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Ernst Schlapper
(1887-1976)
Baden-Badens erster
Oberbürgermeister der Nachkriegszeit, hatte
dieses Amt nicht nur in schwersten Zeiten
übernommen, sondern auch in einem Alter, in
welchem andere bereits die Monate bis zu ihrer
Pensionierung zählen.
Am 17. 12. 1887 in Essen geboren, machte Ernst
Schlapper, dem 1922 die Ehrendoktorwürde der
Philosophischen Fakultät der Universität
Gießen verliehen worden war, zunächst im
Ruhrgebiet Karriere, unter anderem als
Privatsekretär des Stahlmagnaten August
Thyssen. Weltweite Kontakte, die er während
seiner beruflichen Tätigkeit geknüpft
hatte, veranlassten die Machthaber des
Nationalsozialistischen Regimes (1933-1945), Ernst
Schlapper politisch zu verfolgen und darüber
hinaus für 22 Monate in Haft zu nehmen.
Nach seiner Haftentlassung kam Ernst Schlapper 1937
nach Baden-Baden und erwarb ein Haus in der
Stadelhoferstraße 18 mit der Vorstellung,
sich in der Kurstadt zur Ruhe zu setzen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der
Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen
wurde Baden-Baden Hauptquartier der
französischen Besatzungsmacht.
Die Beschlagnahmung von 5000 Betten im Hotel- und
Gaststättengewerbe und von 3346 Wohnungen
für die Militär- und
Zivilangehörigen der französischen
Besatzungsmacht führte nicht nur zu einer
katastrophalen Wohnungsnot, sondern
präsentierte Baden-Baden auch eher als
Garnisons- denn als Kurstadt.
Ernst Schlappers Villa war ebenfalls beschlagnahmt
worden. Anlässlich seiner Vorsprache im
Rathaus, wo er sich über die Freigabe seines
Hauses informieren wollte, wurde ihm angetragen,
sich als Oberbürgermeister zur Wahl zu
stellen. Am 22. September 1946 wurde Ernst
Schlapper einstimmig vom ersten Stadtparlament nach
dem Zweiten Weltkrieg zum Oberbürgermeister
gewählt.
Energisch, engagiert, sachkundig und zielstrebig
begann der fast 59-Jährige die Aufbauarbeit
der Stadt.
Die Anfangsjahre waren geprägt von
ärmlichsten Lebensumständen. Es galt,
Wohnungsnot und Nahrungsmittelmangel zu
bekämpfen und dabei darauf zu achten,
Konfrontationen zwischen der Besatzungsmacht und
der einheimischen Bevölkerung zu
vermeiden.
Die Währungsreform im Jahr 1948, der das
gesamte Vermögen der Bäder- und
Kurverwaltung zum Opfer fiel und die der Stadt ein
Haushaltsdefizit von 2,7 Millionen DM einbrachte,
stellte eine weitere enorme Herausforderung
für den Ersten Bürger der 36111 Personen
zählenden Gemeinde dar.
Sehr langsam, und immer unter argwöhnischer
Beobachtung durch die Franzosen, wurde eine
Schwierigkeit nach der anderen gemeistert. Neuer,
wenn auch einfachster, Wohnraum wurde geschaffen.
Hartnäckig setzte sich Ernst Schlapper
für die Freigabe der Hotels und der
Gastronomiebetriebe ein, um mit dem Wiederaufbau
der Existenzgrundlage der Stadt, des
Kurgeschäftes, beginnen zu können.
Eine veränderte Bäder- und
Kurverwaltung
nahm ihre Arbeit wieder auf. In ihr war Schlapper
nicht nur Verwaltungsratsmitglied, sondern auch
Vorstand, dem ein Kurdirektor zur Seite stand.
Damit hatte der Oberbürgermeister alle
Fäden in der Hand und setzte seine Befugnisse
unter Nutzung seiner vielfältigen Beziehungen,
unter anderem zu Konrad Adenauer, dem ersten
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, zum
Wohle der Stadt ein. Gelder aus
Wiederaufbauprogrammen flossen ebenso, wie die
Bundesvermögensverwaltung den Bau von
Wohnungen für die Franzosen verwirklichte und
innerhalb von 10 Jahren eine eigene Stadt, die
cité, mit 1600 Wohnungen für die
Militärangehörigen und ihre Familien
entstehen ließ.
Die allmähliche Wiederinbetriebnahme der
Hotels ermöglichte die Beherbergung von
Gästen aus aller Welt mit klangvollen Namen,
deren Aufenthalt in Baden-Baden zum großen
Teil Ernst Schlapper zu verdanken ist.
Neben der Wiedereinrichtung des Kur- und
Spielbankbetriebs war es Ernst Schlapper ein
großes Anliegen, Industriebetriebe in die
Stadt zu holen, um der alleinigen Abhängigkeit
vom Kurgeschäft entgegen zu wirken. Betriebe
mit rauch- und geräuschloser Fertigung wurden
in Baden-Oos angesiedelt.
Projekte, wie zum Beispiel der Bau einer europaweit
beachteten Kläranlage, der Einsatz von
kurortfreundlichen Oberleitungsbussen, der Bau des
Hardbergbades, des Autobahnzubringers, der
Reithalle, des Hallenbades und des Kongresshauses,
wurden während Ernst Schlappers Amtszeit
ebenso realisiert wie die Umgestaltung des
Bäderviertels und sorgten für eine
Erhöhung der Anziehungskraft der Stadt.
Eine Vielzahl von national und international
beachteten Veranstaltungen, wie die traditionellen
Pferderennen, Golf- und Tanzturniere,
Schlagerfestspiele, Misswahlen, Kürungen der
Sportler des Jahres und die 60. Session des
Internationalen Oympischen Comites (IOC) im Jahr
1963, festigten den Aufschwung und führten
1966 mit 949445 Übernachtungen zum bislang
besten Ergebnis in der
Übernachtungsstatistik.
Am 30. Juni 1969 beendete Ernst Schlapper nach fast
23-jähriger Amtszeit als ältester
Oberbürgermeister der Bundesrepublik
Deutschland seinen überaus erfolgreichen
Einsatz für die Stadt, unter anderem mit den
Worten: "Baden-Baden geht herrlichen Zeiten
entgegen, wenn wir an Baden-Baden glauben."
Die Stadt Baden-Baden dankte ihm sein
unermüdliches Engagement mit seiner Ernennung
zum Ehrenbürger. Sieben Jahre waren Ernst
Schlapper im wohl verdienten Ruhestand noch
vergönnt. Am 9. August 1976 starb der bisher
beste "Manager" der Kurstadt. Auf dem Stadtfriedhof
seiner Wahlheimat wurde er zu Grabe getragen.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
SPIEGEL-Artikel von 1968 über
Ernst Schlapper
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