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Kaspar Hauser (1812 -
1833)
Am Pfingstmontag, dem 28. Mai, des Jahres 1828
begann das "offizielle" Leben eines jungen Mannes,
der in Nürnberg hilflos aufgegriffen wurde.
Seinem äußeren Erscheinungsbild nach
musste er aus einfachen Verhältnissen stammen.
Neben dem verwirrten und dümmlichen Eindruck,
den er machte, wiederholte der Fremde ständig
den Satz "Ein Reiter will ich werden, wie mein
Vater einer war."
Einem Papier zufolge, welches der Unbekannte bei
sich trug, sollte er am 7. Oktober 1812 einem
armen, kinderreichen Taglöhner "gelegt worden"
sein. Kaspar Hauser schrieb der des Sprechens
offensichtlich nicht besonders Kundige auf ein
Papier, als er nach seinem Namen gefragt worden
war. Später, im Sprechen geübter,
erzählte er, in einem dunklen engen
Verließ aufgewachsen zu sein, wo jeden Morgen
Brot und Wasser neben der Schlafstelle gestanden
hätten. Ab und zu habe das Wasser bitter
geschmeckt. Wenn er nach dem Verzehr jenes Wassers
aus dem Schlaf aufgewacht sei, habe jemand seine
Kleidung gewechselt und seine Nägel
geschnitten gehabt. Eines Tages sei ein Mann zu ihm
gekommen, habe ihn gelehrt, "Kaspar Hauser" zu
schreiben und den Satz zu sprechen: "Ein Reiter
will ich werden, wie mein Vater einer war." Wie er
nach Nürnberg gekommen war, wusste er
nicht.

Zum Vormund des geheimnisvollen Fremden wurde der
angesehene Jurist Paul
Johann Anselm Ritter von Feuerbach bestellt. Die Erziehung Kaspar
Hausers übernahm der Nürnberger
Gymnasialprofessor Georg
Friedrich Daumer. Er kümmerte sich nicht nur
darum, dem gelehrigen Schüler lesen und
schreiben beizubringen, sondern unterzog den jungen
Mann gemeinsam mit dem Nürnberger
Stadtgerichtsarzt Dr. Paul Preu psychologischen und
pädagogischen Experimenten, welche sie auch
veröffentlichten.
Die ungeklärte Herkunft Kaspar Hausers und
seine Entwicklung weckte das Interesse einer
Vielzahl von Wissenschaftlern und Regenten in ganz
Europa. Eine gewisse Ähnlichkeit Kaspar
Hausers mit Mitgliedern des großherzoglichen
Hauses Baden ließ die Vermutung aufkeimen,
Kaspar Hauser sei ein Abkömmling der badischen
Adelsfamilie.
1829 und 1831 wurde Kaspar Hauser Opfer zweier
unaufgeklärter Attentatsversuche. 1832
verfügte Paul Johann Anselm Ritter von
Feuerbach seine Übersiedlung nach Ansbach. Bei
der dortigen Kreisregierung wurde Kaspar Hauser als
Aktenkopist beschäftigt. Wegen der
Spekulationen um seine Herkunft wurde er teils als
Kuriosum, teils als eine Art Jahrmarktsattraktion
betrachtet. Er selbst widmete sich neben seiner
Arbeit dem Zeichnen und Musizieren und freundete
sich mit der Tochter des amtierenden
Regierungspräsidenten an.
Am 29. Mai 1833 starb sein Vormund und Mentor Paul
Johann Anselm Ritter von Feuerbach. Am 14. Dezember
1833 kam Kaspar Hauser mit einer schweren
Stichverletzung im Unterleib nach Hause und
berichtete von einem Attentat im Ansbacher
Hofgarten. Drei Tage später starb er an den
Folgen der Verletzung. (RW)
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