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Krone aller Badeorte
Baden-Baden - nahe Rastadt, paradiesische Gegend

Baden-Baden, 616' ü. M., zwei Meilen von Rastadt, an dem Oosbach, am westlichen Vorgebirge des Schwarzwalds in einer paradiesischen Gegend, „ist der Sammelplatz der vornehmen und schönen Welt aller Nationen, die hier Paläste und Villen erbaute, das ganze Thal in einen grossartigen Park verwandelte, alle Arten von Genüssen, welche der gute Ton erheischt und zu denen auch das verabscheuungswürdige Hazardspiel gezählt wird, einführte und so das stille, reizende Thal der Oos zu einem der angenehmsten Sommeraufenthalte, zum Schauplatz geräuschvoller Unterhaltungen und eleganter Toiletten, mit einem Wort zu einem Luxusbade umgestaltete, in welchem der Sybaritismus in höchster Potenz die Hauptsache ist, die Benützung der Heilquellen aber in den Hintergrund gedrängt ward. Hier promeniert man, konversiert, amüsiert sich, fährt, reitet, tanzt, spielt, isst und trinkt, und badet nebenbei, weil einmal Bäder vorhanden sind.“ So beschreibt diese „Krone aller Badeorte“ treffend Dr. Helfft in seinen Reiseerinnerungen von 1865.

Baden, das jetzt etwa 8000 Einwohner zählt, war bereits den Römern als „Civitas Aurelia Aquensis“ bekannt; urkundlich wird der Quellen zuerst 873 gedacht; seinen Ruf erwarb es sich im 16. und 17. Jahrhundert unter dem Namen „Niederbaden“ oder „Markgrafenbad.“ Und in der That es verdient diesen Ruf nicht seiner Thermen sowohl, als noch weit mehr seines milden Klimas wegen, welches massig feucht und durch schützende Bergketten in Norden und Osten frei von schroffen Temperaturwechseln, insonders kranken Respirationsorganen zusagt. Selbst nach Regen kann man bald Spaziergänge machen, auf trockenem Kiesboden und bei milder Luft durch balsamisch duftende Fichtenwaldungen. Sogar überwintern hier an Rheumatismus und Gicht Leidende. Mit diesen Vorteilen der klimatischen Lage vereinigt sich ein unerschöpflicher Vorrat an heißem Wasser und die unmittelbare Nähe eisenhaltiger Quellen, im Bunde mit langjähriger Kultur seitens der liberalen großherzoglichen Verwaltung und einer wohlwollenden Bevölkerung. Zugleich endlich Sammelplatz für Reisende nahe an dem großen Schienenweg der zivilisierten Welt, vom Kanal nach den Alpen, hat Baden im Laufe des Jahrhunderts eine enorme Zunahme der Frequenz aufzuweisen: 1815 >2500 Personen, 1825 >7000 und 1829 >10000, 1835 >15.000, 1845 >30000,1855 >40000,1862 >45000 Fremde. Mit solchen Menschenmassen ist ein geordnetes Leben unverträglich, und was der galante Ovid von Bajae sagt, fände hier Anwendung, dass mancher Kurgast statt der gehofften Heilung eine Wunde in der Brust davonträgt, . . . und nicht in der Brust allein. Über das Hazardspiel hat die öffentliche Meinung gerichtet. Wahrlich die Oosstadt würde nach Aufhebung der Spielbank, welche nunmehr am 31. Oktober 1866 bevorsteht, nicht veröden. Man blicke auf Interlaken und Ischl!

Man zählt zwölf muriatische Thermalquellen, die aus den Höhlen und Spalten eines schiefrigen, granitartigen Gesteins entspringen, deren Wasser jedoch nur durch die Verschiedenheit ihrer Temperatur (54 bis 37'/2° R.), nicht durch die ihres chemischen Gehaltes wesentlich abweicht. Die stärkste und reichste, der „Ursprung“ oder die Hauptquelle (54°R.) ist in ein Gewölbe römischer Bauart eingefasst; ihr helles Wasser hat den den salinischen Thermen eigenen Geschmack und Geruch von gesalzener Fleischbrühe. Außer ihr sind zu nennen die Judenquelle (54° R.), die Quelle zum Ungemach (52 ¼ ° R.), die Höllenquelle (52° R.), die Klosterquelle (51° R.), der Brühbrunnen (50° R.), die Muhrquellen (50 und 49° R.), die Quellen der Bütte (53, 52, 45 und 40° R.), die Quellen zum kühlen Brunnen (43 ¾ und 37 ½ ° R.). In sämmtlichen ist Kochsalz der vorherrschende Bestandtheil (in 1 Pfund Wasser 16 Gran auf 23), ausserdem ein paar Gran schwefelsaurer und salzsaurer Kalk. Das Wasser bildet einen Badeschlamm von schwarzgrauer Farbe; aus seinen erdigen Theilen schlägt sich ein weisser und bräunlicher Kalksinter nieder, Badestein genannt. In jenem Badeschlamm fehlt auch nicht die gallertartige grüne Substanz von Karlsbad, mit einer Fülle von Infusionsthierchen.

Die Badener Salztherme nimmt einen vornehmen Rang unter den milden Wassern dieser Art ein, mit der Eigenthümlichkeit, dass sie einerseits ihren Bestand auf Haut und Schleimhaut wirken lässt, andrerseits doch diese Heilkräfte den allgemeinen Einflüssen als heißes Bad unterordnet. Die Quelle ist nicht indifferent, wohl ihre Verwendung, weil sie nicht an und für sich, sondern als Inbegriff der bevorzugten Lage zu Heilzwecken ausgebeutet worden ist. So wird sie gegen abdominelle Stockungen (auch mit vortrefflichen Molken und mit anderen Mineralwässern versetzt) getrunken, so wird in ihr gebadet, auch als Gas, Dampf, Tropfen, Douche (descendanle und ascendante), Sehlamm, sogar eingespritzt und klystirt, aber stets im Hinblick auf das „alte Schloss“ und das Konversationshaus, - auf Deutschland und Frankreich. Diesen Indifferentismus kann man - d. h. der einzelne Mann - umgehen, aber nicht abläugnen; bei Unterschätzung der Heilquelle ist ein Wirkungskreis dieser „Königin der Bäder“ geschaffen worden, welcher außer dem Bereiche jener liegt. Von den Bädern sind die im Zähringer und Darmstädter Hofe am zweckmäßigsten eingerichtet. Das neu erbaute Dampfbad erfreut sich eines zahlreichen Besuches.

Die Hauptklassen der Krankheiten, in welchen die Thermalquellen von Baden gerühmt werden, sind folgende:
1) Skrofulose.
2) Gichtbeschwerden: Kontrakturen, Geschwülste, Knoten; hier vorzüglich haben sich die Muhrquellen (Fettquelle) bewährt, seit dem 1859 darin entdeckten Chlorlithium (0,235 Gran).
3) Lähmungen, namentlich nach Gicht und Rheumatismus.
4) Chronische Hautausschläge, Flechten, Geschwüre.

Der Blick von dem Konversationshause aus auf die gegenüberliegende, amphitheatralisch gebaute Stadt, deren Spitze das neue Schloss mit seinem prächtigen Parke bildet, umgeben von Berggeländen, von welchen die grauen Trümmer des alten Schlosses gegen den dunkeln Fichtenwald sich deutlich abgrenzen, ist zumal bei Abendbeleuchtung ein unbeschreiblich schöner. Wer vermag ferner alle die köstlichen Ansichten zu schildern, welche jede Krümmung der Lichtenthaler Allee bietet, bis zu dem Punkte, wo man auf die hellen Häuser des Dorfes Lichtenthal und die Klostergebäude schaut, mit dem HochgebirgsHintergrund. Höchst belohnend sind die Ausflüge nach dem alten Schloss, der Ebersteinburg, dem Jagdschlosse und der Yburg, wo die liebliche Rheinebene mit zahlreichen Städten und Dörfern vor uns liegt, Strasburg mit seinem Münster, die duftigen Vogesen, das Haardtgebirge, die Schwarzwaldthäler.

Kranken und Familien, welche ein mehr ländliches Leben in stiller Zurückgezogenheit führen wollen, empfiehlt Dr. Helfft die Wohnungen in der Lichtenthalerstrasse, im Stephanienbade, im Hotel Bellevüe und in Lichtenthal selbst. „So lässt sich der wohlthätige Einfluss der Ruhe mit den Genüssen einer großen Stadt verbinden, denn für einen rüstigen Spaziergänger ist die geringe Entfernung einer halben Stunde von Baden nicht in Anschlag zu bringen, und für schwächliche Personen oder solchen, denen größere Promenaden untersagt sind, stehen stets elegante Wagen bereit.“

Aus dem Buch:
Die Heilquellen und Kurorte Deutschlands
Autor: Hauck, Gustav Dr. (19. Jahrh.) deutscher Arzt und Publizist
Erscheinungsjahr: 1865

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