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Das Buch zum Thema:

Die Frauen am badischen Hof.
von Annette Borchardt-Wenzel
Gebundene Ausgabe, 450 Seiten, C. Katz Verlag Gernsbach

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Stéphanie de Beauharnais

Die Ausstattung des Pavillons:

An erster Stelle wird das Billard-Zimmer genannt mit einem eichenen Spieltisch, 17 Queues und fünf Kugeln. Zwölf Stühle aus Kirschbaumholz, schwarz eingelegt und mit schwarzer Seide gepolstert, bildeten die Einrichtung des grüngestreift tapezierten Raumes. An den drei Fenstern waren die Vorhänge aus Perkal, einem weichen, dichten Baumwollgewebe, verziert mit Borten und Kordeln mit Quasten aus orangefarbener Seide.

Der "Compagnie Sallon", kaum größer als das daneben liegende Billardzimmer, hatte eine pfirsichfarbene Tapete mit aufgetragenen Goldverzierungen! Die Vorhänge aus weißem Musselin verhüllten drei Fenster. Das "Canapée" und die sechs Stühle aus Kirschbaumholz, mit meergrünem Atlas bezogen, der runde Tisch mit dem vergoldeten Mittelfuß, ein Tabouret (Fußbänkchen), ein Spiegel mit Goldrahmen, eine blaue Porzellanuhr unterm Glassturz, das Bild Napoleons an der Wand, ein sechsarmiger Lüster (Kronleuchter) aus Bronce und drei vergoldete Wandleuchten machten diesen Raum zu einem gemütlichen Treffpunkt der Familie. Daß auch hier ein Spieltisch "mit Marken" stand, zeigt, wie man die Abende zubrachte, wenn das Feuer im Marmorkamin brannte.

Im "Speißsallon" daneben standen zwölf Rohrstühle mit schwarzseidenen Sitzkissen um einen runden Tisch. Das "Forte-Piano" (Klavier) hatte hier seinen Platz. Zu der gelben Tapete passten die weißen Vorhänge und Ubergardinen, mit schwarzen und orangefarbenen Borten und Fransen besetzt. Sieben Kupferstiche in vergoldeten Rahmen zierten die Wände.

Zu diesen drei Räumen gab es nur noch ein kleines "Garderobezimmer der Dienerschaft" gleich neben dem Vestibül, das ein bescheidener Hausgang war. Hier führte eine Treppe nach oben, wo sich die Schlafzimmer befanden.

Im Obergeschoß gab es sieben, wesentlich kleinere Zimmer mit je ein oder zwei Fenstern. Die Schlafzimmer der Großherzogin und ihres Gemahls waren die größten Räume, getrennt durch ein "Boudoir". Die restlichen Zimmer waren für Kammerfrauen und Kammerdiener bestimmt, eines davon sollte als Badezimmer eingerichtet werden.

Das Schlafzimmer Stephanies kann man sich gut vorstellen, wenn man die gesamte Aufstellung liest, die in diesem Fall in der Originalschreibweise wiedergegeben werden soll: "1 zweischläfrige von Kirschbaumholz mahagonisirte Bettlade mit Gurten Rahmen. 1 großes Rouleau (=Kissenrolle) mit neuem Bettbarchent überzogen, zum Dienst vorräthig. 2 Parade Rouleaux und eine Bettspreite (= Decke) mit rosenfarbenem Taffet bezogen. 1 besondere Uberleg Spreite (Uberwurf) von Moll Mouselin (=Wollmusselin). 1 Alkov Vorhang und eine doppelte Draperie mit baumwollenen Fransen besetzt von Moll Mouselin." Alkoven war eine Bettnische und wie die Draperien aussahen, ist von zeitgenössischen Bildern bekannt.
Das Inventar fährt fort: "1 Kopfkissen mit rosenfarbenem Taffet bezogen. 2 Fenster Vorhänge. 4 baumwollene Vorhangschließen. 1 Canapé, 4 Tabourets nebst 1 Fußtabouret mit rother Leinwand bezogen, hierauf Uberzüge mit Fransen besezt von Moll Mouselin. Zu diesem Canapé wurde ein extra Uberzug von rosafarben Levantine (=Seiden-Köperstoff) nachgefertigt. 1 Toilette Tisch von Tannen Holz, mit Leinwand gefüttert und rosenfarbenem Taffet bezogen, hierauf ein Überzug von Moll Mouselin. 1 Trumeaux Spiegel. 7 meßingene im Feuer vergoldete Vorhangverzierungen. 1 Draperiestange von Holz mit vergoldeten Knöpfen. 1 runder Tisch von gebeiztem Kirschbaumholz. 3 Armleuchter wie im Sallon. 1 Nachttisch. 3 Blumenvasen nebst 2 Glas Glocken."

Das Schlafzimmer von Karl hatte als einziger Raum des Hauses einen Altan (Balkon). Im Durchgang zum Zimmer Stephanies gab es ein Kamin. Auch sein Bett stand in einem Alkoven, für den die Vorhänge aus den vorhandenen "neu gefertigt" wurden. Seine Bettdecke war blau, alle Sofakissen in schwarzer Seide, die Tapete gelb-blau gestreift.

Wohl als besonderen Luxus erhielt der Großherzog "1 neuer Toilette Tisch von Tannenholz mit Leinwand-Unterfutter, hierauf ein Überzug von Battist-Mouselin mit weisen borden besezt". Und "1 neuer Nachtstuhl von Nußbaumholz mit einer Brille mit grünem Corduan (=Leder) bezogen". Später kam noch "1 nußbaumes Budet (=Bidet) mit weißblecherner Schüßel" dazu. Nachtgeschirre gab es auch in allen Dienerzimmern, denn das Haus hatte keine Toiletten.

Die Küche befand sich eindeutig nicht im Pavillon. Weiter unten am Hügel gab es eine Hausmeisterwohnung. Das Essen wurde wohl dort zubereitet. Die Einrichtung der Küche war sehr bescheiden. Sie bestand im wesentlichen aus zwei Suppenschüsseln, einer Salatschüssel, zehn runden und zwei länglichen Platten, vier Eierbechern, einer Teekanne, neun Tassen, zwei Zuckerbüchsen, einem Körbchen mit sechs aus weißem Glas schön geschliffenen Bechern und sechs Trinkgläsern zu Malagawein, 14 Trinkgläsern, 5 Liqueurgläsern, 13 "Stängelgläsern", also Stielgläser und zwei Karaffen. Am zahlreichsten waren die Teller mit 84 Stück.

Margot Fuss, Die Chronik der Stefanienstraße, Baden-Baden 1987, Seite 173 ff.

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