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Der sanfte
Nobelmann
Wolfgang Preiss
(1910-2002)
Der populäre Filmschauspieler Wolfgang Preiss
war seit 1955 mit seiner Frau Ruth, einer
Baden-Badnerin, verheiratet. Er lebte fast 50 Jahre
lang in Baden-Baden. Von 1951 bis 1953 war Wolfgang
Preis am Theater von Baden-Baden fest engagiert.
Auch später noch brillierte er in Gastrollen
an der kurstädtischen Bühne.
"Wie sexy dürfen Nazis sein?", fragte das
Monatsmagazin "Spiegel-Reporter" und druckte eine
Bildauswahl prominenter Schauspieler ab, die
irgendwann einmal vor der Kamera in
Wehrmachtsuniforn geschlüpft sind. Einer der
Akteure, nach denen Hollywood immer wieder rief,
wenn schöngeistig-elegante,
hünenhaft-stattliche oder
kaltschnäuzig-schnarrende Teutonen zu besetzen
waren, war Wolfgang Preiss.
Ein Filmkritiker schrieb über ihn:
"Gleich, ob er nun als Offizier des Heeres, der
Marine oder der Luftwaffe erschien;
unabhängig, ob es sich um menschenverachtende
Berserker oder musische Ästheten handelte;
gleichgültig, ob das Gute oder das Böse
im Uniformträger deutscher Provenienz betont
werden sollte - der Nürnberger Lehrersohn mit
der volltönenden Bariton-Stimme, dem vornehmen
Sprachduktus und dem edlen Understatement war stets
überzeugend."
So konnte er den "guten Deutschen" in Person des
Grafen Stauffenberg ("Der 20. Juli", 1955) oder des
Feldmarschalls Rommel ("Raid on Rommel", 1971)
abwechselnd mit "Schurkenrollen", wie einem SS-Mann
in "Der Kardinal" (1963) oder dem General Jodl im
Präsidenten-Porträt "Ike" (1979)
gleichermaßen glaubhaft verkörpern.
Abgerundet wird das Spektrum seines Schaffens mit
konventionellen Action- und Kriegsfilmen wie "Der
längste Tag" (1962), "Der Spion, der in die
Hölle ging" (1965), "Brennt Paris?" (1966)
oder "Die Brücke von Arnheim" (1977).
Noch Ende der 1980er Jahre war Wolfgang Preiss in
der US-Fernsehserie "Feuersturm" als
Generalfeldmarschall von Brauchitsch zu sehen und
im ZDF in einer vierteiligen Serie über Albert
Schweitzer.
Man täte diesem durchaus zurückhaltend
agierenden Schauspieler jedoch tiefes Unrecht,
würde man ihn allein auf die Uniformrollen
reduzieren. Preiss, der seit 1932 auf der
Bühne stand und noch während des Krieges
vom Film entdeckt wurde, war ein vielseitiger,
behutsam interpretierender Darsteller, der auch
seinen Schurken häufig einen Hauch von
Melancholie beimischt. Immerhin spielte er für
Fritz Lang (1960) und Claude Chabrol (1990) den
genialen Superverbrecher Dr. Mabuse, dem er auch in
einer reichlich spekulativen Kino-Serie in den
1960er Jahren dämonische Gestalt verlieh."
Wolfgang Preiss starb am 27. November 2002 in der
Klinik Bühlerhöhe bei Baden-Baden, sein
Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof
Baden-Baden.

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