Wellness über alles

In der internationalen Hotellerie gibt es kein dominierenderes Schlagwort und Marketinginstrument. Alles dreht sich um schöne Beauty-Oasen, Fitness-Programme und Gesundheitsvorsorge.

Jede Wette: Müsste die internationale Hotellerie in diesen Tagen ein "Wort des Jahres" wählen, gäbe es eine frappierende Einstimmigkeit. Der gesuchte Begriff wäre außerdem garantiert derselbe wie im Jahr zuvor. Kein anderes Schlagwort beherrscht so dominant die Szene wie "Wellness". Die vielen Varianten, Wellfit, Wohlgefühl durch Muskelspiel, Gesundheitspflege und Beauty einmal eingeschlossen.

Nach der erstmals eingerichteten Wellness-Messe in Leipzig, nach einer Flut von Wahlen und einer Kette von Auszeichnungen für die bestausgestatteten Hotels dieser Gattung (den aktuellsten Preis vergab der Busche Verlag an das Dorint Hotel Überfahrt am Tegernsee), schuf ein Team der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg sowie der Heilbäder und Kurorte Marketing Gesellschaft die Klassifizierungs-Grundlagen (für Gäste leicht erkennbare) mit Wellness-Sternen zum Einordnen. Anders als bei der Bewertungsskala des Hotel- und Gaststättenverbandes wird hier mit anonymen Tests und festen Regeln die Qualität tatsächlich kontrolliert.

Das
Schlosshotel Bühlerhöhe in Baden-Baden (in Bühl - die Red.) beispielsweise bekam die Höchstbewertung für das, was als "Kur de Luxe" präsentiert wird. Wellness-Angebote mit großer Vielfalt, tibetanischer Klangreise, alle nur denkbare kosmetische Maßnahmen und Fitness-Mahlzeiten zur Abrundung. Mindestens fünf verschiedene Therapieformen, täglich geöffneter Fitnessbereich mit Tageslicht und Ganzjahresbetrieb sind die Voraussetzungen, um überhaupt in die Wertung zu kommen.

Nach dem Band "Ausgewählten Wellness-Hotels zum Wohlfühlen" von Top hotel im deutschsprachigen Raum hat nun der Klocke Verlag eine umfassende Fibel der weltweit herausragenden Domizile dieser Gattung zusammengestellt. Titel: "Beauty Hotels - Die schönsten Wellness-Oasen der Welt".

Die Reise beginnt bei einer der frühesten Adressen dieser Programmfolge im Oriental Hotel in Bangkok und schließt ebenso preisgünstige Adressen an Deutschlands Küsten und in den Bergen ein.

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Werbetexter für Fitness- und Wellness-Programme hätten es nicht griffiger und plakativer formulieren können, als es Schopenhauer in den Aphorismen zur Lebensweißheit auf den Punkt gebracht hat: "Neun Zehntel unseres Glückes beruhen allein auf der Gesundheit. Mit ihr wird alles eine Quelle des Genusses."

Nehmen wir ruhig einmal an, dass Wellness- und Schönheitspflege in diese Erkenntnis eingebunden sind, dann scheint der spektakulärste Hotel-Trend unserer Tage beinahe selbstverständlich, ja, zwangsläufig: Ohne Spa, Fitnesscenter und Beautyfarm läuft heute nichts mehr. Und das gilt längst nicht mehr nur für die Ferienhotels, wie die mit der Höchstwertung bedachten Traube Tonbach, wo die Wellness-Sterne-Verleihung stattfindet oder Bareiss in Baiersbronn, Schloss Lerbach (bei Köln), der Sonnenalp oder Schloss Seefels am Wörthersee, sondern ebenso für die Stadthotels.

Die aktuelle Generation der renommierten Domizile, das Adlon beispielsweise, das Grand Hyatt, beide in Berlin oder die prächtigen Leading-Hotels Schloss Bensberg und Nassauer Hof in Wiesbaden sind perfekt ausgestattet, ältere Grandhotels rüsten nach. Das ArabellaSheraton Grandhotel in München oder das Park Hotel in Bremen mit Wellness auf fünf Etagen sind Beispiele, das Excelsior Hotel Ernst in Köln ebenso. Wie man auch mit begrenztem Raum vorzügliches gestalten kann, zeigte der Chef des Hamburger Vierjahreszeiten, Ingo Peters, in seinem Traditionshaus, das zur Raffles Gruppe gehört. Das Amrita Spa ist ein kleiner Hort fernöstlicher Pflege und Erholung.

Für alle so genannten Day-Spa-Liebhaber öffnet das Adlon täglich von 6.30 bis 22 Uhr mit dem Programm "Fit für den Tag". Im Schweizer Interlaken lebt das Leading Hotel Victoria Jungfrau vom Programm für Entspannung, Vitalität, Harmonie von Körper und Geist. Obwohl die Beauty- und Wellness-Tage mit 961 Euro pro Person wahrlich nicht "verschleudert" werden, sind sie vorzüglich gebucht.

Insgesamt schmücken sich bereits mehr als 500 Hotels in Deutschland mit dem Prädikat "Wellness". Der Deutsche Wellness-Verband schätzt den Jahresumsatz auf mehr als 20 Milliarden Euro.

© Die Welt, 11. Juni 2004

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