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200 Jahre Zeitungsgeschichte in
Baden
Nachrichtenverbreiten
und Geschichten erzählen ist sicherlich so alt
wie die Menschheit selbst. Die Erfindung des
Buchdrucks um 1450 und die politischen
Umbrüche im (spät-)mittelalterlichen
Europa ließen das Nachrichtenmittel Zeitung
entstehen.
Die beiden "Gründerväter" der
späteren Regionalzeitung Mittelbadens hatten
sicher nicht die Vorstellung, dass die
Pressefreiheit ein teilweise heftig umkämpftes
Gut werden könnte, und dass sie letztendlich
im 20. Jahrhundert im Artikel 5 der Verfassung der
Bundesrepublik Deutschland als Grundlage der
Meinungs- und Informationsfreiheit gesichert werden
würde.
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Sie
verfolgten 1803 und 1811 andere
Ziele. Der Rastatter
Hofbuchdruckermeister Sprinzing
veröffentlichte am
Donnerstag, dem 28. Juli 1803,
die erste Ausgabe des "Rastatter
Wochenblatt", das die Rastatter
mit Lokalinformationen versorgen
sollte und von den Lesern bestens
angenommen wurde, weswegen es ab
1844 zweimal wöchentlich und
ab 1854 dreimal pro Woche
erschien.
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1810 wollte der Hochbuchdruckermeister Sprinzing
eine Druckerei in der Stadt Baden eröffnen,
wozu er allerdings keine Genehmigung erhielt. Ob
diese Absicht des Hofbuchdruckermeisters in
irgendeinem Zusammenhang mit der
Veröffentlichung des "Anzeigenblatt für
die Großherzogliche Stadt Baden" gesehen
werden kann, soll dahin gestellt bleiben.
1810 war der badische Amtmann Johann Nepomuk
Schnetzler in die Großherzogliche Stadt Baden
gekommen, wo er bis 1819 wirkte. Am 22. Mai 1811
erschien auf seine Initiative hin das erste
Anzeigenblatt, das bereits am 23. Juni 1811 in
"Badwochenblatt für die Großherzogliche
Stadt Baden im Murgkreis" umbenannt wurde.

Das Leben in der damals etwa 2600 Einwohner
zählenden Bäderstadt und die Listen der
Gäste, die Baden besuchten, waren neben
Geschäftswerbung im Badwochenblatt
nachzulesen. Erschienen ist das Badwochenblatt, die
erste Kurzeitung am Oberrhein, im "Verlag der
Amtskanzley", gedruckt wurde es etliche Jahre in
Rastatt in der Sprinzingschen Druckerei, bis dem
Hofbuchhändler Marx die Eröffnung einer
Druckerei in Baden für drei Jahre gestattet
wurde.
Den Druck des Badwochenblattes übernahm von
1824 an der in die Stadt eingebürgerte Georg
Scotzniovsky, dem das Buchdruckerprivileg vom
Staatsministerium zugestanden worden war.
Ursprünglich betrieb er seine Druckerei in der
Stephanienstraße 17 und zog 1838 in das
schwiegerväterliche Anwesen
Stephanienstraße 1 und 3 um, wo im Innenhof
in der Druckerei-Werkstatt die mittlerweile in
"Wochenblatt für die Großherzogliche
Stadt Baden" umbenannte Zeitung gedruckt wurde,
während sich im Vorderhaus das "Comptoir des
Blattes" befand.
Von 1842 an war das Wochenblatt ganzjährig
erhältlich und den gesellschaftlichen
Gegebenheiten der Stadt angepasst. Die
Fremdenlisten wurden in Deutsch und
Französisch, später nur noch in
Französisch veröffentlicht, womit dem
Rang der Stadt, "Capitale d'été"
Europas zu sein, Rechnung getragen wurde.
Die Ereignisse der Revolutionsjahre
1848/49 räumten
allmählich politischen Gesichtspunkten Platz
in der Zeitungsberichterstattung ein.
Georg Scotzniovsky war 1845 gestorben. Seine Witwe
heiratete 1852 ihren früheren Mitarbeiter
Johann Hohmann, unter dessen Mitwirkung 1851 das
"Badener Tagblatt" erschienen war, während
Emilie Scotzniovsky das Wochenblatt verlegte.
Wechselhafte Zeiten folgten, die schließlich
am 1. Januar 1884 im Verkauf von Druckerei und
Verlag an Ernst Koelblin und dessen Schwager
Hermann Weber endeten. Von 1890 an führte
Ernst Koelblin die Geschäfte allein.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in Rastatt Hermann
Greiser mit einer Druckerei und Buchbinderei im
Jahr 1880 bereits selbständig gemacht. 1899
kaufte er das "Rastatter Tageblatt", das
mittlerweile mit dem "Rastatter Wochenblatt"
zusammengeschlossen war und seit 1897 täglich
erschien, auf. 1908 erfolgte der Zusammenschluss
des "Rastatter Tageblatts" mit der Zeitung "Der
Murgthäler" unter der Federführung der
Familie Greiser. Karl und Hermann Greiser, die
Söhne des Firmengründers, übernahmen
1908 die Firmenleitung, die 1919 an den
jüngeren Bruder Richard überging, weil
die älteren Brüder im Ersten Weltkrieg
gefallen waren. Richard Greiser führte
Druckerei und Verlag auch in den schwierigen Zeiten
des Nationalsozialistischen Regimes und musste 1943
das Erscheinen des "Rastatter Tagblatts" wegen der
"Erfordernisse des Krieges" einstellen.
In Baden-Baden war dies bereits 1941 erforderlich
geworden. Die Verlegerfamilie
Koelblin-Hoellischer-Hambruch ließ die
Zeitung allerdings weiter erscheinen, jedoch mit
dem Mantel des "Völkischen Beobachter". Ernst
Koelblins Tochter Luise hatte Fritz Hoellischer
geheiratet. Deren beider Tochter Friedel war mit
Werner Hambruch verheiratet. Dieser lenkte die
Geschicke des "Badener Tagblatts" nach dem Zweiten
Weltkrieg, als das "Badener Tagblatt" als erste
Tageszeitung in der französischen
Besatzungszone am 2. August 1945 die Erlaubnis
erhielt, wieder regelmäßig zu
erscheinen.
Auch Richard Greisers Zeitung durfte 1945 wieder
erscheinen, 1945 trug sie den Namen "Rastatter
Nachrichten", 1946 hieß sie
"Südwest-Echo".
Chronisten berichten, 1949 haben Richard Greiser
und Werner Hambruch die Fusion beider Zeitungen
vereinbart. Tatsache ist, dass die Fusion 1951 mit
der Gründung der Gesellschaft "BADISCHES
TAGBLATT GmbH" besiegelt wurde. 63,5% der
GmbH-Anteile hielt Richard Greiser. Gedruckt wurde
die Zeitung in der greisereigenen Druckerei K.
& H. Greiser Inh. Richard Greiser in
Rastatt.
140 Jahre nach des Hofbuchdruckers Sprinzing
Versuch, die beiden ehemaligen Residenzstädte der
ehemaligen Markgrafschaft
Baden mit
Druckerzeugnissen aus einer Hand zu versorgen,
wurde mit dem "Badischen Tagblatt" nicht nur dies
Realität sondern auch eine Versorgung des
gesamten mittelbadischen Raumes mit Neuigkeiten aus
der heimischen Umgebung und aus aller Welt.
200 Jahre nach dem ersten Erscheinen einer privaten
Zeitung in Rastatt werden die ehemals getrennten
Familienbetriebe Greiser und Koelblin vom Urenkel
und den Urenkelinnen der Firmengründer in
bewährter Familientradition weiter
geführt.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
Abb: BT und Archiv
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