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Anhänger der Prinzentheorie
sehen berühmten Findling nach neuen Recherchen
von arte rehabilitiert. Debatte wieder
entbrannt.
Auch Hausers Haarlocke bleibt
Beweis für adlige Abkunft schuldig
Auch knapp 170 Jahre nach dem
mysteriösen Tod von Kaspar Hauser im
fränkischen Ansbach kommt das geheimnisvolle
Findelkind nicht zur Ruhe. Neue Spekulationen
machen die Runde, nachdem das arte-Magazin "Sphinx"
die Geschichte Hausers wieder aufgerollt hat. Nach
der neuerlichen Untersuchung von insgesamt sechs
DNA-Proben haben gegenwärtig die "Hauserianer"
Oberwasser. Sie sind davon überzeugt, dass der
an Pfingsten 1828 in Nürnberg aufgetauchte
Unbekannte der Sohn von Großherzog Karl und
seiner Frau Stephanie und somit
rechtmäßiger badischer Thronfolger
war.
Im November 1996 machte das Nachrichtenmagazin
"Spiegel" Schlagzeilen mit der Nachricht, Hauser
habe mit dem Haus Baden nichts zu tun gehabt.
Zwei Labors hatten zuvor das Blut an der
mutmaßlichen Unterhose Hausers mit dem
lebender Nachfahren von Großherzogin
Stephanie verglichen. Dabei ergaben sich
beträchtliche Abweichungen. Bei der jetzigen
DNA-Analyse verglichen Wissenschaftler aus
Münster sechs DNA-Proben von Schweiß und
Haaren Hausers. Dass es sich um die originale DNA
Hausers handelt, sei sicher, behaupten die
Initiatoren: Die Schweißreste stammen vom Hut
und dem durchstochenen Hemd Hausers, die Haarlocke
kommt aus dem Nachlass des Juristen Anselm von
Feuerbach. Er war Zeit Lebens von der adligen
Abstammung Hausers überzeugt. Unter bis heute
ungeklärten Umständen kam Hauser ums
Leben.
"Alle sechs Proben sind identisch", sagt Bernd
Brinkmann, Direktor des Rechtsmedizinischen
Instituts der Universität Münster. Damit
gilt als sicher, dass es sich um authentisches
Material von Hauser handelt. Beim Nachweis, dass
Hauser der letzte Zähringer gewesen sei,
liegen die Dinge schon nicht mehr so einfach. "Die
Möglichkeit besteht", sagt Brinkmann. Eine
volle Übereinstimmung seines Erbguts mit dem
von Astrid von Medinger, einer Nachfahrin von
Großherzogin Stephanie, sei freilich nicht
festzustellen, räumt der Wissenschaftler
ein.
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Dennoch wittern
die "Hauserianer" Morgenluft. Sie betrachten den
unglücklichen Findling als rehabilitiert und
seine Abstammung vom Hause Baden als erwiesen. Er
sei als letzter Zähringer von der
Hochbergschen Linie des Badischen Hauses aus dem
Weg geschafft worden, um der Nebenlinie die
Erbfolge zu eröffnen. Wenige Wochen nach
seiner Geburt hat man demnach den Erbprinzen gegen
einen sterbenden Säugling ausgetauscht. Mithin
ruhe in der Pforzheimer Schlosskirche seither nicht
der leibliche Sohn von Karl und Stephanie. Der
Umstand, dass das Haus Baden auch heute noch jeden
Zutritt zur Fürstengruft an der Enz verwehrt,
nährt diesen Verdacht. Ohne viel Aufwand
ließe sich wissenschaftlich klären, ob
das dort bestattete Kind von Stephanie ab stammt
oder nicht. "Die Schändung der
Naturwissenschaft durch die wissenschaftlich
groteske Milchmädchen-Analyse von 1996 ist nun
wieder ins Lot gebracht", jubelt Rudolf Biedermann,
ein selbst ernannter Hauser-Forscher aus dem
hessischen Offenbach. Bereits vor sechs Jahren
widersprach er bei der Spiegel-Pressekonferenz in
Ansbach öffentlich Chefredakteur Stefan Aust,
als dieser das damalige Untersuchungsergebnis
präsentierte. Die Diskussion um die wahre
Identität Hausers ist wieder voll
entbrannt.
BNN - 20.8.2002
Mehr als 2000 Bücher und an die 15000
Broschüren, Artikel, Gedichte und Lieder sind
seit dem Auftauchen des Sonderlings vor 175 Jahren
[am 26. Mai 1828; Anm. der Red.] entstanden. Seine
Geschichte wurde auch verfilmt. Eine vom Magazin
"Der Spiegel" und der Stadt Ansbach in Auftrag
gegebene Analyse kam 1996 zu dem Ergebnis, dass
Hauser kein badischer Prinz gewesen sei. Das
Institut für Rechtsmedizin der
Universität Münster analysierte im
vergangenen Jahr Haare und Körperzellen Kaspar
Hausers und zog einen anderen Schluss: "Es ist
weiterhin offen, ob der Junge mit dem Hause Baden
verwandt war", sagt Institutsleiter Bernd
Brinkmann. Brinkmann will weiterforschen und
rechnet mit neuen Erkenntnissen in einem
Vierteljahr.
Eine letztendliche Aufklärung steht also aus,
der Mythos darf weiter wuchern.
BT - 26. Mai 2003
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