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Auch Schiele-Bilder fielen
teilweise dem Kunstraub zum Opfer
Auch Egon Schieles Bilder sind von den
Nationalsozialisten als "entartete
Kunst" eingestuft worden und fielen
teilweise dem Kunstraub zum Opfer. Egon Schieles
"Tote Stadt III" gehört ebenso dazu wie das
"Bildnis Valerie Neuzil".
"Tote Stadt III" wurde Ende 1911 in der Buch- und
Kunsthandlung Goltz ausgestellt und später vom
österreichischen Kunstkritiker Arthur Roessler
gekauft. 1925 wurde das Bild von Fritz
Grünbaum erworben, der eine umfangreiche
Schiele-Sammlung aufgebaut hatte. 13 Jahre
später wurde der bekannte Kabarettist
Grünbaum im Konzentrationslager Dachau
ermordet. Seine Gemäldesammlung war und blieb
verschollen - bis auf "Tote Stadt III". Das Bild
tauchte nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Berner
Auktionshaus auf und wurde von dem in New York
ansässigen Sammler und Händler Otto
Kallir erstanden, der es 1960 mit dem
österreichischen Kunstsammler Rudolf Leopold
gegen einige Schiele-Zeichnungen tauschte.
Auch das "Bildnis Valerie Neuzil" befindet sich im
Besitz Rudolf Leopolds.
1912 von Egon Schiele gemalt, landete die "Wally"
nach zweimaligem Besitzerwechsel in der Wiener
Galerie Würthle, deren Inhaberin Lea
Bondi-Jaray war. 1938 wurde die Galerie "arisiert"
und Lea Bondi-Jaray floh nach London.
1945 erhielt sie ihre Galerie zurück. Die
"Wally" fehlte allerdings im Bilderbestand.
Angeblich war das Bild konfisziert worden.
Es tauchte offiziell erst wieder im Jahr 1950 auf.
Lea Bondi-Jarays Besitzansprüche wurden jedoch
nicht akzeptiert, da das Bild von seinem aktuellen
Besitzer per Kaufvertrag erworben gewesen sein
soll. 1954 gelangte die "Wally" mittels Tausch in
den Besitz von Rudolf Leopold.
Rudolf Leopold hat sein Sammlung im Laufe der
Jahrzehnte zur bedeutendsten ihrer Art ausgebaut.
Die Sammlung war 1994 in eine Stiftung
übergegangen. Gemeinsam mit der Republik
Österreich und der Österreichischen
Nationalbank war die Stiftung Leopold
Museum-Privatstiftung gegründet worden, in
welche mehr als 5000 Exponate der Sammlung
eingebracht wurden. Durch einen Museumsneubau
wurden die Kunstwerke der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
Etliche Arbeiten Egon Schieles wurden Ende 1997 in
einer Ausstellung des Museum of Modern Art in New
York gezeigt, darunter auch "Tote Stadt III" und
"Porträt Wally". Vor dem Rücktransport
nach Europa wurden die beiden Bilder Anfang 1998
beschlagnahmt, da die beiden jüdischen
Familien Reif und Bondi, Nachkommen der
früheren Eigentümer der Schiele-Bilder,
Besitzansprüche erhoben.
Im Unterschied zur Rechtsprechung in vielen
europäischen Ländern, wonach der Erwerb
geraubten Gutes rechtens ist, so lange er im guten
Glauben erfolgte, gilt in den USA der Grundsatz,
dass jeder unrechtmäßige Erwerb die
Rechtmäßigkeit der folgenden
Erwerbshandlungen aufhebt.
Nach etlichen Ereignissen folgte der New Yorker
Supreme Court im Mai 1998 dem Einwand des Museum of
Modern Art, wonach Leihgaben aus Übersee durch
das Arts and Cultural Affairs Law vor der
Beschlagnahme durch amerikanische
Justizbehörden geschützt seien, und hob
die Beschlagnahme auf.
Das Leopold Museum lässt auf seiner Webseite wissen:
Provenienzforschung der Leopold Museum
Privatstiftung
Anfang 1998 wurden nach einer Ausstellung im Museum
of Modern Art in New York die beiden
Schiele-Gemälde "Porträt Wally" und "Tote
Stadt III" beschlagnahmt. "Tote Stadt III" wurde
nach wenigen Monaten freigegeben, für das
"Porträt Wally" hat die
Bundesstaatsanwaltschaft eine Klage auf "Verfall
wegen Einfuhr gestohlenen Gutes" eingebracht; das
Verfahren ist derzeit noch anhängig. Die
Beschlagnahme dieser zwei Gemälde des Leopold
Museums war der österreichische Auftakt zu
einer großangelegten öffentlichen
Diskussion über die Restitution von
Vermögenswerten, die ihren Besitzern im Zuge
der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (in
Österreich: 1938-1945) entzogen worden sind.
Dazu entfaltete sich eine Diskussion über
Mängel in der Praxis der Kunst-Restitution
nach 1945. Für die Bundesmuseen wurde daher im
Dezember 1998 das "Bundesgesetz: Rückgabe von
Kunstgegenständen aus den
Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen"
(Kunstrückgabegesetz) verabschiedet, welches
für diese die Grundlage für
Provenienzforschung bildet.
Auf der internationalen "Conference on Holocaust
Era Assets" in Washington wurden im Dezember 1998
elf Punkte - die "Washington Prinzipien" -
verabschiedet. Die Museen der unterzeichnenden
Staaten wurden aufgefordert, ihre Bestände zu
überprüfen und festzustellen, ob sich
darunter Kulturgegenstände befinden, die
während des Nationalsozialismus
unrechtmäßig enteignet worden sind.
Zahlreiche Museen - auch das Leopold Museum -
untersuchen seitdem ihre Bestände darauf
hin.
Schon 1995 - also lange vor jeder öffentlichen
Diskussion über das Problem "Raubkunst" -
wurden in den Ausstellungskatalogen des Leopold
Museums die Provenienzangaben veröffentlicht.
Das Leopold Museum hat als erstes (und bislang
einziges) Museum Österreichs bereits im Mai
2001 eine Übersicht sämtlicher
Sammlungsbestände (derzeit 5.289
Kunstwerke)und alle bis dahin erforschten
Provenienzangaben im Internet veröffentlicht
und gleichzeitig um ergänzende Hinweise
gebeten.
Auf Grund des Umfangs, der heterogenen
Zusammensetzung der Sammlungsbestände, der
Dokumentations-Ausgangslage (auch wegen der
Besonderheit, dass das Museum aus einer
Privatsammlung hervorgegangen ist), ist die
Provenienzforschung ein komplexes und entsprechend
langfristig angelegtes Forschungsprojekt.
Die Provenienzforschung der Leopold Museum
Privatstiftung orientiert sich an den methodischen
Standards der österreichischen Bundesmuseen
und der westeuropäischen und amerikanischen
Museen. Weil das Leopold Museum kein Bundesmuseum,
sondern eine Privatstiftung ist, unterliegt es
nicht dem Kunstrückgabegesetz, welches den
zuständigen Bundesminister zur Rückgabe
von Kunstwerken ermächtigt.
Die Leopold Museum Privatstiftung ist bemüht,
die Provenienz seines Bestandes möglichst
umfassend aufzuklären. Wir bitten Alle
(besonders Alle, die wissenschaftlich in diesem
Bereich arbeiten) uns mit ihren Informationen zu
helfen. Wenn Sie Anfragen zu einzelnen Objekten aus
unserem Bestand haben oder wenn Sie ergänzende
Informationen beitragen können, senden Sie
diese
per E-mail an provenienz@leopoldmuseum.org
per Fax an +43 1 525 70-1500
oder per Post an: Leopold Museum Privatstiftung
Provenienzforschung, Museumsplatz 1, A-1070
Wien
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Egon Schiele 1890 - 1918
Die Mitternachtsseele des
Künstlers
von Reinhard Steiner
96
Seiten, Taschen Verlag

Rezension:

Egon Schieles
auseinandersetzungsreichem Leben und Werk ist
bereits in etlichen Publikationen große
Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Reinhard Steiner näherte sich in den 1990er
Jahren der "Mitternachtsseele des Künstlers".
Er beleuchtet die verschiedenen Stufen der
künstlerischen Entwicklung im kurzen Leben des
österreichischen Ausnahmemalers. Mit
eingewoben sind prägende Lebenssituationen, so
dass dieses knapp 100 Seiten umfassende Buch die
Qualität einer souverän verfassten,
informativen (Kurz-)Biografie zugeschrieben werden
kann.
Fünf Kapitel unter den Leitworten
"Das Selbst des Künstlers",
"Ich bin durch Klimt gegangen",
"Die Figur als Ausdrucksträger",
"Die visionär-symbolischen Bilder" und
"Seelenlandschaften"
bieten nicht nur Wissenswertes, sondern auch eine
Vielzahl auf die Leitworte bezogener Bilder.
Eine Doppelseite mit Lebensdaten des unangepassten
Künstlers schließt das erschwingliche
Taschen-Buch ab, das sich zur bibliophilen
Bereicherung nicht nur für den
Bücherschrank von Kunstliebhabern empfiehlt.
(RW)
Das Buch ist im Taschen-Verlag erschienen.
Zum
Thema:

Biografie
Egon Schiele

Ausstellungen
der Galerie Goltz von 1912 bis 1927

Die
Machenschaften um
Paul
Klees Bild "Sumpflegende"

Der
Fall Malewitsch

Die
abenteuerliche Geschichte der Sophie
Lissitzky-Küppers und ihrer
Kunstsammlung

Das
Buch zum Thema: "Raubkunst -
Kunstraub"

Der
rechliche Status von Beutekunst
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