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Lina Radke-Batschauer

18.10.2003 | Spezial | Gustav Schwenk

Lina Radke „hat es den Männern gezeigt"

Lange nicht alle Olympiasieger waren auch im Leben danach Kinder des Glücks. Das zeigt ein Rückblick auf die späteren Erdentage von Lina Radke, jener Frau, die vor 75 Jahren bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam mit der damaligen 800-Meter-Weltrekordzeit (2:16,8 Minuten) die erste Goldmedaille für die deutsche Leichtathletik gewann und die am heutigen 18. Oktober 2003 auf den Tag genau 100 Jahre alt geworden wäre.
32 Jahre, bevor Armin Hary wenige Wochen nach dem 100-Meter-Traum-Weltrekord (10,0 Sekunden) endlich als erster deutscher Läufer einen Olympiasieg errang, hatte Lina Radke ihren Sieg erobert. Ein Triumph, den man schon 1928 dem einen oder anderen deutschen Läufer zugetraut hatte.

„Man kann in Deutschland die große Leichtathletik-Mannschaft vermuten!" Das hatte die hochgeachtete Pariser Sportzeitung „L'Auto", die von 1903 bis zum Zweiten Weltkrieg die „Tour de France" veranstaltete, in ihrem Vorbericht auf die Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam geschrieben. Auch zu Hause waren die Erwartungen bei der Rückkehr des deutschen Sports, der 1920 und 1924 zuschauen musste, in die olympischen Arenen groß.

Leichtathlet als Fahnenträger

Vor allem den Leichtathleten wurde nach einigen Weltrekorden im Vorfeld viel zugetraut. Nicht umsonst hatte man mit dem fast zwei Meter großen Diskuswerfer Ernst Paulus einen Leichtathleten als Fahnenträger für die Eröffnungsfeier ausgewählt.

Vier Tage lang mussten rund tausend deutsche Schlachtenbummler, die für 50 Gulden eine Dauerkarte zur Leichtathletik-Woche gekauft hatten, auf den sehnlichst erhofften ersten deutschen Sieg warten. Da brach die damals 25-jährige Wahl-Breslauerin Karoline („Lina") Radke, geborene Batschauer, endlich den Bann.

„Sie hat allen Männern gezeigt, wie man kämpfen muss", schrieb der damalige 110-Meter-Hürdenrekordmann Heiner Troßbach in seiner Begeisterung für eine Fachzeitschrift. Von zehn Metern Vorsprung, die sie in der letzten Kurve auf der ersten olympischen 400-Meter-Bahn herausgelaufen hatte, lebte die Frau eines Schneidermeisters bis zum sicheren Erfolg vor der damaligen Weitsprung-Weltrekordrekordlerin Kinue Hitomi. Die aus Langenzenn stammende Marie Dollinger, die den ersten Vorlauf gewonnen hatte, wurde in diesem Finale Siebente.

Mit Bubikopf, aber noch ohne Treppchen

Als der Sieg der Frau mit der Bubikopf-Frisur verkündet, die deutsche Fahne am mittleren Mast gehisst und zu ihren Ehren das Deutschlandlied gespielt wurde, stand Lina Radke im weiß-schwarzen Sportdress im Innenraum. Das heute übliche „Treppchen" für die Siegerehrung führten erst die Amerikaner 1932 in Los Angeles ein.

Damals gab es auch kein Olympisches Dorf. Die deutsche Mannschaft wohnte nicht im lauten Amsterdam, sondern im Grand Hotel Zandvoort – 30 Kilometer vom Olympiastadion entfernt. Mit ihrem Ehemann Georg Radke erledigte sie die letzten Trainingsläufe in den weiten Dünen des niederländischen Badeortes.

In Breslau und beim SC Baden-Baden, in dessen Trikot sie 1926 über 1000 Meter ihren ersten deutschen Meistertitel errungen hatte, wurde die Olympiasiegerin begeistert empfangen. Ganz anders war das Echo im IOC. Baron Pierre de Coubertin, der Wiedererwecker der Olympischen Spiele, sprach von „unzumutbarer Überanstrengung der Frauen".

800 Meter vorübergehend verbannt

In der Tat boten nicht wenige der Teilnehmerinnen aus 18 Länder, die in anderen Disziplinen zu Hause waren, kein gutes Bild. Also verbannte man die 800 Meter für die Spiele von 1932 bis 1956 aus dem olympischen Programm.

Als die Rote Armee im Januar 1945 Schlesien eroberte, erlebte Lina Radke das schwere Schicksal der Heimatvertriebenen. Über Sömmerda (Thüringen) kam sie 1950 nach der Rückkehr ihres Mannes aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Torgau, in jenen Ort an der Elbe, an dem sich sowjetische und amerikanische Soldaten am 25. April 1945 die Hand reichten und das nahe Ende des Zweiten Weltkrieges manifestierten.

Die Radkes beteiligten sich dort als Übungsleiter am Aufbau der SG Chemie Torgau, in deren Farben Elli Sudrow 1953 800-Meter-Rekord (2:14,8 Minuten) lief. Da ihr Sohn als Jazzmusiker seinem Hobby nachgehen wollte, folgte das Ehepaar ihm 1961 „in den Westen". In Linas Geburtsstadt Karlsruhe lebten sie zunächst in einem Flüchtlingsheim, bevor der badische Leichtathletik-Vorsitzende Ludwig Döring ihnen eine Wohnung besorgte.

Eine Medaille mit Ehrenplatz

Dort hatte die Olympische Goldmedaille einen Ehrenplatz. Allerdings nicht das Original, das auf der Flucht aus Schlesien gestohlen wurde, sondern eine Kopie. Der damalige DLV-Präsident Dr. Max Danz hatte sie beim IOC besorgt. Noch in der DDR wurde sie vom dortigen NOK-Vorsitzenden Kurt Edel überreicht worden.

In Karlsruhe lebte die Olympiasiegerin bescheiden und zurückgezogen. So abseits vom Sportgeschehen, dass der DLV-Vizepräsident Helmut Rang am 8. Oktober 1983, als er der erfolgreichen Sportlerin zur Vollendung des 80. Lebensjahres gratulieren wollte, von Nachbarn erfuhr: „Die Frau Radke ist schon vor einem halben Jahr verstorben!"

An zahlreiche Olympiasieger oder Meister erinnern in ihren Heimatorten entweder Sportstätten oder Straßen. In Karlsruhe oder Baden-Baden allerdings sucht man nach einer Lina-Radke-Straße vergeblich. Allerdings zeigt Baden-Baden auf seiner Internet-Seite ein Bild der Olympiasiegerin in der offiziellen Kleidung für die Olympischen Spiele 1928.

Lina Radke wurde als 13. Athletin vergangener Tage in die Hall Of Fame von
www.leichtathletik.de aufgenommen! Vor ihr würdigten wir dadurch bereits die Leistungen von Lutz Drombowski, Willi Wülbeck, Rosemarie Ackermann, Sabine Braun, Heide Ecker-Rosendahl, Lisa Gelius, Armin Hary, Ronald Weigel, Bert Sumser, Oliver-Sven Buder, Ulrike Nasse-Meyfarth und Ilke Wyludda.



© by WAEPART, Baden-Baden/Germany. All Rights Reserved. Abbildung von Arthur Grimm

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