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Sumpflegende
"Sumpflegende" nannte Paul
Klee ein 1919 entstandenes
Ölgemälde. Es darf getrost gerätselt
werden, ob dieser Titelwahl eine Vision von den
Machenschaften um dieses Bild zugrunde lag.
1919 wurde das Bild von Dr. Paul Küppers
erstanden. Der in Hannover ansässige Liebhaber
moderner Kunst und Gründer eines Kunstvereins
stellte das Bild dem Münchner Buchhändler
und Galeristen Hans Goltz für dessen erste
Paul-Klee-Ausstellung im Juni 1920 zur
Verfügung. Der Ausstellungskatalog führt
es unter der laufenden Nummer 10 auf: "Sumpflegende
Eigentum Dr. Küppers".
1922 starb Dr. Küppers und seine aus
München stammende Witwe Sophie erbte neben
anderen Bildern auch die "Sumpflegende".
In zweiter Ehe war Sophie Küppers mit dem
russischen Maler, Grafiker und Architekten El
Lissitzky, einem der wichtigsten Vertreter des
russischen Konstruktivismus, verheiratet und seit
1926 in Moskau sesshaft.
Bevor Sophie Küppers nach Moskau
übersiedelte überließ sie dem
Provinzial-Museum Hannover 13 Gemälde als
Leihgabe. Darunter befanden sich Wassily Kandinskys
"Improvisation 10", "La grappe de raisins" des
polnisch-französischen Malers Louis Marcoussis
und "Sumpflegende".
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Bis 1930 konnten Sophie
Küppers-Lissitzky, die bei der Annahme der
sowjetischen Staatsbürgerschaft die deutsche
Staatsbürgerschaft verloren hatte, und ihr
Mann noch Auslandsreisen unternehmen. Danach waren
sie gezwungen, sich ausschließlich in der
UdSSR aufzuhalten. Im Oktober 1930 wurde beider
Sohn Jen geboren.
Das deutsche Reichsministerium für
Volksaufklärung und Propaganda beschlagnahmte
im Jahr 1937 das Klee-Bild "Sumpfgelände" um
es in der Ausstellung "Entartete Kunst" anzuprangern.
1941 wurde "Sumpflegende" für 500 Schweizer
Franken verkauft. 1941, dem Jahr als die deutsche
Wehrmacht gen Moskau marschierte, starb El
Lissitzky. Die sowjetischen Behörden gingen
massiv gegen Deutsche vor. Sophie
Küppers-Lissitzky und ihr 11jähriger Sohn
wurden nach Nowosibirsk verbannt. Unter
unwürdigsten Bedingungen fristeten sie dort
ihr Leben. Eine Erleichterung ihrer
Lebensverhältnisse stellte sich erst nach 1956
ein.
18 Jahre nach dem Ende des so genannten "Dritten
Reiches" wurde "Sumpflegende" für 85000 DM in
Köln an den Baseler Galeristen Ernst Beyerler
versteigert, landete im Jahr darauf in einer
unbekannten Schweizer Sammlung und ging 1973 in den
Besitz der Galerie Siegfried Rosengart in Luzern
über.
In der Zwischenzeit hatte Sophie
Küppers-Lissitzky ergebnislos beim Hannover
Provinzial-Museum nach dem Verbleib ihrer Bilder
gefragt. Sie und ihr Sohn betrieben mit zahllosen
Anträgen die Ausreise nach Deutschland, was
allerdings nicht erfolgreich war. 1978 starb Sophie
Küppers-Lissitzky.
Vier Jahre später wechselte ihr Bild
"Sumpflegende" für das 1400fache seines
Verkaufswertes von 1941 in die Städtische
Galerie im Lenbachhaus München.
1989 konnte Jen Lissitzky in die Bundesrepublik
Deutschland übersiedeln und sich auf die Suche
nach seinem Erbe machen. In den Genuss desselben
ist er auch zu Beginn des dritten Jahrtausends nur
bedingt gekommen.
1992 hätte er von Gerichts wegen die
Möglichkeit gehabt, "Sumpflegende", dem
mittlerweile ein Versicherungswert von 4 Millionen
DM zugerechnet wurde, in Berlin beschlagnahmen zu
lassen, als das Bild in einer amerikanischen
Rekonstruktion der Ausstellung "Entarte Kunst" im
Berliner Alten Museum zu sehen war. Er sah davon ab
und führte in München einen Prozess um
sein Erbe.
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Der Prozess um das Klee-Bild in der
Städtischen Galerie im Lenbachhaus
München führte am 8. Dezember 1993 zu dem
Richterspruch, die jeweiligen Erwerbungen der
"Sumpflegende" seine nicht böswillig gewesen.
Zudem sei die 30jährige Anspruchsfrist
verjährt.
Anders, ein positives Beispiel abgebend, verhielt
sich das Museum Ludwig in Köln. Aus freien
Stücken entschieden sich das Museum und die
Stadt Köln das Gemälde "La grappe de
raisins" an den eigentlichen Erben Jen Lissitzky
zurückzugeben.
Auch Schiele-Bilder fielen
teilweise dem Kunstraub zum Opfer.

Auch Egon Schieles Bilder sind von
den Nationalsozialisten als "entartet" eingestuft
worden und fielen teilweise dem Kunstraub zum
Opfer. Egon Schieles "Tote Stadt III" gehört
ebenso dazu wie das "Bildnis Valerie Neuzil".
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Zum
Thema:

Ausstellungen
der Galerie Goltz von 1912 bis 1927

Christian
Rümelins Auseinandersetzung mit Klees Leben
und Werk

Paul
Klees Generalvertrag mit Hans Goltz

Ausstellungen
der Galerie Goltz von 1912 bis 1927

Auch
Schiele-Bilder fielen teilweise dem Kunstraub zum
Opfer

Der
Fall Malewitsch

Die
abenteuerliche Geschichte der Sophie
Lissitzky-Küppers und ihrer
Kunstsammlung

Das
Buch zum Thema: "Raubkunst -
Kunstraub"

Der
rechliche Status von Beutekunst
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