|
30.9. –19.11. 2006
BALLERINA IN A
WHIRLPOOL
Werke von ISA GENZKEN, RICHARD JACKSON, ROMAN
SIGNER und DIANA THATER aus der Hauser & Wirth
Collection:
Eine lebensgroße Puppe aus Polyester und
Fiberglas, mit einem Ballettröckchen
bekleidet, schwebt über einer geöffneten
Waschmaschine, nur oben am Scheitel mittels eines
Metallbolzens an Decke und Wand befestigt. Die
Ballerina auf der Maschine steht still, das Bein
zur Arabeske ausgestreckt, um im nächsten Takt
zur Pirouette anzusetzen. Als Maschine mit
menschlichen Zügen vollführt sie das
Kunststück gleichförmiger und
unaufhaltsamer Bewegungen. Sie umkreist – wie auch
die weiteren Werke der Ausstellung – Fragen um Raum
und Zeit, Betrachterrolle und Wahrnehmung.
Gleich vier international renommierte
Künstler, die in der bedeutenden Hauser &
Wirth Collection mit ebenso visionären wie
spektakulären Werken vertreten sind, widmen
sich intensiv diesen Fragestellungen. Gemeinsam ist
den präsentierten Arbeiten von Isa Genzken,
Richard Jackson, Roman Signer und Diana Thater die
Auseinandersetzung mit dem Realraum, den sie neu
definieren und inszenieren oder dessen Grenzen sie
auf illusionistische Weise überwinden. Der
Dynamik von Kreisbewegungen kommt dabei eine
besondere Bedeutung zu: Sämtliche Werke
entfalten eine Dialektik von innen und außen,
von Zentriertem und Exzentrischem, von
Zirkulärem und Linearem. Der Betrachter, der
sonst meist passiv seinen Standpunkt dem Werk
gegenüber einnimmt, befindet sich hier im
Zentrum des Geschehens. Er muss seinen eigenen Ort
erst finden, muss sich bewegen, will er das
jeweilige Werk vollständig erfassen.
Isa Genzken (geb. 1948) beschäftigt sich mit
der Frage nach den Dingen, mit denen wir uns
umgeben. Ihre Modelle phantasievoller Architekturen
persiflieren die Schaufassaden, deren
Frontalität die Künstlerin aufbricht. Die
Modelle laden dazu ein, möglichst viele
Ansichten zu erkunden. Bilder, die uns
alltäglich umgeben, reiht die Künstlerin
zu einem Fries an die Wand. Der Raum wird so zum
Erfahrungsraum von Distanzen.

"Rose" von Isa Genzken im Park der
Villa Schriever Baden-Baden (Foto: Wolfgang
Peter)
|
Sämtliche von Richard Jackson
(geb. 1939) gezeigten Werke drehen sich
buchstäblich im Kreis. Die Zeiger von 1000
Uhren innerhalb eines Raumes umrunden
unaufhörlich das Zifferblatt und lassen so die
Zeit zu einer physischen Erfahrung werden. Neben
der eingangs beschriebenen »Ballerina«,
die um ihre eigene Achse kreisend Farbe im Raum
verbreiten könnte, stempelt ein Roboter
Kreislinien auf Papier.
Dagegen befasst sich Roman Signer (geb. 1938) seit
den frühen 1970er Jahren mit Naturgewalten,
die er nutzt bzw. teils auch künstlerisch
erzeugt. In Filmen und auf Fotografien
dokumentierte Aktionen balancieren auf der
Nahtstelle zwischen Natur und Kunst, Konstanz und
Plötzlichkeit. Gefährlich und bedrohlich
wirkende Situationen bergen Überraschungen in
sich, wenn die Kunst dem Zufall und der Dynamik der
Natur eine Hintertür offen lässt.
Auch Diana Thater (geb. 1962) thematisiert in ihren
Videoinstallationen das Verhältnis von Kunst
und Natur und bringt dies in der Beziehung zwischen
Mensch und Tier auf den Punkt. Wenn die Tierwelt zu
menschenähnlich erscheint, wie im Falle von
Dressuren, sind wir gezwungen, unseren Standpunkt
neu zu definieren. Die Künstlerin
transformiert diese Herausforderung, Position zu
beziehen, mittels Entfremdung und Verfremdung auf
die Ausstellungssituation.
Die Ausstellung ist kuratiert von Michaela
Unterdörfer (Hauser & Wirth Collection)
und Fritz Emslander (Staatliche Kunsthalle
Baden-Baden).

|
Staatliche Kunsthalle
Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8,
76530 Baden-Baden
Telefon 07221-30076-3
Telefon (Kasse) 07221-18360
Öffnungszeiten:
Dienstag–Sonntag 11–18 Uhr, Mittwoch 11–20
Uhr, Montag geschlossen.
|
|