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Die
Ausstattung des Pavillons:
An erster Stelle
wird das Billard-Zimmer genannt mit einem eichenen
Spieltisch, 17 Queues und fünf Kugeln.
Zwölf Stühle aus Kirschbaumholz, schwarz
eingelegt und mit schwarzer Seide gepolstert,
bildeten die Einrichtung des grüngestreift
tapezierten Raumes. An den drei Fenstern waren die
Vorhänge aus Perkal, einem weichen, dichten
Baumwollgewebe, verziert mit Borten und Kordeln mit
Quasten aus orangefarbener Seide.
Der "Compagnie Sallon", kaum größer als
das daneben liegende Billardzimmer, hatte eine
pfirsichfarbene Tapete mit aufgetragenen
Goldverzierungen! Die Vorhänge aus
weißem Musselin verhüllten drei Fenster.
Das "Canapée" und die sechs Stühle aus
Kirschbaumholz, mit meergrünem Atlas bezogen,
der runde Tisch mit dem vergoldeten
Mittelfuß, ein Tabouret
(Fußbänkchen), ein Spiegel mit
Goldrahmen, eine blaue Porzellanuhr unterm
Glassturz, das Bild Napoleons an der Wand, ein
sechsarmiger Lüster (Kronleuchter) aus Bronce
und drei vergoldete Wandleuchten machten diesen
Raum zu einem gemütlichen Treffpunkt der
Familie. Daß auch hier ein Spieltisch "mit
Marken" stand, zeigt, wie man die Abende zubrachte,
wenn das Feuer im Marmorkamin brannte.
Im "Speißsallon" daneben standen zwölf
Rohrstühle mit schwarzseidenen Sitzkissen um
einen runden Tisch. Das "Forte-Piano" (Klavier)
hatte hier seinen Platz. Zu der gelben Tapete
passten die weißen Vorhänge und
Ubergardinen, mit schwarzen und orangefarbenen
Borten und Fransen besetzt. Sieben Kupferstiche in
vergoldeten Rahmen zierten die Wände.
Zu diesen drei Räumen gab es nur noch ein
kleines "Garderobezimmer der Dienerschaft" gleich
neben dem Vestibül, das ein bescheidener
Hausgang war. Hier führte eine Treppe nach
oben, wo sich die Schlafzimmer befanden.
Im Obergeschoß gab es sieben, wesentlich
kleinere Zimmer mit je ein oder zwei Fenstern. Die
Schlafzimmer der Großherzogin und ihres
Gemahls waren die größten Räume,
getrennt durch ein "Boudoir". Die restlichen Zimmer
waren für Kammerfrauen und Kammerdiener
bestimmt, eines davon sollte als Badezimmer
eingerichtet werden.
Das Schlafzimmer Stephanies kann man sich gut
vorstellen, wenn man die gesamte Aufstellung liest,
die in diesem Fall in der Originalschreibweise
wiedergegeben werden soll: "1 zweischläfrige
von Kirschbaumholz mahagonisirte Bettlade mit
Gurten Rahmen. 1 großes Rouleau
(=Kissenrolle) mit neuem Bettbarchent
überzogen, zum Dienst vorräthig. 2 Parade
Rouleaux und eine Bettspreite (= Decke) mit
rosenfarbenem Taffet bezogen. 1 besondere Uberleg
Spreite (Uberwurf) von Moll Mouselin
(=Wollmusselin). 1 Alkov Vorhang und eine doppelte
Draperie mit baumwollenen Fransen besetzt von Moll
Mouselin." Alkoven war eine Bettnische und wie die
Draperien aussahen, ist von zeitgenössischen
Bildern bekannt.
Das Inventar fährt fort: "1 Kopfkissen mit
rosenfarbenem Taffet bezogen. 2 Fenster
Vorhänge. 4 baumwollene
Vorhangschließen. 1 Canapé, 4
Tabourets nebst 1 Fußtabouret mit rother
Leinwand bezogen, hierauf Uberzüge mit Fransen
besezt von Moll Mouselin. Zu diesem Canapé
wurde ein extra Uberzug von rosafarben Levantine
(=Seiden-Köperstoff) nachgefertigt. 1 Toilette
Tisch von Tannen Holz, mit Leinwand gefüttert
und rosenfarbenem Taffet bezogen, hierauf ein
Überzug von Moll Mouselin. 1 Trumeaux Spiegel.
7 meßingene im Feuer vergoldete
Vorhangverzierungen. 1 Draperiestange von Holz mit
vergoldeten Knöpfen. 1 runder Tisch von
gebeiztem Kirschbaumholz. 3 Armleuchter wie im
Sallon. 1 Nachttisch. 3 Blumenvasen nebst 2 Glas
Glocken."
Das Schlafzimmer von Karl hatte als einziger Raum
des Hauses einen Altan (Balkon). Im Durchgang zum
Zimmer Stephanies gab es ein Kamin. Auch sein Bett
stand in einem Alkoven, für den die
Vorhänge aus den vorhandenen "neu gefertigt"
wurden. Seine Bettdecke war blau, alle Sofakissen
in schwarzer Seide, die Tapete gelb-blau
gestreift.
Wohl als besonderen Luxus erhielt der
Großherzog "1 neuer Toilette Tisch von
Tannenholz mit Leinwand-Unterfutter, hierauf ein
Überzug von Battist-Mouselin mit weisen borden
besezt". Und "1 neuer Nachtstuhl von
Nußbaumholz mit einer Brille mit grünem
Corduan (=Leder) bezogen". Später kam noch "1
nußbaumes Budet (=Bidet) mit
weißblecherner Schüßel" dazu.
Nachtgeschirre gab es auch in allen Dienerzimmern,
denn das Haus hatte keine Toiletten.
Die Küche befand sich eindeutig nicht im
Pavillon. Weiter unten am Hügel gab es eine
Hausmeisterwohnung. Das Essen wurde wohl dort
zubereitet. Die Einrichtung der Küche war sehr
bescheiden. Sie bestand im wesentlichen aus zwei
Suppenschüsseln, einer Salatschüssel,
zehn runden und zwei länglichen Platten, vier
Eierbechern, einer Teekanne, neun Tassen, zwei
Zuckerbüchsen, einem Körbchen mit sechs
aus weißem Glas schön geschliffenen
Bechern und sechs Trinkgläsern zu Malagawein,
14 Trinkgläsern, 5 Liqueurgläsern, 13
"Stängelgläsern", also Stielgläser
und zwei Karaffen. Am zahlreichsten waren die
Teller mit 84 Stück.
Margot Fuss, Die Chronik der Stefanienstraße,
Baden-Baden 1987, Seite 173 ff.
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