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Restitutionen: US. Anwälte wollen nach Österreich auch Deutschland vor Gericht bringen.

"Ohne erbrechtliche Ansprüche"

Als der Oberste Gerichtshof der USA kürzlich in einem wegweisenden Urteil entschied, eine amerikanische Staatsbürgerin könne vor einem US-Gericht gegen einen anderen Staat klagen, da schien es, als betreffe der Fall nur Österreich: Die 88-jährige Amerikanerin Maria Altmann erhebt seit langem Anspruch auf sechs Gemälde von Gustav Klimt, die sich in der Wiener Galerie Belvedere befinden. Jetzt kann die Nichte des bedeutenden Sammlerpaares Bloch-Bauer, das die Bilder einst vom Künstler erworben hatte, vor einem amerikanischen Gericht die Republik Österreich auf Herausgabe verklagen. Der Oberste Gerichtshof hatte ihren Fall zum Anlass für ein Grundsatz-Urteil genommen.

In demselben Monat wurde auch Deutschland mit der neuen Rechtssprechung konfrontiert: Der New Yorker Anwalt Ed Fagan reichte beim Gericht in New York eine Sammelklage gegen die Bundesrepublik ein. Im Namen von Juden, die in der NS-Zeit ihren Kunstbesitz verloren, fordert Fagan rund 2000 Kunstwerke zurück, die sich noch immer in deutschem Besitz befinden.

Der Fall Altmann gegen die Republik Österreich betrifft heute hoch geschätzte Gemälde Gustav Klimts, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Wiener Palais des Ehepaars Adele und Ferdinand Bloch-Bauer hingen (art 8/1999). Gleich zweimal hatte der damals noch heftig angefeindete Maler seine Gönnerin porträtiert. In ihrem Testament hatte die 1925 jung gestorbene Adele verfügt: "Meine zwei Porträts und die vier Landschaften von Gustav Klimt bitte ich meinen Ehegatten, nach seinem Tode der Österreichischen Staatsgalerie in Wien zu hinterlassen." Im Erbverfahren von 1926 gab Ferdinand Bloch-Bauer zu Protokoll, dass er die Verfügung seiner Frau zwar nicht für testamentarisch zwingend halte, aber verspreche, sie "getreulich zu erfüllen".


1939 floh Ferdinand Bloch-Bauer in die Schweiz, wo er im November 1945 starb. 1940 beschlagnahmten die Nationalsozialisten die Wiener Sammlung.

Seit 1998 fordert nun Maria Altmann, eine in den USA lebende Nichte der kinderlosen Bloch-Bauers, die Werke zurück. Während der österreichische Staat auf den letzten Willen Adele Bloch-Bauers verweist, stellen die Anwälte Altmanns die juristische Verbindlichkeit in Frage. Unterstützung erhalten sie von Rudolf Welser. Der angesehene Leiter des Instituts für Zivilrecht an der Universität Wien hält Adele Bloch-Bauers Bitte für "einen unverbindlichen Wunsch ohne erbrechtliche Ansprüche". Außerdem, so Welser, gehörten die Klimt-Bilder nach 1925 Adeles Ehemann Ferdinand, nur er hätte eine verbindliche Entscheidung treffen können. In einem Brief an den Malerfreund Oskar Kokoschka hatte der Witwer noch 1941 die Hoffnung ausgedrückt, wenigstens "die zwei Porträts meiner armen Frau (Klimt)" aus Wien retten zu können.

Nach dem Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs der USA kann die Nichte nun den Wunsch des Onkels auf Herausgabe betreiben. Die Gegenseite in Wien nimmt den richterlichen Spruch ernst. Finanzprokurator Gottftied Toman, der Österreich in dem Fall vertritt, weist jedoch daraufhin, dass die Richter in Los Angeles Hunderte Dokumente auf Deutsch lesen und sich mit einem fremden Rechtssystem befassen müssen. Außerdem fürchtet er nach dem Grundsatzurteil eine wahre Restitutions-Prozessflut gegen Staaten. Die jetzt eingereichte Klage gegen Deutschland scheint ihm Recht zu geben. Ed Fagan beruft sich nämlich indirekt auf das Urteil zu Ungunsten Österreichs, wenn er sagt, die deutsche Regierung sei bisher "ungeschoren davongekommen", weil sie durch ihre Immunität geschützt gewesen sei - was nun nicht mehr als selbstverständlich gelten könne.

Bei den rund 2000 Bildern handelt es sich um die Restbestände von Kunstwerken aus NS-Depots, deren rechtmäßige Eigentümer nach dem Krieg nicht ermittelt wurden. Ihren Versicherungswert beziffert das deutsche Finanzministerium auf 60 Millionen Euro. Fagan, für Extremforderungen bekannt, hat den Wert gar auf 18 Milliarden Dollar emporgeschraubt.

Das Berliner Finanzministerium hatte mit einer solchen Klage wohl nicht gerechnet und verwies treuherzig darauf, die Werke seien schließlich meist in Museen und damit der Öffentlichkeit zugänglich - "ein Argument, mit dem ein Richter in New York nicht zu beeindrucken ist", wie der in den USA lebende Provenienzforscher Willi Korte feststellt. Wenig überzeugen dürfte auch die Berliner Versicherung sein, es werde alles getan, um die rechtmäßigen Eigentümer der Kunstwerke zu ermitteln. Genau das bezweifelt Fagan - und dies nicht ganz zu Unrecht. Denn an Provenienzforschung wird in deutschen Museen gespart (art 11/2003).

Korte hält Fagans Forderung zwar für überzogen, fürchtet jedoch einen Imageschaden für Deutschland. Jetzt muss sich der Bund in New York einen guten und teuren Anwalt nehmen. Der Rechtsstreit, so viel steht schon jetzt fest, wird Millionensummen kosten. Derweil darbt hierzulande die Provenienzforschung wie eh und je: Wie lax manche Museen mit ihrer Verantwortung umgehen, zeigt ein aktueller Fall. Zwar publizierten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen soeben eine überfällige, aber bislang noch unvollständige Forschungsarbeit zu Werken aus der Sammlung von NS-Reichsmarschall Hermann Göring, die immer noch in deutschen Beständen schlummern. Für eine Weiterbeschäftigung der Autorin Ilse von zur Mühlen zur Beendigung ihrer Arbeit stellten die Münchner keine Mittel mehr bereit.

HOLGER CHRISTMANN
UTE THON
art Das Kunstmagazin, Ausgabe 8/2004


Zum Thema:

Am 9. Februar 2005 meldete art Das Kunstmagazin:

Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste bleibt.

Die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg kann ihre Arbeit fortsetzen. Bund und Länder einigten sich darauf, die 1994 eingerichtete Institution vorerst bis zum Jahr 2009 gemeinsam weiter zu finanzieren. Wichtigstes Instrument der Koordinierungsstelle ist eine öffentlich zugängliche Datenbank im Internet, die sowohl NS-Raubkunst als auch im Krieg aus Deutschland verschleppte Beutekunst umfasst. Über 80.000 Verluste wurden inzwischen verzeichnet. Die Zahl der Rückgaben ist demgegenüber bislang verschwindend gering.


   

 

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