Wer kennt es nicht aus eigener Erfahrung? Das mehr oder weniger verhaltene Stöhnen im Geschichtsunterricht, wenn Namen und Zahlen anstehen, zu einer Epoche, mit der ein junger Mensch so gar nichts anfangen kann und zu der meistens nur Staubtrockenes aus des Lehrers Mund entwichen ist.

Wie glücklich hätten sich Generationen von Lehrern und Schülern schätzen können, hätten sie zur Beschäftigung mit der römischen Geschichte ein Buch wie

Caracalla & Kohorten
zur Hand gehabt.

Leider ist dieses Buch erst im Frühjahr 2004 im Silberburg-Verlag erschienen. Zur Freude vieler kann gereichen, dass dieses fabelhafte Werk jetzt erworben werden kann. Nicht dass der Autor Johannes Lehmann von Fabeln berichtete. Nein, er nimmt den Leser im dritten Jahrtausend mit in eine längst vergangene Zeit und lässt ihn zur beschriebenen Zeit am jeweiligen Ort die damalige Lebensart lebhaft erfahren.

Erfahren in der Geschichte der alten Römer ist Johannes Lehmann ebenso zweifelsfrei wie im Südwesten Deutschlands, sonst gelänge ihm sicher nicht, mit kurzweiligem Sprachwitz Zusammenhänge darzulegen, Konsequenzen aufzuzeigen und Verbindungen zur Moderne herzustellen, die das Verstehen erleichtern. Zum Schmunzeln regt beispielsweise der Vergleich der Haartracht eines keltischen Kriegers mit einer modernen Gel-Frisur ebenso an wie der Bogenschlag vom alten Rom zu einer südamerikanischen Bananenrepublik. Geschichte kann großen Spaß machen, wird bereits bei der Lektüre der ersten Seiten deutlich, weswegen mit vergnügter Spannung die "Reise" fortgesetzt wird.

Diese "Reise zu den Römern in Südwestdeutschland" erzählt nicht nur vom "Limes", seinem Sinn und vom Alltagsleben drumherum. Beeindruckende Bilder, wie beispielsweise jene der "villa rustica" in Hechingen-Stein, die mit der komfortablen und geschmackvollen Wohnkultur jener Zeit vertraut machen, veredeln optisch das Verbale.

Ein gutes Drittel der "Reise" vermittelt Eindrücke zu "Das Weltreich und der kühle Norden", "Römer im Ländle" und etliches mehr, wobei die Überschriften der einzelnen Kapitel zur optimalen Orientierung neben die Seitenzahlen in den Fußzeilen gedruckt sind. Lust aufs Selbst-Bereisen lösen anschließend die Beschreibungen von Besonderheiten einzelner Stationen und Orte, an denen sich die Römer aufgehalten haben, aus. Begonnen wird in Badenweiler, geendet in Stuttgart. Bestens zu finden sind die einzelnen Stätten für den Reisewilligen, weil die Ortsnamen in den Fußzeilen der Seiten wiedergegeben sind. Jedem einzelnen Ort sind zudem nützliche Angaben zu Anfahrt, Öffnungszeiten und anderem Hilfreichen zugeordnet.

Ein Orts- und Personenregister und eine übersichtlich gestaltete Karte zu Stätten der Römerzeit komplettieren den lehrreichen Reiseführer in die Vergangenheit.


Baden-Badens Soldatenbäder finden sich auf Seite 84 im Reiseangebot. Besonders hier zeigt sich Johannes Lehmanns Sprachkunst. Er vermag, Kritisches freundlich formuliert vorzutragen:

"Und wie schön das geworden ist: Damit Laien wie unsereiner auch sofort mühelos begreifen, was bei den kärglichen Resten was ist, ist der Kaltbaderaum mit frösteligem Blaulicht ausgestrahlt, der Warrnbaderaum mit wohligem Rotlicht, was will man mehr. Aber was kommt schon gegen Badenweiler an...

Bleibt als einzige Schwierigkeit die Verständigung. Ruft man in Baden-Baden an und bittet um Auskunft, wann denn die römischen Thermen nun zu besichtigen seien, bekommt man einen Prospekt des modernen Friedrichsbades mit seinem 'Römisch-Irischen Bad'. Fragt man daraufhin als gebildeter Mensch nach den alten Caracalla-Thermen, kommt der Prospekt mit dem neuen Caracalla-Bad und seinem 69° C heißen Wasser.

Sieht man endlich im Internet unter den verschiedensten Suchwörtern nach, kommt gar nichts, was auch nur älter als hundert Jahre wäre. Bis man durch reinen Zufall '
Soldatenbad' antippt - und bei der guten, alten, echten, authentischen, frisch gereinigten und bunt angestrahlten Caracalla-Therme landet. So einfach ist das also. Nur dass da nicht steht, wann sie auf hat. Das findet man unter 'Römische Badruinen', dem anderen Stichwort."


Über den Autor:

Dr. Johannes Lehmann, geboren 1929 in Madras (Indien) als Sohn eines Missionars, studierte in Halle, Westberlin und Edinburgh Publizistik, Philosophie, Theologie und Psychologie. Er war Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, wo er unter anderem jahrzehntelang die Sendung "Die Bücherbar" verantwortete. Daneben hat sich Lehmann als Autor erfolgreicher Sachbücher einen Namen gemacht ("
Barbarossa & Co.", "Unser armer Schiller", "Jesus-Report", "Die Jesus-GmbH", "Moses", "Buddha", "Die Hethiter", "Die Staufer" und viele andere).

Das Buch ist im
Silberburg-Verlag erschienen

(Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden)


Caracalla und Kohorten

Caracalla & Kohorten
von Johannes Lehmann
Gebundene Ausgabe
180 Seiten
Silberburg-Verlag

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