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Paul Klees Generalvertrag
mit Hans Goltz
Die Akzeptanz Paul Klees durch die
Redaktion "Der
Blaue Reiter" und die Teilnahme an der
zweiten
Ausstellung, die Wassily Kandinsky und Franz
Marc 1912 in Hans Goltz' Geschäftsräumen
präsentierten, führten nach
Einschätzung Christian
Rümelins zu einer grundlegenden
Änderung in Paul Klees Situation als bildender
Künstler.
Die Vorstellung seiner Arbeiten in Ausstellungen,
die in Berlin bei Herwarth Walden und in
München bei Hans Goltz verwirklicht wurden,
bescherte ihm zunehmende Aufmerksamkeit. Mit einher
ging allerdings Belastendes wie organisatorische
Aufgaben, Schriftverkehr und Beitreibung
ausstehender Zahlungen.
Im Nachkriegsjahr 1919 war Paul Klee 40 Jahre alt
und finanziell immer noch abhängig von den
Einkünften, die seine Frau Lilly als Pianistin
erspielte. Er hatte in jenem Jahr nicht weniger als
49 Ölgemälde gefertigt und war wie die
Jahre zuvor unzufrieden über seine
persönliche wirtschaftliche Lage. Allerdings
sah er sich durch seinen gestiegenen
Bekanntheitsgrad nicht mehr der Situation
ausgesetzt, sich ausstellungswillige Galeristen
suchen zu müssen. Galeristen traten an ihn
heran.
Unter ihnen befand sich der Düsseldorfer
Kunsthändler Alfred Flechtheim, der Paul Klee
eine Generalvertretung zu folgenden Konditionen
anbot:
a) garantierte Mindestsumme für seine Arbeiten
bei einer höheren Kommissionsrate,
b) keine Mindestsumme, dafür aber eine
geringere Kommissionsrate beim Verkauf der
Bilder.
Paul Klee sagten diese Alternativen offenbar nicht
zu. Er handelte mit Hans Goltz einen
Generalvertretungsvertrag aus, der zum 1. Oktober
1919 in Kraft trat.
Der Vertragsinhalt sagte aus, dass Hans Goltz das
alleinige Verkaufsrecht für alle entstandenen
und künftigen Arbeiten erhalte und Paul Klee
auf alle kommissionsfreien Atelierverkäufe
verzichte.
Hans Goltz seinerseits garantierte Paul Klee ein
jährliches Mindesteinkommen von 15000 Mark.
Zudem verpflichtete er sich, im Jahr 1920 Paul
Klees Arbeiten in einer Einzelausstellung
anzubieten, Alfred Flechtheim bei der Organisation
eine Klee-Ausstellung zu unterstützen und
ständig 20 Arbeiten Paul Klees Herwarth
Waldens Berliner Galerie "Der Sturm" zur
Verfügung zu stellen.
Die Verteilung von Paul Klees Arbeiten auf drei
Galerien waren zur weiteren Steigerung des
Bekanntheitsgrades des Künstlers ebenso
nützlich wie die Herausgabe einer ersten
Biografie, die 1920 bei Kiepenheuer in Potsdam
erschien, verfasst von Leopold Zahn, dem Redakteur
des "Ararat".
Rund vier Monate nach Vertragsbeginn schrieb Paul
Klee an Alfred Kubin: "Goltz arbeitet bis jetzt
sehr gut. Ich bin sehr froh über diese
Lösung. Gar keine Ausstellungssorgen mehr.
Fast keine geschäftliche Korrespondenz mehr!
Das ist sehr angenehm."
Die vereinbarte
Ausstellung wurde am 17. Mai 1920 in der
Galerie Goltz eröffnet.
Im Herbst desselben Jahres wurde Paul Klee von
Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar
berufen. Die wirtschaftliche Situation Paul Klees
hatte ein solides Fundament erhalten.
Der Generalvertretungsvertrag zwischen Hans Goltz
und Paul Klee war auf drei Jahre befristet und
wurde zweimal um je ein Jahr verlängert. Im
Juni 1925 kündigte Paul Klee den Vertrag.
Einen weiteren Exklusivvertrag mit einem anderen
Galeristen ging er nicht ein.
Der Kunsthändler Goltz schrieb dem sechs Jahre
jüngeren Maler:
"Zum Schluss gebe ich Ihnen die Versicherung,
lieber Herr Klee, dass mein Eintreten für Sie
und der offensichtlich erzielte Erfolg mich
für den großen Katzenjammer
entschädigt hat, den ich im allgemeinen
spüre, wenn ich auf 15 Jahre Tätigkeit
für die junge Kunst zurückblicke…"
(RW)
Mehr zum
Thema:

Ausstellungen
der Galerie Goltz von 1912 bis 1927
Die
Machenschaften um Paul Klees Bild
"Sumpflegende"
Christian
Rümelins Auseinandersetzung mit Klees Leben
und Werk
Am
20. Juni 2005 wurde das Zentrum Paul Klee in Bern
eröffnet. Zu diesem Anlass erschien ein
umfangreiches
Katalog-Buch
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Paul Klee
Kein Tag ohne Linie
Eingebettet in "Verrückung" aus dem
Jahr 1939 und "Wessen Inbegriff" aus dem
Jahr 1940 ist in diesem vom Zentrum
Paul Klee herausgegebenen Band zum
Spätwerk Paul Klees nachzulesen, dass
dieser tatsächlich während
seiner letzten Lebensjahre keinen Tag ohne
Zeichnen und Malen vergehen ließ. In
chronologischer Abfolge sind dort Werk 1
des Jahres 1938 bis Werk 366 des Jahres
1940 aufgelistet - insgesamt 2108, was von
einer außergewöhnlichen
Kreativität und Produktivität
zeugt.
Etwa ein Zehntel dieses
Schaffensergebnisses, das zum Bestand des
Zentrums Paul Klee zählt, ist
gedruckt zu bewundern. Der Titel "Vorsicht
Schlangen", der dem den Schutzumschlag
zierenden Werk zugeordnet ist, sollte
keinesfalls davon abhalten, sich mit
engagierter Neugier in den Kunstband zu
vertiefen. Denn Vorsicht, aus mangelndem
Wissen heraus mit dem Buch
überfordert zu werden, ist ebenso
wenig geboten wie die Gefahr, den
Fachaufsätzen nicht folgen zu
können. Es bleiben die Alternativen,
Paul Klees gestalterische Gabe einfach
mittels Betrachten der Bilder aufzunehmen,
sich in die Ausführungen der
Klee-Kenner zur "Zeichnung von Innen" oder
der "Bedeutung von Schlangen und
Zickzacklinien" und etlichem mehr
einzulesen, oder beides in Abwechslung zu
kombinieren. Die Lebensdaten Paul Klees
unter dem Aspekt der "Biografie des
Zeichnens" liefern ergänzende
Informationen.
Jedem Klee-Liebhaber oder Kunstfreund an
sich wird mit diesem bemerkenswerten
Kunstband die Möglichkeit
eingeräumt, sich selbst immer wieder
von neuem unter wechselnden
Gesichtspunkten ein Betrachtungs- und
Lektüreprogramm
zusammenzustellen.
Das Buch ist im Hatje Cantz
Verlag erschienen.
Rezension: Rika Wettstein (www.bad-bad.de)
Paul Klee
Kein Tag ohne Linie
Hrsg. Zentrum Paul Klee, Bern mit Tilman
Osterwold, Texte von Tilman Osterwold,
Régine Bonnefoit, Jürgen
Glaesemer, Andreas Marti
208 Seiten, 230 Abbildungen, davon 192
farbig, gebunden mit Schutzumschlag
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