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Die
Schlagerfestspiele
in Baden-Baden
Der Bedeutung des deutschen Schlagers in den
frühen 60ern wurde durch ein
alljährliches Spektakel Rechnung getragen: von
1961 bis 1966 gingen im Kurhaus Baden-Baden die
Schlagerfestspiele über die Bühne. In
feierlichem Rahmen genussvoll zelebriert, war
dieser nationale Contest zur Jahresmitte auch ein
Fernsehereignis, das im einzigen deutschen
TV-Programm als Eurovisionssendung über die
Schwarz-Weiß-Bildschirme der
Wirtschaftswunder-Fernsehkisten flimmerte.
Spätestens nach 1962, als die Siegerin Conny
mit dem Lied "Zwei kleine Italiener" einen
Riesenhit landete und Schlagergeschichte schrieb,
avancierten die Baden-Badener Festspiele für
die beteiligten Interpreten zur wichtigen
Karrierehilfe oder -festigung.
In der Tat gerieten die folgenden Siegertitel zu
Schlager-Evergreens, die noch heute in jedermanns
Ohr klingen und die damals mühelos die
Spitzenplätze der Verkaufshitlisten
stürmten. Die Vergabe der Wettbewerbspunkte
erfolgte durch drei Institutionen: die 11
Rundfunkanstalten, das Saalpublikum und das bei der
Vorentscheidung ermittelte Ergebnis des
Infratestes.
Lassen wir die Schlagerfestspiele von 1963 bis 1966
noch einmal kurz Revue passieren. Auffallend ist,
dass in den vorderen Rängen stets die Damen
platziert waren, dass altgediente Schlagerstars oft
Niederlagen einstecken mussten, für Newcomer
hingegen mit der Teilnahme am Wettbewerb die
Karriere erst begann. 1963 siegte die bis dahin
unbekannte Gitte mit "Ich will 'nen Cowboy als
Mann" vor Anita Traversi mit "Ob in Bombay, ob in
Rio" und Gerhard Wendlands "Lach doch". Stars wie
Lolita oder Gerd Böttcher mussten sich mit dem
Mittelfeld oder gar mit dem Schlusslicht
begnügen.

Die Siegerin von 1964, Siw Malmkvist, hatte bereits
einige Erfolge verbucht, "Liebeskummer lohnt sich
nicht" brachte jedoch den großen Durchbruch.
Auf den Plätzen: Nana Mouskouri mit "Wo ist
das Glück vom vergangen Jahr" und Gitte &
Rex mit "Jetzt dreht die Welt sich nur um dich" -
beide Interpreten waren damals gerade
äußerst populär. Während
Altstars wie Lys Assia oder Margot Eskens im
Mittelfeld landeten, platzierten sich im vorderen
Bereich zwei Titel, deren Interpreten damit eine
große Karriere starteten: Dorthe mit "Junger
Mann mit roten Rosen" und die Ofarims mit
"Schönes Mädchen". - 1965 gewann Peggy
March mit "Mit 17 hat man noch Träume" das
Festival, gefolgt von Wencke Myhre mit "Sprich
nicht drüber" (die damit ihren ersten
großen Hit landete) und Siw Malmkvists "Das
fünfte Rad am Wagen". Dorthe belegte abermals
den undankbaren 4. Platz, ihr "Blondes Haar am
Paletot" wurde aber ein Hitparadenerfolg. Die einst
so beliebte Western- & Winnetou-Masche der
Geschwister Leismann, des Medium-Terzetts und
anderer landete abgeschlagen am
Klassement-Ende.
1966 bröckelte bereits der Lack der
Festspiele. Nur die drei Erstplatzierten spielten
im Hitgeschehen noch eine Rolle: Wencke Myhre
siegte mit "Beiß nicht gleich in jeden
Apfel", für den erfolgsverwöhnten Roy
Black bedeutete der 3. Rang von "Irgend jemand
liebt auch dich" eher eine Niederlage. Dazwischen
platzierte sich Elisa Gabbai mit "Nur wenn du bei
mir bist"- eine Sängerin, die kurz zuvor mit
"Winter in Canada" berühmt wurde und deren
Erfolge sich auf das Jahr 1966
beschränkten.

1967 gab es keine Festspiele. Der ab 1968 für
kurze Zeit neu ins Leben gerufene
Schlagerwettbewerb war schon damals
Anachronismus.
© Thommi Herrwerth in der Zeitschrift
"Trödler & Sammeln Ausgabe Nr. 190
September 1995
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über die Schlagerfestspiele
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