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Biografie Hans Goltz

Die Jahre 1911-1927

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Paul Klees Generalvertrag
mit Hans Goltz

Die Akzeptanz Paul Klees durch die Redaktion "Der Blaue Reiter" und die Teilnahme an der zweiten Ausstellung, die Wassily Kandinsky und Franz Marc 1912 in Hans Goltz' Geschäftsräumen präsentierten, führten nach Einschätzung Christian Rümelins zu einer grundlegenden Änderung in Paul Klees Situation als bildender Künstler.

Die Vorstellung seiner Arbeiten in Ausstellungen, die in Berlin bei Herwarth Walden und in München bei Hans Goltz verwirklicht wurden, bescherte ihm zunehmende Aufmerksamkeit. Mit einher ging allerdings Belastendes wie organisatorische Aufgaben, Schriftverkehr und Beitreibung ausstehender Zahlungen.

Im Nachkriegsjahr 1919 war Paul Klee 40 Jahre alt und finanziell immer noch abhängig von den Einkünften, die seine Frau Lilly als Pianistin erspielte. Er hatte in jenem Jahr nicht weniger als 49 Ölgemälde gefertigt und war wie die Jahre zuvor unzufrieden über seine persönliche wirtschaftliche Lage. Allerdings sah er sich durch seinen gestiegenen Bekanntheitsgrad nicht mehr der Situation ausgesetzt, sich ausstellungswillige Galeristen suchen zu müssen. Galeristen traten an ihn heran.

Unter ihnen befand sich der Düsseldorfer Kunsthändler Alfred Flechtheim, der Paul Klee eine Generalvertretung zu folgenden Konditionen anbot:

a) garantierte Mindestsumme für seine Arbeiten bei einer höheren Kommissionsrate,
b) keine Mindestsumme, dafür aber eine geringere Kommissionsrate beim Verkauf der Bilder.

Paul Klee sagten diese Alternativen offenbar nicht zu. Er handelte mit Hans Goltz einen Generalvertretungsvertrag aus, der zum 1. Oktober 1919 in Kraft trat.

Der Vertragsinhalt sagte aus, dass Hans Goltz das alleinige Verkaufsrecht für alle entstandenen und künftigen Arbeiten erhalte und Paul Klee auf alle kommissionsfreien Atelierverkäufe verzichte.

Hans Goltz seinerseits garantierte Paul Klee ein jährliches Mindesteinkommen von 15000 Mark. Zudem verpflichtete er sich, im Jahr 1920 Paul Klees Arbeiten in einer Einzelausstellung anzubieten, Alfred Flechtheim bei der Organisation eine Klee-Ausstellung zu unterstützen und ständig 20 Arbeiten Paul Klees Herwarth Waldens Berliner Galerie "Der Sturm" zur Verfügung zu stellen.

Die Verteilung von Paul Klees Arbeiten auf drei Galerien waren zur weiteren Steigerung des Bekanntheitsgrades des Künstlers ebenso nützlich wie die Herausgabe einer ersten Biografie, die 1920 bei Kiepenheuer in Potsdam erschien, verfasst von Leopold Zahn, dem Redakteur des "
Ararat".

Rund vier Monate nach Vertragsbeginn schrieb Paul Klee an Alfred Kubin: "Goltz arbeitet bis jetzt sehr gut. Ich bin sehr froh über diese Lösung. Gar keine Ausstellungssorgen mehr. Fast keine geschäftliche Korrespondenz mehr! Das ist sehr angenehm."

Die
vereinbarte Ausstellung wurde am 17. Mai 1920 in der Galerie Goltz eröffnet.

Im Herbst desselben Jahres wurde Paul Klee von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Die wirtschaftliche Situation Paul Klees hatte ein solides Fundament erhalten.

Der Generalvertretungsvertrag zwischen Hans Goltz und Paul Klee war auf drei Jahre befristet und wurde zweimal um je ein Jahr verlängert. Im Juni 1925 kündigte Paul Klee den Vertrag. Einen weiteren Exklusivvertrag mit einem anderen Galeristen ging er nicht ein.

Der Kunsthändler Goltz schrieb dem sechs Jahre jüngeren Maler:

"Zum Schluss gebe ich Ihnen die Versicherung, lieber Herr Klee, dass mein Eintreten für Sie und der offensichtlich erzielte Erfolg mich für den großen Katzenjammer entschädigt hat, den ich im allgemeinen spüre, wenn ich auf 15 Jahre Tätigkeit für die junge Kunst zurückblicke…"
(RW)


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  Am 20. Juni 2005 wurde das Zentrum Paul Klee in Bern eröffnet. Zu diesem Anlass erschien ein umfangreiches Katalog-Buch


Paul Klee

Paul Klee
Kein Tag ohne Linie

Eingebettet in "Verrückung" aus dem Jahr 1939 und "Wessen Inbegriff" aus dem Jahr 1940 ist in diesem vom
Zentrum Paul Klee herausgegebenen Band zum Spätwerk Paul Klees nachzulesen, dass dieser tatsächlich während seiner letzten Lebensjahre keinen Tag ohne Zeichnen und Malen vergehen ließ. In chronologischer Abfolge sind dort Werk 1 des Jahres 1938 bis Werk 366 des Jahres 1940 aufgelistet - insgesamt 2108, was von einer außergewöhnlichen Kreativität und Produktivität zeugt.

Etwa ein Zehntel dieses Schaffensergebnisses, das zum Bestand des Zentrums Paul Klee zählt, ist gedruckt zu bewundern. Der Titel "Vorsicht Schlangen", der dem den Schutzumschlag zierenden Werk zugeordnet ist, sollte keinesfalls davon abhalten, sich mit engagierter Neugier in den Kunstband zu vertiefen. Denn Vorsicht, aus mangelndem Wissen heraus mit dem Buch überfordert zu werden, ist ebenso wenig geboten wie die Gefahr, den Fachaufsätzen nicht folgen zu können. Es bleiben die Alternativen, Paul Klees gestalterische Gabe einfach mittels Betrachten der Bilder aufzunehmen, sich in die Ausführungen der Klee-Kenner zur "Zeichnung von Innen" oder der "Bedeutung von Schlangen und Zickzacklinien" und etlichem mehr einzulesen, oder beides in Abwechslung zu kombinieren. Die Lebensdaten Paul Klees unter dem Aspekt der "Biografie des Zeichnens" liefern ergänzende Informationen.

Jedem Klee-Liebhaber oder Kunstfreund an sich wird mit diesem bemerkenswerten Kunstband die Möglichkeit eingeräumt, sich selbst immer wieder von neuem unter wechselnden Gesichtspunkten ein Betrachtungs- und Lektüreprogramm zusammenzustellen.

Das Buch ist im
Hatje Cantz Verlag erschienen.

Rezension: Rika Wettstein (
www.bad-bad.de)


Paul Klee
Kein Tag ohne Linie
Hrsg. Zentrum Paul Klee, Bern mit Tilman Osterwold, Texte von Tilman Osterwold, Régine Bonnefoit, Jürgen Glaesemer, Andreas Marti
208 Seiten, 230 Abbildungen, davon 192 farbig, gebunden mit Schutzumschlag

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