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Biografie Hans Goltz

Die Jahre 1911-1927

Das Erbe von Hans Goltz

Der Blaue Reiter

Entartete Kunst

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Interview mit Michael Goltz

Ausstellungen/Künstler

Das Erbe

Hans Goltz war vollkommen unerwartet am 21. Oktober 1927 in Baden-Baden gestorben. Die beiden Einzelfirmen Buchhandlung Hans Goltz und Galerie Hans Goltz wurden übergeführt in zwei offene Handelsgesellschaften mit der Firmierung "Hans Goltz, Buchhandlung in München" und "Galerie Hans Goltz, Kunsthandlung und Kunstausstellung in München", deren Hauptgesellschafter Hans Goltz' Witwe Gertrude und der 1907 geborene Sohn Hans-Joachim waren, während die 1913 geborene Charlotte Goltz den Rang einer stillen Gesellschafterin einnahm.

Während Gertrude und Hans-Joachim Goltz 1928 mit Buchhandlung und Galerie in die Brienner Straße 55 umzogen und dort das "Goltz-Eck", Buchhandlung und Galerie, eröffneten, setzte Charlotte Goltz ihren vom Vater veranlassten Privatunterricht ebenso fort wie ihr künstlerisches Wirken, dem sie ohne Schulung und Modelle nachging. Charlotte Goltz hatte trotz ihres kindlichen Alters bereits mit bemerkenswerten Zeichnungen und Plastiken auf sich aufmerksam gemacht. In der Presse als "aufblühendes Talent" und "genial" gepriesen, schätzte die Fachwelt ihre Werke als "Zeugnisse eines entwickelten ursprünglichen Formgefühls" ein. Die Kunsthändlersfamilie hatte demnach eine hervorragende Künstlerin in ihren eigenen Reihen.

Vorzüglich etablieren hätte sich die Familie können, wenn sie sich nicht mit moderner Kunst, die dem sich verstärkenden nationalsozialistischen "Geschmack" absolut nicht entsprach, beschäftigt hätte.
Der Hetzartikel im "Völkischen Beobachter" vom 29.3.1923 zum zehnjährigen Bestehen der Galerie Goltz hatte offenbar über Jahre hinweg nachhaltige Wirkung. Die "Kunstpest" sollte ausgerottet werden. So schreckte man amtlicherseits nicht davor zurück, drei Wochen nach Hans Goltz' Tod eine Durchsuchungsaktion durchzuführen, französische Bücher zu beschlagnahmen und die Witwe fünf Tage darauf mit übelsten Vorhaltungen in Bedrängnis zu bringen.

Die katastrophale gesamtwirtschaftliche Lage, die unter dem Sammelbegriff "Weltwirtschaftskrise" in die Geschichtsbüchern Aufnahme finden sollte, ging auch an Buchhandlung und Galerie nicht spurlos vorbei.

Im April 1931 folgte die nächste Reduzierung der Geschäftstätigkeit. Der Umzug führte in das Wohnhaus der Goltzens in der Franz-Josef-Straße 19.
Von Juni bis Oktober 1931 war eine umfangreiche Kunstausstellung im Münchner Glaspalast von der Münchener Künstler-Genossenschaft und dem Verein bildender Künstler Münchens "Secession" e.V. konzipiert, in welcher auch Werke von Charlotte Goltz gezeigt wurden. Am 6. Juni 1931 brannte das 1854 für Kunstausstellungen errichtete Gebäude lichterloh. Tausende von Bildern und Skulpturen wurden vernichtet.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Das Reichskulturkammergesetz vom September 1933 vereinfachte die Situation der Kulturschaffenden in Deutschland keineswegs. Voraussetzung jeder künstlerischen Berufsausübung oder mit ihr zusammenhängenden Erwerbstätigkeit war die Mitgliedschaft in einer der sieben eingerichteten Einzelkammern, unter anderem der Reichsschrifttumskammer und der Reichskammer für bildende Künste. Von dieser Zwangsorganisation mit ihren restriktiven Bestimmungen war auch die Familie Goltz, deren Buch- und Kunstangebot keineswegs in das Kulturprogramm der Nationalsozialisten passte, betroffen. 1934 musste die Galerie aufgegeben werden. Was aus dem umfangreichen Lagerbestand geworden ist, von dem Chronisten berichten, bedarf noch der Klärung. Von der Brienner Straße 46 aus wurde ein Buchversandhandel betrieben, dem später in der Brienner Straße 5 eine kleine Buchhandlung folgte.

Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935, der Sammelbezeichnung für das "Reichsbürgergesetz" und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes" verschlimmerte sich auch die Situation der Familie Goltz, deren Name auf einen altslawischen Stamm schließen ließ, weswegen die Anerkennung als "Reichsbürger" in Frage gestellt wurde. Der Name Goltz erschien deshalb im Münchner Geschäftsleben nicht mehr. Die Buchhandlung, welche Mutter und Sohn 1937 in die Kaufinger Straße 23 verlegt hatten, wurde "Bücherstube am Dom" genannt.

Am 19. Juli 1937 wurde in München die Ausstellung "
Entartete Kunst" eröffnet, in welcher viele Werke von Künstlern, die Hans Goltz vertreten oder in seinen Ausstellungen bekannt gemacht hat, gebrandmarkt wurden. Die Repressalien gegenüber der Familie Goltz gingen weiter. So meldete ein Bericht der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vom 1.8.1937: "Die Buchhandlung von Hans Goltz, München, wurde in Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst RFSS - Oberabschnitt Süd, München, - einer Kontrolle unterzogen. Dabei konnte kunstbolschewistisches Material vorgefunden und beschlagnahmt werden, das noch aus dem Hans-Goltz-Verlag stammt, der früher kunstbolschewistische Reproduktionskunst herausgegeben hatte." Womit eindeutig belegt ist, dass auch die Familie Goltz Opfer der "Raubkunst"-Aktivitäten des nationalsozialistischen Regimes geworden ist.

Die verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs trafen auch die Goltzens. Die "Bücherstube am Dom" wurde ebenso zerstört wie das gesamte Hab' und Gut Charlotte Goltz', das am 12. Juli 1944 einem Bombenabwurf zum Opfer fiel, inklusive aller bis dahin geschaffenen Kunstwerke.

Gertrude Goltz und Charlotte Goltz` kleiner Sohn Michael wurden für mehr als ein Jahr nach Thurnsberg in Oberbayern evakuiert. Charlotte Goltz schlug sich mehr schlecht als recht in München durch. Hans-Joachim Goltz wurde Ende Mai 1945 zum Sonderbeauftragten der Militärregierung zur Reorganisation des Buchhandels in Bayern berufen.

Gertrude Goltz wirkte noch an der Wiedereröffnung der Buchhandlung in der Kaufinger Straße 23 mit. Sie starb 1950. Charlotte Goltz, die einst hoch gepriesene Künstlerin, fristete mit ihren drei Kindern Jahrzehnte lang ein elendstes Dasein. Aus wirtschaftlicher Not war sie gezwungen, ihre aus dem väterlichen Erbe stammenden Geschäftsanteile ihrem Bruder zu überlassen. Künstlerisch betätigte sich trotz schwerster Erkrankung an Lungentuberkulose weiter, konnte jedoch nicht mehr an die Erfolge, die ihr vor dem großen Bruch in ihrer Biografie sicher waren, anknüpfen.

Die Stadt München würdigte die Verdienste Hans Goltz im Jahr 1957 und benannte eine Straße nach ihm mit der Begründung: "Er gehörte unter den deutschen Kunsthändlern zu den ersten Vorkämpfern für die "Moderne Kunst". In seiner Galerie "Neue Kunst - Hans Goltz" ebnete er in über 161 Ausstellungen den Weg für viele heute bekannte Künstler u.a. Nolde, Marc, Klee, Kandinsky, Kubin, Lehmbruck, Seewald und Kokoschka."

Hans-Joachim Goltz starb im Jahr 1966.

Charlotte Goltz starb am 14. Januar 2002.

Michael Goltz, der älteste Sohn Charlotte Goltz', hat kurz vor ihrem Tod von ihr Unterlagen und Dokumente erhalten, die Aufschluss geben über fast ein ganzes Jahrhundert Kulturgeschichte Bayerns und Deutschlands.

Und so schließt sich der Kreis. Genau 100 Jahre, nachdem Franz von Lenbach in München gestorben ist und Hans Goltz sich in München niedergelassen hat, setzt sich der Enkel hinterfragend mit der Tatsache auseinander, dass die in ihrer Jugend gefeierte Tochter jenes Mannes, der das kulturelle Leben in der bayerischen Metropole im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat, sich in ihrer Notlage, in welche sie unverschuldet geraten war, ein Minimum an städtischer Unterstützung regelrecht erkämpfen musste. Er ist zudem dabei, das Geheimnis zu ergründen, was aus den Raubkunst-Exponaten, die der Großvater teilweise der Öffentlichkeit bekannt gemacht hat, geworden ist. Des Weiteren sucht er Antworten auf die Frage, warum etliche deutsche Museen Hans Goltz und sein Engagement für die Redaktion "
Der Blaue Reiter" ignorieren und warum ausgerechnet die "Aktuelle Info zur Neupräsentation Der Blaue Reiter" des Internetauftritts der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München einem der "ersten Vorkämpfer für die 'Moderne Kunst' " kein Wort der Aufmerksamkeit widmet.

Hat sich Hans Goltz als Wegbereiter für die moderne Kunst profiliert, so zeigt sich in seinem Enkel Michael ein weiterer Pionier. Als unermüdlicher Streiter für gerechte Verhältnisse nimmt er sich engagiert der Aufgabe an, den Verbleib von Kunstwerken, die den Raubzügen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, zu klären, damit sie eines (fernen) Tages den Geschädigten, beziehungsweise deren Nachkommen zurückgegeben werden können.

Diesem Engagement konnte Michael Goltz nicht lange nachgehen. Am 12. Juli 2006 ist er im Alter von 62 Jahren gestorben.

Das "kunstorientierte Erbe" Hans Goltz' wird in der Hans Goltz Buchhandlung GmbH + Co.KG in München, zu Beginn des 21. Jahrhunderts von Hans Joachim Goltz' Sohn Thomas Goltz geführt, weiter gepflegt.

Das Buch Hitler

Das Buch Hitler
Henrik Eberle und Matthias Uhl (Herausgeber), aus dem Russischen übersetzt von Helmut Ettinger, 672 Seiten, gebundene Ausgabe, 56 Duplex-Abbildungen, Lübbe Verlag

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