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"Besonders spannend stelle ich mir Begegnungen vor,
die in Baden-Baden vielleicht eher unüblich
sind. Ich denke da an kulturelle Begegnungen mit
Menschen aus Drittländern wie Haiti, Cuba oder
Panama. Ich glaube, da könnte es zu einem
spannenden und farbenfrohen Austausch zum Beispiel
aus der Musikszene kommen, die uns
kulturverwöhnten Mitteleuropäern eine
ganz andere Sichtweise auf fremde Kulturen und
deren Lebensweise entstehen lassen
könnte."
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Das
Interview
RW: Das
Meer mit seiner Fülle an Entdeckbarem
ist einerseits dein "Zuhause", andrerseits
betonst du, deine Wurzeln befänden
sich in Baden-Baden. Wie ist dies zu
verstehen?
MK: Baden-Baden und das Meer wie passt das
zusammen? Ganz einfach. Baden-Baden ist
die Heimat und das Meer ist die Sehnsucht,
sind die Träume, das Abenteuer, ist
das Leben. Ähnlich wie wenn einer
sein Elternzuhause verlässt und in
der Welt sein Auskommen sucht, kehrt er
doch immer wieder gerne in sein Elternhaus
zurück. (Wenn es denn ein gutes war
!!)
So habe ich zwei zuhause gefunden, zwei
Heimaten. Baden-Baden mit seinen
Wäldern, seinen Schluchten und seiner
Kultur, ...und das weite Meer, die
Sehnsucht nach Abenteuern und
Erkenntnissen.
RW: War
Baden-Baden für dich auch ein Ort des
Abenteuers und der Erkenntnisse?
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MK:
Die Stadt Baden-Baden mit ihren
geheimnisvollen, dunklen
Wäldern, Seen, Flüssen
und Bergen, hat mir immer genug
Anreiz auch als junger Mensch
gegeben, die Natur zu erkunden
und ihre Zusammenhänge zu
verstehen.
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Auch
gerade das Wechselspiel zwischen der
flachen Ebene des Rheins und den Bergen
des Schwarzwaldes hatten es mir angetan.
Und geologische Rätsel oder
Geheimnisse gab es für einen jungen
Menschen genug zu lüften, wie zum
Beispiel die tiefen heißen
unterirdischen Thermen, Kletterpartien an
den Steilwänden des Batterts oder
frühe Tauchgänge in den
"Urwäldern" des Altrheins wo ich in
klaren Grundwasserquellen tauchen konnte.
Wo findet man das sonst in der Welt?
Das harmonische und gelungene
Zusammenspiel zwischen Natur und Kultur
oder Architektur in dieser Stadt hat wohl
mit dazu beigetragen, auf meinen
späteren Expeditionen auch immer die
Menschheitsgeschichte und ihre Kultur mit
in die Filme aufzunehmen, das heißt,
es wurde für mich wichtig, immer
mehrere Aspekte zu betrachten.
Ich denke, dass Baden-Baden meinen Blick
dafür durchaus auch mit
"geschärft" hat.
RW:
Dieser "geschärfte" Blick, kann er
als Auslöser dafür betrachtet
werden, dass dich die unerforschten
Meerestiefen mit ihrer relativen
Unberührtheit, die trotzdem - siehe
die Ostsee vor Rügen, das
östliche Mittelmeer oder das Meer vor
Kap Hoorn - Zeugnisse der so genannten
Zivilisation haben aufnehmen müssen,
anziehen, weil der Kontrast
Natur-Zivilisation dort besonders zum
Tragen kommt?
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MK:
Du hast ganz Recht. Es ist vor
allem das Zusammenspiel von
Menschheitsgeschichte und dem
Ozean der mich fasziniert. Wie
zum Beispiel in Japan als wir an
den untergegangenen Pyramiden
tauchten und versuchten Beweise
und Erklärungen für
deren Entstehung zu finden.
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Oder im Amazonasbecken, als wir die
Quelländerung des Orinokos
erforschten. Es war nie besonders
aufregend für mich "nur" an bunten
Korallenriffen zu tauchen, es musste eine
Herausforderung oder eine Aufgabe sein an
ganz bestimmten exponierten Orten wie Kap
Hoorn oder dem Orinoko zu tauchen, mit
ganz bestimmten Tieren zu arbeiten oder,
seit Spiegel TV, hauptsächlich die
Zusammenhänge oder die Konflikte
zwischen Mensch und Ozean zu
erforschen.
RW: Als
besonders beeindruckendes Beispiel
für das Zusammenspiel von
Menschheitsgeschichte und Ozean
könnte Christoph Columbus genannt
werden. Du hast dich allerdings nicht nur
mit dem Seefahrer Columbus und dem
Naturforscher Alexander von Humboldt
beschäftigt, sondern auch mit dem
Piloten und Schriftsteller Antoine de
Saint-Exupéry, bist quasi in dessen
Fußstapfen getreten und hast mit dem
Schreiben begonnen. Warum?
MK: Es begann alles auf meiner vielleicht
gefährlichsten Expedition, dem
Tauchgang am Ende der Welt, vor Kap Hoorn.
Ich sah mich selbst schon immer mehr als
Geschichtenerzähler als Extremtaucher
und Abenteurer. Das Element Wasser
benutzte ich, um meine Geschichten im Film
besser transportieren zu können.
Als wir auf das Kap der Stürme
zusegelten bemerkte ich eine
merkwürdige Veränderung in der
Natur. Eisberge, Wolken, die Wellenberge,
...alles schien hier irgendwie "beseelt"
zu sein und zu einem zu sprechen. Selbst
die Stürme schienen von anderer
Intensität als an anderen
Plätzen dieser Erde.
Als wir dann im Sturm Kap Hoorn
passierten, entdeckte ich ein kleines
Kuriosum. Auf dem Kap selbst, eine
sturmumtoste kleine Felseninsel, sah ich
einen kleinen Süßwassersee. Die
Vorstellung auf diesem Kap
schiffbrüchig zu werden und um sein
Überleben zu kämpfen, hatte wohl
jeder von uns in diesem Augenblick.
Dass dann aus diesem See ein sprechender
Fisch (da diese Natur hier sowieso ganz
anders war als an jedem anderen Platz der
Erde, den ich bis dahin gesehen hatte) mit
mir einen Dialog anfangen würde
über den Zustand unserer Erde war wie
ein Geistesblitz. Von jener Sekunde an
schrieb ich in jeder freien Minute am
Konzept. Während der vielen
Schneestürme, irgendwo in
irgendwelchen Hafenbars am Ende der Welt,
nachts in meiner schaukelnden Koje wenn
ich nicht schlafen konnte, sogar beim
Tauchen ging mir die Geschichte nicht mehr
aus dem Kopf. Ich schrieb auf alles, was
ich bekam. Bierdeckel, Tischdecken.
Toilettenpapier, was ich gerade erwischen
konnte und wo ich halt gerade war. All das
stopfte ich dann in meinen Seesack und
brachte es mit nach Deutschland. Daraus
entstand dann das Manuskript zu " Es gab
Tage, da dachte ich nur an schneebedeckte
Meere"
RW:
Haben die legendäre versunkene Stadt
Atlantis, der kleine Prinz und dein
"Gesprächspartner", der Fisch, eine
oder gar mehrere Gemeinsamkeiten?
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MK:
Schwierige Frage. Ich denke aber,
was diese drei "Mythen" oder
"Legenden" verbindet ist, dass
sie aus einem Wunschdenken heraus
entstanden sind, und dass sich
alle drei "Fiktionen" auf eine
veränderte, bessere Welt
beziehen.
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Atlantis,
der kleine Prinz oder auch mein
sprechender Fisch sind sozusagen
Botschafter oder Metaphern der Hoffnung
auf ein harmonischeres Miteinander und ein
Verstehen der Menschheit.
Ebenfalls merkt man im Umgang mit diesen
"geschaffenen" Fiktionen eine sehr naive
Geisteshaltung. Das heißt eine sehr
vereinfachte, fast schon kindliche
Sehweise den Dingen gegenüber. Aber
gerade diese Geisteshaltung oder diese
Sichtweise ist für fast alle Menschen
zugänglich oder nachvollziehbar.
Daher resultiert wahrscheinlich auch der
große Erfolg des Buches und das
jahrtausende Überdauern der
Atlantistheorie.
Bei meinem Büchlein aber muss man
noch sehen, ...das muss ja erst noch
fertig geschrieben werden.
RW:
Kommen wir abschließend vom Fiktiven
zum Konkreten und greifen das Wort
Botschafter auf. Du hast spontan unser
Angebot, als Botschafter für
Baden-Baden ehrenamtlich aktiv zu werden,
angenommen. Wie stellst du dir eine
Umsetzung dieser Botschafteraufgabe
vor?
MK:
Zuerst einmal ist es natürlich eine
große Ehre für mich, für
die Stadt, in der ich aufgewachsen bin,
heute als Botschafter fungieren zu
dürfen.
Ich denke die Aufgabe eines Botschafters
ist immer eine verbindende, vermittelnde
Tätigkeit. Auch und gerade über
Grenzen hinweg. Und hier sehe ich auch
mein künftiges Betätigungsfeld.
Durch meine ständigen Reisen bin ich
in der angenehmen Situation, in vielen
Ländern Kontakte zu
Regierungsvertretern und Diplomaten zu
bekommen, zu denen man sonst nicht so
schnell in Kontakt gerät. Auf dieser
diplomatischen Ebene kann ich für
meine Heimatstadt werben, Kontakte
herstellen und vielleicht sogar für
den einen oder anderen Kulturaustausch
sorgen.
Besonders spannend stelle ich mir
Begegnungen vor, die in Baden-Baden
vielleicht eher unüblich sind. Ich
denke da an kulturelle Begegnungen mit
Menschen aus Drittländern wie Haiti,
Cuba oder Panama. Ich glaube, da
könnte es zu einem spannenden und
farbenfrohen Austausch zum Beispiel aus
der Musikszene kommen, die uns
kulturverwöhnten Mitteleuropäern
eine ganz andere Sichtweise auf fremde
Kulturen und deren Lebensweise entstehen
lassen könnte.
RW:
Glück auf für deine Vorhaben als
Taucher und Geschichtenerzähler und
vielen Dank für deinen
uneigennützigen Einsatz für
unsere schöne Stadt!
Das
Interview mit Matthias Kopfmüller
führte Rika Wettstein im Juni
2003.
Vita
von Matthias
Kopfmüller
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