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Biografie Hans Goltz

Die Jahre 1911-1927

Das Erbe von Hans Goltz

Der Blaue Reiter

Entartete Kunst

Presseecho/Ausstellungen

Interview mit Michael Goltz

Ausstellungen/Künstler

Münchener Neueste Nachrichten
vom 24. Oktober 1912

Der Herr, der die Ausstellung Goltz am Odeonsplatz verließ, rief nach einem Auto: "Fahren sie mich rasch", sagte er zu dem Chauffeur, "der Herr Moosburger und seine gelbe Kuh verfolgen mich mit der Symphonie des Schmerzes." Der Chauffeur lächelte und verschwendete Gas die Ludwigstraße hinab gegen Schwabing zu. Aber der Herr Moosburger und seine gelbe Kuh blieben bei Goltz. Herr Moosburger, der Mann mit dem blutigroten Gesicht und dem moosgrünen Bart hängt rechts an der Wand, die gelbe Kuh links. Die Kuh ist wütend geworden, weil man sie mit Eierdotter bemalte, der Herr Moosburger zeigt seine Schamröte wegen seines stattlichen grünen Vollbartes. Die Symphonie des Schmerzes endlich besteht aus ausgestochenen Augen, zu Sträuben verdrehten Nervensträngen und fliegenden Dreiecken. So sieht der Schmerz im Bilde aus; in der Praxis wird er zum Angstschweiß und zur Symphonie des Schreies nach einem Reserve-Taschentuch, nach einem Stuhl und nach Kognak. Es hängt noch ein sehr schönes Bild an der Wand des Herrn Moosburger: "Kaffee" oder: Wo ist der Sacharinschmuggler? Der Zufall hat einen Schirmständer danebengestellt, raffinierter Gedanke: Hier einen Schirm zu stellen, ihn aufzuspannen, mit ihm die Augen zu beschatten und dem Ausgang zuzueilen. An der Kasse sagt man dann: "Fräulein, verstehen Sie das?" und das ehrliche kleine Fräulein sagt: "Nein." Es sitzt den ganzen Tag dem Herrn Moosburger gegenüber, und hat Nerven wie Kreuzerstricke. Der blaue Reiter - ein Sonntagsreiter - oder ein Reiter am Blauen Montag? Trinkt er Absinth oder Wasser? Wodka oder Slivovitz? Jughurt oder Kumi? Ist er schon nach dem Kriegsschauplatz abgerufen oder nicht? Den Maler des "Schmerzes" kenne ich, eine Woche lang war das "Stefanie" wegen baulicher Veränderung geschlossen - da entstand das Bild. Es klagt die Langweile der Maurer an. Der Weg von "van Gogh" bis Kandinsky ist in einem viel schnelleren Tempo zurückgelegt worden. Und schon sind die Akten auf diesen blauen Reiter geschlossen: die Futuristen rücken an! Die Laienhaftigkeit des Publikums glaubt die Ausstellung Goltz als Führer betrachten zu dürfen - es gab nie einen größeren Irrtum. Schon sind die Kandinsky-Leute zu "Zünftlern" zu degradieren, die mit diesen kommenden Zukunftlern gar nichts zu tun haben. Figurenmaler, Genrebedürftige, man könnte sogar sagen Gewerbetreibende. Um sie in dem gebührenden Abstand zur wahren Kunst zu zeigen, verrücken also nächstens die Futuristen ihren Schauplatz von Berlin nach München - soweit sie nicht der Krieg im Osten zu erhabenen Aufgaben verlangt hat.

Münchener Neueste Nachrichten
vom 12. September 1917 Ausstellung der Galerie »Neue Kunst - Hans Goltz«

Wir sind in diesem Sommer in München so reich mit Ausstellungen gesegnet, dass es nicht verwunderlich ist, wenn sich beim Beschauer eine gewisse Müdigkeit einstellt, deshalb muss eine Ausstellung um größeres Interesse zu erwecken, irgendwelche Eigenart haben oder durch eine überragende Persönlichkeit fesseln. Auch die Ausstellungen der Künstler, die man gemeinhin mit dem Namen Expressionisten zusammenfasst, sind uns allmählich, trotz des Für- und Widergeschreis, alltäglich geworden. Auch die Bilderschau, die gegenwärtig bei Goltz zu sehen ist, zeigt ein schon gewohntes Bild, ungefähr dem der Ausstellung der »Neuen Secession« entsprechend. Wie dort finden wir hier Pascin, Pellegrini, Kars, Eberz, Seewald u.a., letztere(r) mit mehreren Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen in seiner bei aller Bilderbogenhaftigkeit so malerischer Art, die in dem Architekturbild beispielsweise von starker Wirkung ist.

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Die naturalistischen Blumenbilder von M. Czapek wirken nicht so unfertig wie des gleichen Künstlers Landschaften, man fühlt hier nicht die unbedingte Notwendigkeit, wie etwa in den Bildern eines Melzer. Die kubistisch zerbrochene Mandoline eines Herbin zeigt zu offensichtlich das bekannte Vorbild Picassos. In Klees bunten Vierecken, außer ihrer dekorativen Wirkung, irgendwelche Notwendigkeit zu erkennen, ist wohl nur wenigen möglich, seine Ausdrucksmöglichkeiten sind vielleicht in der Mystik oder Philosophie, nicht aber in der bildenden Kunst zu suchen.« »Diesen Irrtum findet man auch bei dem großen kubistischen Holzschnitt Dülbergs, der in den relativ naturalistischen Porträtholzschnitten entgegenkommender ist. Überhaupt befriedigt die Graphik der Ausstellung mehr. Zwar sind die harten, rohen Holzschnitte von Fel. Müller gewollt primitiv, die Zechnungen Egon Schieles sind noch unter dem Eindruck Klimts entstanden, doch die Radierungen Heckels sind von bewusster Eigenart. Die Zeichnungen und Illustrationen von Goetzel treffen mit ihren dünnen grünen Linien gut die mystische Stimmung ihrer literarischen Vorbilder, stark im Ausdruck und Empfinden sind seine Steinzeichnungen zu den Nachtwachen Bonaventuras. Die Grotesken von Sedlacek sind von grausigem Humor, während das Grausige in den Radierungen von Otto A. Lehmann nicht so überzeugt; gut sind teilweise die impressionistischen Federzeichnungen von Soldenhoff.

Der Cicerone
Halbmonatszeitschrift für Künstler, Kunstfreunde und Sammler, Artikel veröffentlicht in "Der Ararat", Nr. 7, 1920:

Hans Goltz, um die Pflege junger Kunst in München hochverdient, hat unter obigem Titel soeben eine neue Zeitschrift herausgebracht, die, in zwangloser Folge erscheinend, Glossen, Skizzen und Notizen zur neuen Kunst vereinigt. Im knappgeprägten Vorwort steht der programmatisch wichtige Satz, dass der "Ararat" nicht erbend durch Aufrufe oder Hymne, nicht theoretisierend durch Essay und Abhandlung, sondern sachlich berichtend durch Darbietung eines Tatsachen- und Anschauungsmaterials, das sich auch auf das Kunstleben aller Völker bezieht, für die neue Kunst wirken will. Er will die knappesten Formen literarischer Mitteilung bevorzugen: die Skizze, die Glosse, die Notiz.

Das erste Heft dieser neuen Reihe belegt den Satz durch die Tat. Witz und Schärfe sind Würze der hier mitgeteilten Dinge. Ein gut gewähltes Hors d’oeuvre, das die Gaumen der Feinschmecker kitzelt. Nichts ist nebensächlich, alles bewusst auf die knappeste Form gebracht. Und doch das ganze Programm mit europäischem Horizont. Halten sich die folgende Hefte auf der Höhe des ersten, wird der "Ararat" bald zu den amüsantesten Kunstzeitschriften der Gegenwart zählen. Die redaktionelle Leitung hat Dr. Leopold Zahn.

Völkischer Beobachter
vom 29. März 1923:

"Seit zehn Jahren wütet eine eigenartige Geistesseuche in unserer Stadt, Neue Kunst, Expressionismus, von uns Kunstpest genannt. ... Dabei ist erfreulich, dass diese Pest nicht zu einer allgemeinen septischen Verseuchung führte, sondern sich in Abszessen sammelte, die man nur aufzuschneiden braucht. So ein Abszess ist die Kunsthandlung »Goltz«, Herr Goltz feiert gegenwärtig das zehnjährige Jubiläum der Kunstpest durch eine Ausstellung. Sie zeigt an Werten der bildenden Kunst die ganze pestilentische Entzündung, phosphoreszierende Fäulnis und den starren Todeskampf des verlogenen, von der Natur abgeirrten Geistern in allen Varianten - von der ungehemmten Tollwut bis zur hohlen Idiotie -, von der schamlosesten Gemeinheit bis zum religiösen Wahnsinn. Dazwischen lallt Kubin in ekligen Fieberträumen, wühlt G. Grosz mit dem eifrigen Behagen einer Made in verwesenden literarischen Gedanken, sitzt Davringhausen wie ein Pilz wohlig im Faulen. Sein Selbstbildnis zeigt den Juden mit seinem urbösen Natternblick, seinen giftigen, polypenhaft leuchtenden Glotzaugen. ...hier muss einmal, mit aller Entschiedenheit hineingehauen werden."


Der Cicerone
17. Jg., 1925, Heft10, Leipzig/Berlin, schreibt:

"Diese 100. Ausstellung benutze man nun aber auch, dem vielbefehdeten Goltz ein Dankeswort zu sagen. Man überlege doch einmal, wie das Münchner, von Haus aus so zu Behäbigkeit und Inzucht neigende Kunstleben aussähe, ohne diesen »fremden« Faktor, der viel Wallung in den trägen Blutumlauf Münchens gebracht hat. Bai Goltz war es, wo die bewegte Jugend, die dann doch immer Träger der Entwicklung wurde, sich gefesselt fühlte, wo auch Experimente gewagt wurden, wo junges künstlerisches Leben an zentraler Stelle der Stadt pulste, ein Leben, das uns weiterhin gerade in München vergönnt sein möge."

Münchener Zeitung
Nr. 123, S. 8, Dienstag, 5. Mai 1925:

"Paul Klee, derzeit Professor (für was?) am Bauhaus in Dessau, vormals Weimar, stellt bei Hans Goltz, Briennerstraße, sein Werk von 1920 bis 1925 aus. Jemand, der ohne Ahnung, was seiner wartet, in diese Ausstellung gerät, könnte zunächst auf die  Vermutung kommen, dass es sich hier um Entwürfe zu bunten Stoffen oder Wandteppichen handelt. Jedenfalls ist der kunstgewerbliche Eindruck dieser infantilen Spielereien mit sehr geschmackvoll gewählten Farben und mit Linien, Strichen, Strichelchen, Punkten usw. vorherrschend. Beabsichtigt ist das vermutlich nicht. Es ist vielmehr anzunehmen, dass Klee und seine Freunde diese graphisch dargestellten Halluzinationen, Haschischträume und Phantasmagorien für ebenso hohe wie tiefe Kunst halten. Nun, das mögen sie  immerhin tun. Für uns, die wir nicht zu den Adepten gehören, hat diese Kunst höchstens dekorativen Anreiz. Im übrigen ist festzustellen, dass derartiges schon deshalb in der Luft hängt, weil es gar keine Beziehungen zu den Empfindungen in der Allgemeinheit hat. Das Volk wird zu solchen Dingen nie ein Verhältnis gewinnen. Das sei höchst gleichgültig, höre ich sagen. Auch gut. Aber die großen (und größten) Künstler früherer Zeiten haben anders gedacht. -vermerkt sei, dass diese Ausstellung die 100. der Galerie für Neue Kunst von Hans Goltz ist. Man hat selten Gelegenheit, über eine Ausstellung dieser Galerie erfreut zu sein, und kann aus innerster Überzeugung nur Wenigem zustimmen, was hier gezeigt wird. Aber es muss anerkannt werden, dass man diesen Ausstellungen trotzdem viele, z. T. sehr wertvolle Anregungen dankt. Und es ist deshalb zu wünschen, dass sie als dauernde Einrichtung bestehen bleiben mögen. Sie sind eine Notwendigkeit für jeden, der sich über modernste Kunst unterrichten will."

Frankfurter Zeitung
vom 26. Mai 1925
Paul Klee - Ausstellung bei Hans Goltz in München.
Von Wilhelm Hausenstein:
"Die Galerie Goltz zeigt das Werk Klees aus der Zeit von 1920 bis 1925. Vor fünf Jahren, im Mai 1920, hat man ebendort zum ersten Mal vereint gesehen, was von Klee bis dahin hervorgebracht worden war. Die gegenwärtige Ausstellung ist die Fortsetzung jener ersten. Möge die Gepflogenheit entstehen, dass die Produktion Klees von Lustrum zu Lustrum an dieser Stelle gezeigt werde. Das Zeitmaß ist gut. Die Stätte hat ein Vorrecht, denn von ihr aus ist Klee in die Öffentlichkeit geschritten. Ich selbst habe mich immer nur mit einem Teil der Künstler, die in der Galerie Goltz ihren Vermittler fanden, in Übereinstimmung gefunden. Dies aber ist mir über jedem Zweifel: mit dem Namen Klee besitzt sie ein Zentrum der Zeit. Ist eine paradoxe Formel erlaubt: ein exzentrisches Zentrum. So würden andere sagen; ich sage es nicht; denn ich glaube, diese schöne und gefährliche Spinne sitze mitten im Netz der Zeit, und ihr Gewebe, mir schöner als jedes andere unserer Tage, ist mir konzentrisch wie kein anderes; das heute sonst kunstreich gewoben würde... Mit dieser Ausstellung von mehr als zweihundert Arbeiten erlebt die Galerie Goltz ihre hundertste Schau zeitgenössischer Kunst von radikaler Haltung. Dass sie für dies Jubiläum ihren wichtigsten Künstler lud, dies stellt auch ihre Bedeutung in das stärkste Licht. Dem Künstler aber gibt es eine Auszeichnung, deren er nur zu sehr würdig ist..."

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