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14. FEBRUAR – 18. APRIL 2004
MULTIPLE RÄUME (1):
SEELE
Konstruktionen des Innerlichen in
der Kunst
„Eine Seele, soviel scheint klar zu sein, hat
jeder. Aber wie sieht sie aus? Was ist
überhaupt eine Seele? Können Tiere,
können Dinge eine Seele haben? Sich ein Bild
von der Seele zu machen, ist – genau betrachtet –
immer auch ein künstlerischer Vorgang. Die
individuelle Seele ist immer ein Innenentwurf.
Insofern ist jede Introspektion auch Projektion.
Alle Bemühungen, sich die menschliche Seele
vorzustellen, setzen unbeabsichtigt und
unausweichlich künstlerische Abbild- und
Imaginationstechniken voraus.
Ideengeschichtlich scheinen religiöser Glaube,
Theologie, Philosophie, ja selbst Psychologie
nacheinander ihre thematische Zuständigkeit
für die Seele verloren zu haben. Zwar werden
Aspekte des psychischen Innenlebens heute konkreter
gefasst und präziser beschrieben, aber die
Seele wird immer mehr zu einem Rest, von dem wir –
gemessen an der Vielfalt und der Gewissheit
vergangener Jahrhunderte – wenig alltagstaugliches
Erfahrungswissen haben, weil wir mit immer
stärker ausdifferenziertem Fachwissen
konfrontiert sind. Die Seele bleibt trotz und
gerade aufgrund vermehrter rationaler Seelenkunde
unverfügbar und damit umso mehr ein wichtiges
und folgenreiches Thema für die Kunst.
Die Ausstellung konzentriert sich auf wesentliche
Positionen des 20. Jahrhunderts und der letzten
Jahre, welche schlaglichtartig die vielfältige
Auseinandersetzung mit dem menschlichen Innenraum
erhellen: die symbolistischen und
expressionistischen Reflexionen des
Jenseitsverlusts; die surrealistische Rezeption der
Werke Sigmund Freuds; die frühen
fotografischen Versuche, dem Seelischen beweishaft
auf die Spur zu kommen; die existenzialistischen,
schamanischen und privatmythologischen Ansätze
einer Rückgewinnung seelischer Bezugspunkte in
den 50er, 60er und 70er Jahren, schließlich
die psychoanalytisch informierten und
desillusionierten Werke einer um neue Sinnstiftung
bemühten oder auch ironischen
Gegenwartskunst.
Auge, Mimik und Gestik werden in ihrer
Aussagefähigkeit als Spiegel der Seele und
Träger persönlicher Identität
bildlich befragt. Andere künstlerische
Strategien zielen auf die vielfältigen, meist
vagen Manifestationen des Innenlebens und deren
kreative Impulse: auf Traum, Vision und Phantasie.
In Grenzerfahrungen der Ekstase und Trance
vollziehen Künstler den expressiven Austritt
des Inneren aus rationaler und ästhetischer
Kontrolle.
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Zur Vorstellung des
Unfassbaren bedienten sich Künstler
immer wieder räumlicher Metaphern.
Sie konstruieren einerseits Ansichten der
geistigen Welt im Inneren des Menschen,
seelische Topografien. Andererseits
projizieren sie das Innerliche auf die
äußere Natur
(Seelenlandschaft), auf Interieurs oder
Dinge, denen als beseelten ein
phantastisches Eigenleben zukommt. In der
Kunst der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts zeigt sich jedoch, wie sich
die Verbildlichung des Seelischen von
Orientierungsfragen im
(Innen-)Räumlichen zu
Überlebensfragen im Zeitlichen hin
veränderte. Wie kann sich das Ich
aufrecht erhalten in den
Wechselfällen beschleunigter Lebens-
und Arbeitsvollzüge? Das
räumlich vorgestellte Labyrinth der
Seele wird zu einer zeitlichen
Verlaufsform, zum roten Faden der
Identität, der nicht abreißen
darf.
Beteiligte Künstlerinnen und
Künstler sind:
Georg Baselitz, Joseph Beuys, Holger Bunk,
Salvador Dalí, Louis Darget, James
Ensor, Max Ernst, Douglas Gordon, Dan
Graham, William Hope, Asger Jorn, W.M.
Keeler, Martin Kippenberger, Max Klinger,
Hilma af Klint, Alexej Koschkarow, Duane
Michals, Henri Michaux, Edvard Munch,
Richard Oelze, Uwe Oldenburg, Tony
Oursler, Nam June Paik, Sigmar Polke,
Odilon Redon, Thomas Ruff, August Sander,
Gregor Schneider, Albert von
Schrenck-Notzing, Thomas Schütte,
Ulrike Siecaup, Rudolf Steiner, Sam
Taylor-Wood, Richard Tuttle, Bill Viola,
Jeff Wall, Andrea Zittel, Unica
Zürn.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit
Essays von Johannes Bilstein, Heike
Behrend, Micha Brumlik, Susanne Hahn,
Friedrich Wolfram Heubach, Thomas Macho,
Rudolf Thiessen sowie Texten zu
Künstlern und Exponaten von Fritz
Emslander, Nicole Fritz, Viola Grohe,
Jörg Katerndahl, Rainald Schumacher,
Dirk Teuber und Matthias Winzen (Verlag
für Moderne Kunst, Nürnberg;
EURO18).
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DIE SAMMLUNG FRIEDER
BURDA
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Staatliche Kunsthalle
Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8,
76530 Baden-Baden
Telefon 07221-30076-3
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