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Bertha von Suttner

Bertha von Suttner (1843-1914)
war eine österreichische Pazifistin und Schriftstellerin. Sie wurde 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und war weltweit die berühmteste Frau ihrer Zeit. Im Jahre 1889, mit 46 Jahren, veröffentlichte sie den pazifistischen Roman "Die Waffen nieder!", der großes Aufsehen erregte und Bertha von Suttner zu einer der prominentesten Vertreterinnen der Friedensbewegung machte.

In ihren Memoiren schreibt Sie über ihre Saison 1868 in Baden-Baden:

Wir nahmen Wohnung in der großen, dem Kursaal gegenüberliegenden Villa Messmer, in welcher Königin Augusta von Preußen bei ihren alljährlichen Besuchen der Kurstadt abzusteigen pflegte. Sie sollte erst in einigen Wochen eintreffen, und vorläufig wurde uns ein Teil ihrer Appartements eingeräumt, darunter auch der große Salon, dessen Fenster nach dem Kurpark gingen. Ungeduldig erwartete ich die Ankunft der Murats, die bereits in der Villa Stephanie Wohnung bestellt hatten. Das interessante Leben sollte ja erst beginnen, bis meine Freunde eingetroffen wären. Unterdessen machte ich die Bekanntschaft einer liebenswürdigen Frau, die in Baden-Baden ansässig war - Baronin Seutter; diese faßte eine große Vorliebe für mich und lud mich oft in ihr Haus ein, wo die eingeborene Badensche Gesellschaft viel verkehrte.

Meine Mutter, die zwar längst alles Spielen leidenschaftlich abgeschworen hatte, begann doch wieder - nur aus Neugierde, ein einziges Mal ... ein paar Goldstücke zu riskieren. Und siehe da - die Erfolge der ersten Probezeit stellten sich ein. Sollte die Wundergabe wieder erwacht sein? Da konnte man ja weiterprobieren, solange es ginge. Und in der Tat - das Glück hielt an: die ursprünglich riskierten zehn Louis hatten sich zu mehreren Tausend-Frank-Billetten angehäuft ... wenn das bei allmählich gesteigertem Einsatz noch ein paar Monate so anhielte - und warum nicht? - so war ja die »réussite« gemacht. Alle erloschenen Hoffnungen loderten wieder auf.

Eines Tages erhielt ich die betrübende Nachricht, daß das junge Paar Murat seine Pläne geändert habe und in diesem Sommer nicht nach Baden-Baden kommen werde; die Wohnung in der Villa Stephanie ward wieder abgesagt. Auch wir mußten nun unsere Wohnung verlassen, da die Ankunft der Königin Augusta bevorstand. Eigentlich hätten wir nun nach Hause fahren können, da ja der Zweck unseres Hierherkommens - mit Murats zusammen zu sein - verfehlt war; aber wir zogen doch vor, zu bleiben. Das mühsame Gewinngeschäft im Kursaal hatte zwar eine Zeit nachgelassen, dann wieder eingesetzt, wieder nachgelassen (dieses letztere aber immer nur aus später zu vermeidenden Verfehlungen), und so mußte doch weiterprobiert werden. Und mir war durch die Bekanntschaft mit der Baronin Seutter viel Amüsement geboten; also war es mir auch lieber, in dem glänzenden, wunderschönen Baden-Baden zu bleiben, als nach unserem einfachen Baden zurückzukehren. Unser Hausherr ersetzte die Zimmer, die wir jetzt in der Hauptvilla räumen mußten, durch eine hübsche, in einer Dependance gelegenen Wohnung.

Kurz nach der Ankunft Königin Augustas traf auch der alte König Wilhelm I. in Baden-Baden ein, wo er ungefähr eine Woche bleiben sollte. Von unseren Fenstern konnte man den Haupttrakt der Villa und das Arbeitszimmer des Königs sehen. Jeden Morgen saß er da am Schreibtisch, der nahe an das offen stehende Fenster gerückt war, und man konnte ihn da beobachten, wie er arbeitete.

Ich sollte den Sieger von 1866 übrigens bald nahe sehen und persönlich kennen lernen. Eigentlich hätte ich als Oesterreicherin gegen unseren Ueberwinder patriotischen Groll hegen sollen; aber ich gestehe, daß ich nichts Aehnliches empfand ? nur einen ungeheuern Respekt vor eben diesen Siegen. Der Begriff »Schlachtensieger«, »Ländereroberer« war mir noch von meinem Geschichtsunterricht her der Inbegriff aller Größe, alles Ruhmes. Irgend jemand muß ja zu Schaden kommen, damit Siege und Eroberungen erreicht werden; daß hier zufällig mein Geburtsland das geschädigte war - dieser Umstand konnte doch der Liebenswürdigkeit des Königs keinen Eintrag tun - so egoistisch ungerecht wollte ich doch nicht sein. Zudem war der alte Herr als bezaubernd liebenswürdig, als grundgütig bekannt - kurz, ich konnte mich durchaus nicht zu vaterländischer Ranküne gegen ihn aufschwingen.

Frau von Seutter lud mich eines Abends ein, sie in ihre Loge zu begleiten. Es war eine italienische Opernvorstellung, ich kann mich aber nicht erinnern, was aufgeführt wurde. Ich weiß nur noch, daß wir knapp neben der großherzoglichen Loge saßen und daß in dieser König Wilhelm anwesend war. Er nickte Frau von Seutter einen Gruß zu und schaute oft zu uns herüber. Am nächsten Tag schlug mir die Baronin vor, mich zu einer musikalischen Matinee im Hause Viardot zu führen - dort finde sich stets das vornehmste Publikum ein; dazu ließ ich mich aber nicht bewegen - vor Madame Viardot wollte ich mich nicht mehr sehen lassen. Am Nachmittag erzählte mir Frau von Seutter, die Matinee sei glänzend ausgefallen. Auch der König von Preußen wäre dagewesen. Er habe sie gefragt, wer die junge Dame gewesen, gestern in der Oper; er glaube die Nachbarin erkannt zu haben, die er öfters von seinem Fenster aus sehe.

Wenige Tage später sah ich den König in einer Soiree wieder, die eine große Dame der Gesellschaft - ich kann mich des Namens nicht entsinnen - ihm zu Ehren veranstaltete. Es wurden dabei lebende Bilder gestellt. Im Laufe des Abends stellte mich Frau von Seutter dem alten Monarchen vor.

»Oh, rief er, lächelnd mir die Hand reichend, »wir kennen uns schon lange - vom Fenster aus.«

Von nun ab geschah es sehr oft, daß im Kurpark, wo der König während der Nachmittagsmusik mitten unter den anderen Kurgästen vor dem Kursaal auf und ab zu gehen pflegte, er mich ansprach und dann eine Zeitlang die Promenade an meiner Seite plaudernd fortsetzte. Ich habe kein Tagebuch aus jener Zeit und kann daher den Inhalt dieser Gespräche nicht mehr wiedergeben. Ich erinnere mich nur, daß ich um eine Photographie bat, die mir, mit Namenszug versehen, freundlich gewährt wurde. Ich mußte auch die meine hergeben; doch der König fand sie schlecht getroffen und ersuchte mich um eine andere. Nach wenigen Tagen reiste er von Baden-Baden ab. Am Morgen dieser Abreise schickte ich noch die verlangte Photographie mit einem Begleitschreiben hinüber. Was darin stand, das weiß ich nicht mehr, doch muß ich jedenfalls etwas von Eroberung gesprochen haben ? vielleicht spielte ich dabei auf 1866 an. Die mir übersandte Antwort ist in meinem Besitz. Sie wurde mir von einem Eilboten eingehändigt, während ich eben im Begriffe war, mit Baronin Seutter und einigen anderen Damen auf den Bahnhof zu gehen, um dort dem abreisenden König zum Abschied Blumen zu überreichen. Hier ist die Abschrift des Handschreibens:

Baden, 23. 10. 68.
Soeben empfange ich Ihre etwas bessere Photographie, gnädige Komtesse, als die, welche Sie gestern so gütig waren, mir zuzustellen. Indem ich meinen aufrichtigsten Dank hiemit aussprechen darf, muß ich denselben auch, und zwar noch weit inniger, für die liebenswürdigen Zeilen aussprechen, welche die Photographie begleiteten. In den Passus der Eroberung scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben, indem Sie wohl sagen wollten, daß Sie sehr wohl wüßten, eine Eroberung gemacht zu haben, und zwar die eines zweiundsiebzigjährigen Greises, dessen Sentiments oft noch sehr lebhafte Eindrücke aufnehmen, namentlich wenn sie durch Visavis unterhalten - wenn auch nur zu selten - werden!


 

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