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Biografie Hans Goltz

Die Jahre 1911-1927

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"Bereits Anfang 1933, zu Beginn der Nazi-Herrschaft, gründete Heinrich Thannhausers Sohn Justin in Paris in der Rue Miromesnil eine Niederlassung. Dorthin brachte er 1936, als es ihm als Juden durch die Reichskulturkammer untersagt wurde, weiterhin im Kunsthandel tätig zu sein und nach Zahlung einer sehr hohen Reichsfluchtsteuer, die ihn nötigte sich von seinem Bestand an klassischer deutscher Kunst zu trennen, sich, seine Familie und den verbleibenden Besitz an nunmehr entarteter Kunst vor den NS-Schergen in Sicherheit. Kaum in Paris angekommen, begann er vorsorglich Teile der Sammlung und des Lagers nach USA und Südamerika auszulagern. 1939 besuchten die Thannhausers die Prado-Ausstellung in Genf, als der Krieg ausbrach. Da sie in Frankreich noch nicht eingebürgert waren und ihnen bei einer Rückkehr dorthin als deutschen Flüchtlingen Lagerhaft drohte, entschlossen sie sich in der Schweiz zu bleiben. Nach dem Sieg der deutschen Truppen über Frankreich im Jahre 1940 betrieben sie ihre Auswanderung in die USA. Über das unbesetzte Frankreich, Spanien kamen sie nach Portugal und von dort in die USA. Die in Frankreich verbliebenen Lager- und Sammlungsbestände, sowie das komplette Archiv der Firma wurde beim Einmarsch der deutschen Truppen beschlagnahmt und sind seitdem verschwunden. Einzelne Bilder, wie z.B. die in den Safes der Bank Rothschild in Paris eingelagerten Werke, tauchten nach 1945 in Deutschland wieder auf und wurden zurückerstattet.“, wie K. H. Meissner in ohne Auftrag. Zur Geschichte des Kunsthandels notiert. Die Erben des 1927 verstorbenen Buch- und Kunsthändlers Hans Goltz konnten den verbleibenden Besitz an nunmehr entarteter Kunst vor den NS-Schergen offenbar nicht in Sicherheit bringen.

"Eine Veräußerung von expressionistischen Kunstwerken aus der Galerie meines Vaters (Hans Goltz) war nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auf Grund des Verbotes mit „entarteter" Kunst zu handeln, ausgeschlossen. Der Wert der Werke, die von den Nazis beschlagnahmt, zerstört oder geraubt wurden, ist nicht mehr festzustellen." So schreibt Charlotte Goltz am 19. Februar 1966 in Sachen Antrag auf Zuerkennung der Hauptentschädigung an die Amtsträger der zuständigen Stadt München. Restituiert wurde nichts. Mehr als ein halbes Jahrhundert galten Hunderttausende von Kunstwerken, die die Nazis beschlagnahmt, erpresst oder schlicht geraubt hatten, als unwiederbringlich verloren. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen begann der "Bildersturm" in allen besetzten Gebieten. Der größte Kunstraub der Geschichte nahm seinen Lauf. Bis heute befinden sich mehr als 2.000 Kunstwerke aus der Hinterlassenschaft der Nazis im Besitz des Bundes. Einst sollten die Bilder das geplante "Führermuseum" in Linz schmücken. Die rechtmäßigen Besitzer sind noch immer nicht ermittelt. Erst jetzt haben die Museen damit begonnen, die Geschichte ihrer Archivbestände aufzuarbeiten. Auch das Berliner Finanzministerium versichert aktuell, es werde alles getan, um die rechtmäßigen Eigentümer der Kunstwerke zu ermitteln. Ein Entschädigigungsantrag meiner Mutter im Jahre 1972 wurde aus formellen Gründen (Fristversäumung) abgelehnt, eine Klage beim LG München I und die Berufung zum OLG München blieben erfolglos. Bei einer Anhörung vor dem Innenausschuss des Bundestages im Juni 1987 hatte sich herausgestellt, dass ganze Gruppen von Opfern des NS-Regimes bewusst oder versehentlich ganz oder teilweise von der finanziellen Entschädigung ausgeschlossen waren. Heinz Düx, damals Richter am Oberlandesgericht Frankfurt war schon in den frühen 50er Jahren als Richter für die Rückerstattung geraubter »Arisierungs«-Vermögen tätig. Seine Erfahrungen schilderte er so: »Eine echte Bereitschaft zu Wiedergutmachung war nur bei einer Minderheit der Richter wahrnehmbar.« Kein Wunder: Denn schon 1948 waren, so Düx, bereits wieder 20 Prozent der Gerichtspräsidenten und 80 Prozent der Landgerichtsdirektoren ehemalige Mitglieder der NS-Partei. Sollte es der Bundestag jetzt unterlassen, »über Parteigrenzen hinweg« für eine angemessene Entschädigung der bisher ausgeschlossenen Opfer zu sorgen, würde er »eine historische Pflicht« versäumen, warnte der Richter. Diese historische Pflicht wurde bei meiner Mutter und uns Kindern gründlich versäumt.

  

 

 


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