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Musik ist klingende
Luft
Der Titel "Die Musik - Mein Leben"
soll eigentlich keine Autobiografie sein, meint
Daniel Barenboim, der als einer der
größten Musiker unserer Zeit gilt. "Ich
wollte über vieles schreiben, was mit Musik zu
tun hat. Der biografische Aspekt ist eher eine Art
Leitfaden." Vor elf Jahren erschien Daniel
Barenboims Buch zum ersten Mal. Die Neuauflage ist
eine um mehrere Kapitel erweiterte Fassung, die
aktuelle Entwicklungen - auch politische -
berücksichtigt. Das Buch ist zu seinem 60.
Geburtstag, der am 15. November 2002 war,
erschienen.
Einige Wochen zuvor war der Pianist und Dirigent in
Ramallah. Dort, am Sitz der palästinensischen
Verwaltung, hatte er mit Jugendlichen musiziert und
sich wieder einmal den Zorn israelischer Politiker
zugezogen. Barenboim berichtet, dass in Ramallah
während der künstlerischen Arbeit der
"Hass auf Punkt Null gebracht wurde". Für den
Maestro gibt es keine militärische Lösung
im Nahost-Konflikt. "Es darf nicht dauernd gefragt
werden: Welches sind meine Rechte? Wichtiger ist:
Worin liegt meine Verantwortung?" Dennoch sieht
sich Barenboim nicht als Unterstützer eines
der beiden Lager: "Gerade weil das Thema so
politisch ist, darf unsere Botschaft keine
politische, sondern muss eine menschliche
sein."
Barenboim liebt es, sich einzumischen und auch zu
provozieren. Vor entsetzten Israelis dirigierte er
zum Beispiel das "Tristan"-Vorspiel des verhassten
Richard Wagner. Doch er benutzt die Musik nicht.
"Ohnehin besitze Musik keine moralische
Qualität, da halte er es ganz mit dem
Komponisten Ferruccio Busoni: "Musik ist klingende
Luft." Ausschlaggebend sei, was mit ihr geschehe:
"Musik ist wie ein Messer. Entweder kann ich damit
Brot schneiden oder es als Mordinstrument
einsetzen."
Die Reflexionen zu dieser Thematik nehmen auch den
größten Raum in Barenboims Buch ein,
etwa die sehr persönlichen Betrachtungen
über Musik-Interpretation und über das
Phänomen Klang, über Opernregie und die
Psychologie des Orchesters. Barenboim erzählt
auch über seine vielfältigen Begegnungen
mit seinen berühmten Künstlerkollegen,
über seine langjährige Freundschaft zu
Pierre Boulez und sein Verhältnis zum
Musikbetrieb.
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"Ich habe versucht zu beschreiben,
wie es ist von der Musik besessen zu sein, und war
neugierig darauf dieser Besessenheit
nachzugehen."
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Daniel Barenboim
"Die Musik - Mein Leben"
Aus dem Englischen von Michael Lewin und
Matthias Arzberger
Gebundene Ausgabe, 344 Seiten,
Ullstein Verlag, München

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