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Der
Blaue Reiter - die Kunstbewegung
Dem
wilhelminischen deutschen Kaiserreich wird
zugeschrieben, eine national erstarrte, akademische
Malerei bevorzugt und unterstützt zu haben.
Dieser erstarrten nationalen Malerei beugten sich
nicht alle Künstler. Abweichler formierten
sich in Künstlergruppen wie der "Münchner
Sezession" (1892), der "Berliner Sezession" (1898),
in "Die Brücke" (1905), die alle nichts mit
den festgefahrenen Lehren der Kunstakademien gemein
hatten.
Ein Förderer der neuen Strömungen in der
Bildenden Kunst war Hugo von Tschudi (1851-1911),
der von 1895 an als Direktor die Nationalgalerie in
Berlin neu ordnete und ausbaute. Kaiser Wilhelm II.
veranlasste seine Entlassung aus diesem Amt,
weswegen Hugo von Tschudi ab 1909 Direktor der
Königlich-bayerischen Gemäldesammlungen
wurde und fortan in München wirkte.
Just in jenem Jahr hatte sich eine
Künstlergruppe aus der impressionistisch
orientierten Münchner Sezession gelöst
und die "Neue
Künstlervereinigung
München" gegründet. Zu dieser
Künstlergruppe zählten die drei
russischstämmigen Maler Marianne
Werefkin,
Alexej von
Jawlensky, Wassily
Kandinsky
und die deutsche Malerin Gabriele
Münter.
Die erste Ausstellung dieser neuen Gruppe fand im
Dezember 1909, unterstützt von Hugo von
Tschudi, in der ebenfalls neu gegründeten
Galerie des Heinrich Thannhauser in München
statt und erntete lediglich von Franz Marc
beglückwünschende Anerkennung, woraufhin
der bayerische Maler prompt in den Vorstand der
Neuen Künstlervereinigung München
aufgenommen wurde.
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Franz Marc und
Wassily Kandinsky gehörten der Vereinigung
allerdings nicht lange an. Nach einer weiteren
gemeinsamen Ausstellung im September 1910
führte die Ablehnung, ein Bild Kandinskys in
das Ausstellungsprogramm für das Jahr 1911
(18.12.1911 bis 1.1.1912) aufzunehmen, am 2.
Dezember 1911 zum Bruch und Austritt der beiden
Maler aus der "Neuen Künstlervereinigung
München".
Am 18. Dezember 1911 eröffneten beide eine
"Gegenausstellung" mit rund 50 Bildern, ebenfalls
in der Galerie Thannhauser, und gaben als
Veranstalter die Redaktion "Der Blaue Reiter" an.
Die beiden Maler waren zu jenem Zeitpunkt bereits
voll damit beschäftigt, als "Redakteure"
Beiträge
für das geplante Jahrbuch "Der Blaue
Reiter"
zu sammeln.
Der ersten Ausstellung setzten Wassily Kandinsky
und Franz Marc vom 12. Februar bis 18. März
1912 eine zweite nach. Für diese Ausstellung
hatte der seit dem Jahr 1911 selbständige
Buch- und Kunsthändler Hans Goltz seine
Geschäftsräume zur Verfügung
gestellt. 315 Aquarelle, Zeichnungen und
Druckgrafiken wurden in dieser Ausstellung
präsentiert.
Beiden Ausstellungen kann eine bahnbrechende
Wirkung zuerkannt werden. Die dort gezeigten
expressionistischen Werke erfreuen sich immer
wieder neuer Ausstellungsorte, die mit
Überschriften wie "Der Blaue Reiter und seine
Künstler" (Kunsthalle Tübingen 1999) oder
"Der Blaue Reiter" (Kunsthalle Bremen 2000) werben.
Auch wenn die Nachfolgeausstellungen der
Vollständigkeit der Ursprungsausstellungen der
Jahre 1911 und 1912 entbehren, ist ihnen eines
gemeinsam: Sie laden dazu ein und fordern auf, sich
mit dem Gedankengut der Redakteure "Der Blaue
Reiter" ebenso auseinanderzusetzen wie demjenigen
der sie unterstützt habenden Künstler,
die mittlerweile alle ihren festen Platz in der
Kunstgeschichte Deutschlands einnehmen.
Zum Thema:

Die
zweite Ausstellung der Redaktion "der blaue Reiter"
unter dem Motto "SCHWARZ-WEISS" vom 12. Februar bis 18.
März 1912.
Ausgestellt wurden Werke von:
Hans
(Jean) Arp
Albert
Bloch
Georges
Braque
Robert Delaunay
André Dérain
Maria Franck-Marc
Roger de la Fresnaye
Wilhelm Gimmi
Nathalie Gontscharova
Erich
Heckel
Walter
Helbig
Wassily
Kandinsky
Ernst
Ludwig Kirchner
Paul
Klee
Michael Larionow
Robert Lotirin
Oskar
Lüthy
August
Macke
Kasimir
Malewitsch
Franz
Marc
Wilhelm Morgener
Otto
Müller
Gabriele
Münter
Emil
Nolde
Max
Pechstein
Pablo
Picasso
Russische Volksblätter
(Neudrucke von alten Holszstöcken
Georg
Tappert
Paul Vera
Maurice de Vlaminck
Alfred
Kubin
Moritz Melzer

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Der Blaue Reiter,
Jubiläums-Edition
von Wassily Kandinsky,
Franz Marc
368 Seiten, kartoniert,
Piper Verlag

Rezension
lesen
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Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München
von Helmut Friedel, Annegret Hoberg
Gebundene Ausgabe, 296 Seiten, Prestel Verlag

Der Blaue Reiter im
Lenbachhaus
Faszinierend wie die Künstlergruppe um Wassily
Kandinsky und Franz Marc an sich schon ist, ist
auch die Anzahl der Möglichkeiten, mittels
derer sich diesen Avantgarde-Künstlern
genähert werden kann. Sei es als Kommentar zu
einer Neuauflage des Ursprungsalmanachs Der Blaue
Reiter, sei es als Wiedergabe der Beziehung von
Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, sei es
als Veröffentlichung des Schriftwechsels
zwischen Wassily Kandinsky und Franz Marc oder, wie
im vorliegenden Fall, als Auseinandersetzung mit
dem Blauen Reiter im Lenbachhaus München.
Weiterhin faszinierend ist dieser prachtvoll
gestaltete Bildband wegen der Fülle an
Arbeiten, die in beeindruckenden
großformatigen Farbtafeln den
Schaffensreichtum dieser doch recht kurzlebigen
Künstlergemeinschaft dokumentieren.
Helmut Friedel, Direktor der Städtischen
Galerie im Lenbachhaus, und Annegret Hoberg,
Kuratorin für die Abteilung Der Blaue Reiter
in der Städtischen Galerie Lenbachbachhaus,
beleuchten im ersten Fünftel des Bandes die
künstlerische Entwicklung der Protagonisten
ebenso wie deren menschliche Verflechtungen bis zum
Eklat am 2. Dezember 1911, als Wassily Kandinsky,
Gabriele Münter und Franz Marc aus der Neuen
Künstlervereinigung München austraten und
mit der Organisation einer eigenen Ausstellung
begannen. Dem Almanach Der Blaue Reiter wird
breiter Raum eingeräumt ebenso wie den beiden
Ausstellungen zum Jahresende 1911 und Jahresbeginn
1912, denen die Kenner Bahnbrechende Wirkung in der
Modernen Kunst und für die Moderne Kunst
attestieren. Das Auseinanderleben der
Avantgardisten, der Kriegsausbruch 1914 und seine
Folgen für die Künstler beenden die
Ausführungen, die mit einem Dankeswort an
Gabriele Münter, die dem Lenbachhaus die
großzügige Schenkung ihrer Sammlung
machte und damit dem Museum zur Weltgeltung
verhalf, schließen.
Danach kann man sich dem Erleben der Gemälde
hingeben. Die exzellenten Bildtafeln mit
ausführlichen Kommentaren von Annegret Hoberg
sind gruppiert nach den Künstlern Wassily
Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej
Jawlensky, Marianne von Werfekin, August Macke,
August Macke, Robert Delaunay, Heinrich Campendonk,
Alfred Kubin und Paul Klee, denen eine
Kurzbiografie jedes einzelnen vorausgeht.
Lyrisches von Wassily Kandinsky, das Blaue Pferd
von Franz Marc, Gabriele Münters Russen-Haus
in Murnau, Alexej Jawlenskys Bildnis des
Tänzers Alexander Sacharoff, August Mackes
Tegernseer Bauernjunge und viele weitere Arbeiten,
die nicht nur das Auge ansprechen, sondern auch
über den jeweiligen Entwicklungsstand ihres
Schöpfers "berichten", finden ihren Abschluss
in einer Auswahl von Arbeiten Paul Klees, worunter
sich auch Sumpflegende befindet.
Abschließend fasziniert dann noch der Preis,
der diese wunderbare Dokumentation einer wichtigen
Umbruchphase in der deutschen Kunst für
Kunstliebhaber und Freunde
außergewöhnlicher Bilder erschwinglich
werden lässt.
Rezension: Rika Wettstein, Baden-Baden
Das Buch ist im Prestel Verlag erschienen.
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