2003) als
Titel einer Arbeit von Stefan Müller ist als
poetischer Kommentar zu dieser Arbeitsweise zu
verstehen, in der die große Geste der Malerei
mit der Sparsamkeit der künstlerischen und
malerischen Mittel konkurriert. Der sich immerfort
wiederholende Kreis wird zum zentralen Motiv der
Bilder Müllers.
Stefan Müller geht es nicht um die Frage, wie
trickreich und sensationell man die Leinwand
füllen kann, sondern darum, was die
essentiellen Fragestellungen der Malerei sein
können. Besonders interessant ist sein Humor,
der dem Betrachter in einigen Arbeiten auflauert.
Dagegen ist in vielen Werken dieser Aspekt
ausgespart oder kann nur von den punkigen Werken
auf sie ausstrahlen. Diese Ambivalenz von
Ernsthaftigkeit und Seriosität in der
Untersuchung von Malerei an sich und
pubertärem "Rotz" bezeichnet die Bandbreite,
in der sich Müller bewegt.
In der Kunsthalle Baden-Baden werden zentrale
Werkblöcke des bisherigen Schaffens gezeigt
sowie eigens für die Kunsthalle konzipierte
Arbeiten. (PR)
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