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Max
von Schenkendorf (1783-1817)
wurde am 11.
Dezember 1783 in Tilsit geboren. Seine Jugend- und
Studienzeit verbrachte er in Königsberg
(Ostpreußen). In der Zeit der napoleonischen
Kriege bis 1808 gesellte er sich zu den Gegnern des
französischen Kaisers. Seine 1807 mit dem
Freiherrn Ferdinand von Schrötter (1785-1863)
herausgegebene Zeitschrift „Vesta“ war so scharf
gegen Napoleon gerichtet, dass dieser sie verbieten
ließ. Allein gab daraufhin Schenkendorf die
nur in einem Heft erscheinende Zeitschrift
"Studien" (1808) heraus. Ein Theaterskandal, in dem
er nach Ruhe rief, und ein Duell, das ihm die
rechte Hand kostete, verleideten ihm den Aufenthalt
in Königsberg. Er folgte der von ihm geliebten
verwitweten Henriette Elisabeth Barcklay geb.
Dittrich (1774-1840) nach Karlsruhe nach. Henriette
Barcklay reiste mit ihrer ebenfalls Henriette
("Jettchen"; 1793-?) genannten Tochter im Gefolge
der bekannten Frau von Krüdener (1764-1824;
siehe zu ihr.
In Karlsruhe verband sich Schenkendorf mit der
älteren Frau und wurde so Stiefvater einer
Tochter. Die Eheschließung gelang durch die
Beziehungen Johann Heinrich
Jung-Stillings da eigentlich
die "Kopulationen" Fremder in Baden zu dieser Zeit
nicht zulässig waren. Die nun ausbrechenden
"Freiheitskriege", dann „Befreiungskriege“
genannten Kriege gegen Napoleon ließen auch
Schenkendorf sich dem preußischen Heer
anschließen. Er wurde so "Freiwilliger";
jedoch konnte gemäß königlicher
Verordnung nur noch der nach dem Kriege als Beamter
angestellt werden, der mitgekämpft hatte. Nun
erlangte Max von Schenkendorf seine Bedeutung durch
seine Kriegslieder, denn mitkämpfen konnte er
ja wegen der gelähmten Hand nicht.
Blücher sagte ganz allgemein: "Der eine
kämpft mit dem Sabel (= Säbel/Degen), der
andere mit dem Schnabel (= Mund)!"
Bekannt sind z. B. Schenkendorfs Lieder "Freiheit,
die ich meine", "Soldaten-Morgenlied". Nach dem
Kriege wandte er sich mehr dem religiösen
Leben zu und dichtete geistliche Lieder, die auch
in die (evangelischen) Gesangbücher Aufnahme
fanden. "Brich an, du schönes Morgenlicht" und
"Ostern, Ostern, "Frühlingswehen" werden hier
zu nennen sein.
Sein Lied "Erneuter Schwur" endet mit den Versen
"Ihr Sterne, seid uns Zeugen, die ruhig
niederschau’n, wenn alle Brüder schweigen und
falschenGötzen trau’n: |: wir woll’n das Wort
nicht brechen, nicht Buben werden gleich, woll’n
predigen und sprechen vom heil’gen deutschen
Reich!"
Zwar wollte Schenkendorf – rückwärts
blickend und dabei doch Neues wollend, wieder ein
einiges deutsches Reich, wie es seit 1806 nicht
mehr bestand, aber dass man heute, 2001, singen
muss oder soll: "Ihr Sterne, seid uns Zeugen, die
ruhig niederschau’n, wenn alle Brüder
schweigen und falschen Götzen trau’n: |: wir
woll’n das Wort nicht brechen, nicht Buben werden
gleich, woll’n predigen und sprechen von unserem
Österreich!“, das hätte er sicherlich
nicht gewollt, wenn er auch die Habsburger durchaus
verehrte. Ebenso wäre ihm sicherlich der Ge-
und vor allem Missbrauch im so genannten "Dritten
Reich" gewesen! Hier wurde das Lied leider mit dem
Schluss"„vom heil’gen dritten Reich" gesungen, aber
das war nicht im Sinne des Dichters, der sich
derartige Terrorherrschaft nicht hätte
vorstellen können. Leider hat dieser
Missbrauch aber dazu geführt, dass man ihn
leichtfertig in die "rechte Ecke" gestellt hat, in
die er aufgrund seiner Vita und der
Zeitumstände eben nicht gehört.
Schenkendorf wurde dann noch als ehemaliger
Mitarbeiter des Freiherrn vom Stein (1757-1831)
Regierungsrat in Koblenz. Hier verstarb er an
seinem Geburtstag im Jahre 1817, nur wenige Monate
nach seinem väterlichen Freund Johann Heinrich
Jung-Stilling.
Von Dr. Erich Mertens, Lennestadt
Max von Schenkendorf verbrachte auch viele Monate
in Baden-Baden zur Kur. Bereits "Am 29sten Dezember
1812 in Karlsruhe" schreibt er von einem solchen
Aufenthalt in Baden-Baden und berichtet als einer
der ersten von den Eseln, die man dort zu
Vergnügungstouren mieten konnte.
Er schreibt an die fernen Königsberger
Freunde: "Sehr gerne gedenke ich einer Reise in das
Murgthal, / so nennt man ein Thal des hiesigen
Gebirgs, das sich im / Schwarzwalde verliert, und
von der Murg durchströmt auf einer / Strecke
von 6 Stunden 14000 Menschen ernährt. Dieses
Thal / ist berühmt seiner Industrie und seiner
romantischen Ansichten / wegen, von denen ich
einige an Motherbys geschickt habe. Wir / machten
die Tour zu Fusse, und führten nur einen Esel
mit uns, / worauf sich die jedesmal müde Dame
setzte; wodurch das Ganze / zumal in den wilden
Gegenden, denn wir zogen bis in den Schwarz- / wald
– etwas von der Flucht nach Egypten erhielt."
Von seinen Aufenthalten hier zeugen die
Einträge in das Badwochenblatt und auch
der Dichterwettstreit auf den Tod
einer jungen Nonne. Im Jahr 1814
verstarb in Lichtenthal die 1793 geborene Maria
Anna Lanner, die als "Stephanie Friederika" Nonne
im Kloster Lichtenthal gewesen war.
Sein schönes Gedicht "An das Thal zu Baden“
mag hier ohne jegliche Anmerkung zum Text nach dem
Druck von 1862 wiedergegeben sein:
An das Thal zu Baden.
Als Willkommgruß an die genesende Gattin.
Schmücke dich mit Laub und Blüthen,
Mein geliebtes schönes Thal,
Zartes Leben zu behüten
Vor zu heißem Sonnenstrahl.
Durch den Frühling hergetragen,
Kommt ein liebes, frommes Kind,
Engel führen seinen Wagen,
Und es weht ein lauer Wind.
Weh’t es schmeichelnd an, ihr Lüfte,
Stärket Sinne, Geist und Muth
Ihr des Weinstocks zarte Düfte,
Du der Rose keusche Gluth.
An dem Brünnlein, an den Bächen
Geht es, an dem Wasserfall,
Mag sich oft und gern besprechen
Mit dem leisen Wiederhall.
Gebt ihr denn in allen Tönen,
Geister, Segen und Geleit;
Allem Großen, Guten, Schönen
Ist das fromme Herz geweiht.
Ritter, die in diesen Gauen
Einst ein treues Volk geschirmt,
Und ihr zarten, heil’gen Frauen,
Die der Klöster Bau gethürmt.
Sehet nun auf euren Pfaden
Alte Zucht und Frömmigkeit,
Rein und keusch, den Himmelsgnaden,
Wie dem Vaterland geweiht.
Daß sich euer Geist noch freue,
Wo die ew’gen Kränze blühn,
Seht an eurer Gruft die Treue,
Lieb’ und Demuth wieder knie’n!
Warme Quellen, Wundergaben,
Gottes reicher Segensfluß,
Dieses Leben sollt ihr laben,
Bringt ihr der Gesundheit Gruß.
Süße Kost sollt ihr ihr geben,
Fischlein, die im Bach sich freun,
Milch und Honig, Obst und Reben,
Heil’ges Brod und heil’gen Wein.
Berge, Thäler, Wald und Aue,
Du o süße Frühlingszeit,
Seyd besprengt mit heil’gem Thaue,
Seyd gesegnet und geweiht!
Daß ihr alles Labsal werde
Und Genesen und Gedeih’n,
Weih’ ich Himmel, Wasser, Erde,
Lied und Wort und Schlummer ein.
Auferwacht und auferstanden
Leib und Geist in holder Pracht
Aus der Krankheit schweren Banden,
Aus der Winters langer Nacht!
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