|
Quo vadis Baden-Baden?
Die mit dem
Attribut " 'einstige' Sommerhauptstadt Europas"
versehene Kleinstadt an der Oos hat viele Vorteile
: die einmalig schöne Landschaft, die
heißen
Quellen, das mediterane
Klima und die Ergebnisse einer großen Anzahl
positiver kultureller Einflüsse.
Mit diesen Pfunden könnte erfolgreich
gearbeitet werden. Jedoch hat es die Stadt in den
letzten vier Jahrzehnten verpasst, eine eigene
Identität für sich zu schaffen.
"Sommerhauptstadt
Europas" ist passée.
In einer von Düsenjets und TGV gestempelten
zivilisierten Welt werden andere Plätze
aufgesucht als der meistens verschlafene Ort an der
Oos, in dem üblicherweise um 22.00 Uhr die
Bürgersteige hochgeklappt werden und in dem
ein mitternächtliches, exzellent
vorgetragenes, Trompetensolo die Polizei auf den
Plan ruft.
Es reicht bei weitem nicht, dass das viertgrößte
Opernhaus der Welt aus dem Boden
gestampft worden ist. Es reicht nicht aus, zweimal
pro Jahr edle Pferde auf
eine Rennbahn zu schicken, um die Wettlust
von Aberhunderttausenden zu befriedigen und es
reicht nicht aus, angesichts der bundesweiten
Zunahme an Spielbanken sich des
schönsten Casinos der Welt zu
rühmen, wenn es dem echten Zocker egal ist, in
welchem Ambiente er ein volles oder ein leeres
Portemonnaie erspielt.
Für eine Touristenattraktion à
la Vogtsbauernhöfe, wohin sich die
überseeischen Touristen begeben, um ihre
pictures zu schießen und ihre Andenken zu
erstehen, ist diese Stadt zu groß und zu
belebt. Immerhin leben hier mehr als 50000
Menschen, die nicht alle von Pferderennen, Casino
und Mariinsky-Vorstellungen profitieren können
und die auch nicht alle auf gestikulierende
Anweisungen von Menschen aus dem Land des
Lächelns, sich fotogen vor blühenden
Magnolien aufzustellen, reagieren wollen - ohne
Bakschisch versteht sich, denn derartiges Posieren
wird zur Gastfreundlichkeit gezählt.
Die Stadt muss "auf den Teppich" kommen und
erkennen, welche und wo ihre
Entwicklungsmöglichkeiten sind.
Die Stadt hat das Geschenk
der Therme und nutzt dieses
Geschenk überwiegend nur noch in Richtung
Spaßbad, zu welchem busladungsweise
Tagestouristen aus dem Umland und dem nahen
Frankreich gekarrt werden, die im Extremfall noch
etwas Geld für ein Schwarzwaldmädel oder
eine Cuckoo-Watch ausgeben.
Die Stadt besitzt auf der anderen Seite
in
Erinnerung an das 19. Jahrhundert den
Hochmut, nur exklusive Klientel willkommen
heißen zu wollen, weswegen dem "Geldadel" bis
- wie in vielen Fällen bereits geschehen - zum
Insolvenzverfahren geliebdienert wird.
Der Spagat zwischen Massentourismus und der devoten
Verbeugung vor denjenigen mit "dem großen
Geld" muss bewältigt werden, um unter
Berücksichtigung der Bedürfnisse der
Einwohner ein eigenes, attraktives Profil zu
schaffen.
Dieses Profil könnte eine Synthese aus
Großstadtleben und Dorfidylle sein, weder zu
beschaulich, noch zu hektisch - eben das Profil
einer Kurstadt, die sich den modernen Erwartungen
an Highlights und Events ebenso stellt wie dem
Bedürfnis nach gelegentlicher Ruhe und
Entspannung; eine gelungene Mischung aus Freizeit-
und Vergnügungsangeboten, sowie
Erholungsmöglichkeiten, basierend auf einer
optimalen Infrastruktur.
Dazu bedarf es eines realisierbaren Konzepts, in
welchem Tatsachen, Wünsche und Visionen aller
in dieser Stadt vorhandenen Interessengruppen
optimal miteinander verknüpft sind.
Dies setzt allerdings voraus, dass endlich damit
begonnen wird, miteinander zu reden, sich
auszutauschen, Vorschläge zu überdenken
und aufeinander abzustimmen; kurz: gemeinschaftlich
die sorgsame Restaurierungsarbeit des "Kunstwerks"
Baden-Baden anzugehen, bevor es so zerfallen ist
wie
sein Altes Schloss und sein
Neues Schloss.
Trotz vieler nicht genutzter Möglichkeiten,
die Anziehungskraft Baden-Badens neuzeitlichen
Erwartungen entsprechend unter
Berücksichtigung gegebener Verhältnisse
zu erhöhen, lohnt es sich allemal, eine der
schönsten Städte Deutschlands zu besuchen
und
ihre Einmaligkeit zu erkunden.
Carl
Maria von Weber schwärmte
zu Beginn des 19. Jahrhunderts: "Die einzig
schöne Natur, die Baden umgibt, (ich kenne
manches Bad, aber noch nirgends habe ich so
mannigfache Gegenden um einen Ort vereinigt
gefunden) freundliche und erhabene Aussichten,
Berge und Felsen und liebliche Ebenen, auf der
anderen Seite die Nähe des Herrlichen
Murchtales etc. alles
dieses sind unvergängliche Schönheiten
und haben Baden schon den Römern wert gemacht,
und werden es auch jetzt und ewig den Galliern und
Germanen theuer erhalten. Häufig theilt sich
daher auch die Gesellschaft in kleine Landpartien,
und befriedigt und erfreut kehrt jeder von da
zurück, indem er in seine Heimath dann das
Andenken und den Wunsch, es wieder zu sehen,
mitnimmt." und Johannes
Brahms schrieb 1896 an
Clara
Schumann: "Nach
Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art
Sehnsucht..."
Dies gilt auch noch heute, denn wer einmal hier
war, wird sich sicher sehnsuchtsvoll an dieses
schöne Fleckchen Erde erinnern und gerne
wiederkommen.
|
|
Baden-Baden
Werbung der Bäder- und Kurverwaltung
aus dem Jahre 1939
|
ELLE PLUS widmet in der Mai-Ausgabe 2004
Baden-Baden auf 17 Seiten Aufmerksamkeit. Die
Begrüßungsworte formulierte die
Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur
& Tourismus GmbH, Brigitte Goertz-Meissner:
"Seit vielen Jahren ist die ELLE - neben der
üblichen Fachliteratur - fester Bestandteil
meines Lesestoffes. Umso mehr freue ich mich, dass
ELLE PLUS nun regelmäßig über
Baden-Baden berichtet. Baden-Baden ist Synonym
für Well-being-Angebote der besten und
luxuriösesten Art. Eine Beauty-Metropole,
deren Charmefältchen zugunsten einer modernen,
gesundheitsbewussten Wellness-Oase von
europäischem Spitzenniveau rundherum nahtlos
geliftet wurden. Entspannender Fluchtpunkt für
den gestressten, leistungsorientierten Menschen mit
hochprofessionellen Wohlfühlprogrammen und
maßgeschneiderten Check-ups zur optimalen
Versorgung. Also Lebensfreude pur! Das wissen auch
die vielen prominenten Gäste, die Baden-Baden
zum absoluten "In"-Plätzchen auserkoren haben:
Mit hochkarätigen Aufführungen in Europas
zweitgrößtem Festspielhaus oder in der
schönsten Spielbank der Welt. Trendige
Designerboutiquen, in denen es von extravaganten
Stilettos bis zum lässigen Vintage-Look, vom
schicken Wohnambiente bis zu witzigen Accessoires
wirklich alles gibt, lassen keine Wünsche
offen. Und wer nach baden und bummeln, Powerfitness
und Prada einfach nur genießen will, hat die
Wahl: Ob badische Gemütlichkeit,
sternendekorierte Gourmet-Küche oder das
einzigartige Kultur- und Lifestyle-Angebot, das von
den Wiener Philharmonikern bis zu New Pop reicht.
Ja, es ist wirklich so: In dieser Stadt ist
Lebensfreude angesagt - mit allem, was Körper,
Geist und SeeIe in positive Schwingungen vorsetzt.
Probieren Sie es doch einfach mal aus!"
Jeder einzelne möge für sich selbst
entscheiden, ob diese Aufzählung ein
eigenständiges, attraktives Profil der Stadt
wiedergibt.
Das englische
Fußball-Nationalteam hat
für die Zeit der Weltmeisterschaftsaustragung
in Deutschland das Schlosshotel
Bühlerhöhe zum Quartier
gewählt.
Im April 2006 erging ein "Aufruf der Stadt
Baden-Baden an die Geschäftsleute", der ab dem
12. April auch im Internet verbreitet wurde:
Die Stadt Baden-Baden ruft ihre Geschäftsleute
und Dienstleister auf, die englischen Fans und
Journalisten während der Fußball-WM
gastfreundlich zu empfangen.
Einerseits könne dies durch geeignete
Schaufensterdekorationen oder einfallsreiche
Accessoires geschehen, andererseits auch durch ein
kleines Hinweisschild, dass im Geschäft
englisch gesprochen werde.
Die Journalisten werden nicht nur über die WM,
sondern teilweise auch ausführlich über
Baden-Baden und die Region berichten - dies
könne enorm positive Auswirkungen auf den
künftigen Tourismus haben, so die
Stadtverwaltung.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
|