"Es scheint mir angebracht, hier des Kunsthändlers Hans Goltz zu gedenken, dessen Pionierrolle in der neuen Kunst so ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Hans Goltz war ein energiegeladener aus ziemlich knorrigem Holz geschnitzter Ost-Preuße national bis in die Knochen. Seine entschieden autoritäre Natur machte den Umgang mit ihm oft unbequem. Politisch-weltanschaulich stand er auf dem äußersten Flügel der Rechten. Alles, was nur von ferne an Sozialismus oder gar Kommunismus erinnerte, erregte die Galle dieses hochgradigen Cholerikers. Ganz anders verhielt sich Goltz in aestheticis. Hier fühlte er revolutionär und scheute auch nicht vor den kühnsten Experimenten der modernen Kunst zurück. Es machte ihm gar nichts aus, dass George Grosz in seinen Werken dem radikalsten Spartakismus huldigte. Als Künstler gefiel er ihm eben, und er setzte sich mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit für diesen Satiriker ein, der alles verhöhnte und bekämpfte, was der Politiker Goltz hochhielt. Die landläufige Vorstellung völkischer Gehirne: dass die moderne, sprich "entartete" Kunst ausschließlich von vaterlandslosen, minderrassischen décadents propagiert wird - in der teuflischen Absicht, die germanische Seele zu vergiften -, wurde von einer Erscheinung wie Hans Goltz schlagend widerlegt. Im Hause Goltz hörte ich Klee Geige spielen... "
Dr. Leopold Zahn in: Grote, Ludwig (Hrg.): Erinnerungen an Paul Klee. München (Prestel) 1959. S. 30-32.