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Jean-Pierre Ponnelle
(1932-1988)
Das Multitalent wurde am 19.
Februar 1932 in Paris geboren. Sein Vater Pierre
war Weinhändler und Journalist, seine Mutter
Mia Operettensängerin. Nach dem Krieg besuchte
Jean-Pierre Ponnelle das französische
Gymnasium in Baden-Baden, wo sein Vater als
Besatzungsoffizier den Südwestfunk mit begründete. Seine
intensive Beschäftigung mit Musik wurde
gefördert vom Leiter der Musikabteilung des
Südwestfunks, Heinrich Strobel, und vom Chefdirigenten des
Rundfunkorchesters, Hans Rosbaud. In Baden-Baden entstanden erste
Kontakte mit der Musik-Avantgarde. Nach dem
Baccalauréat 1948 studierte Jean-Pierre
Ponnelle Philosophie, Literatur- und
Kunstgeschichte in Straßburg und an der
Sorbonne, später auch Theaterwissenschaften an
der FU Berlin.
Ab 1950 entwarf er Bühnenbilder und
Kostüme für Opern sowie Ballett- und
Schauspielaufführungen.
1957 heiratete Jean-Pierre Ponnelle die
Schauspielerin Margit Saad.
1960 wurde Ponnelle im Rahmen seines
Militärdienstes nach Baden-Baden versetzt, wo
er den Auftrag erhielt, für die
Militärkirche in Baden-Oos ein Bild zu malen.
Es entstand das Altar-Tryptichon, sein wichtigstes
Werk als Maler. (Heute in der Militärkapelle
von Évreux).
1961 begann seine Laufbahn als Regisseur mit der
Regie des Schauspiels "Caligula" von Albert Camus
am Düsseldorfer Schauspielhaus; zwei Jahre
später inszenierte er mit Richard Wagners
"Tristan und Isolde" für die Deutsche Oper am
Rhein in Düsseldorf seine erste Oper.
1968/69 wurde Jean-Pierre Ponnelle mit dem
triumphalen Erfolg der Inszenierung von Rossinis
"Il barbiere di Siviglia" für die Salzburger
Festspiele zum international gefragten
Opernregisseur. In den 1970er und 1980er Jahren
inszenierte er weltweit zahlreiche Opern in
Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Claudio Abbado,
Daniel Barenboim oder Herbert von Karajan, so unter
anderem am Metropolitan Opera House in New York,
der Bayrischen Staatsoper München und im
Théatre des Champs Elysées.
Unvergessen und weltbekannt sind seine
Mozart-Zyklen. Auch führte er Regie in
mehreren noch heute aktuellen Opernfilmen.
Jean-Pierre Ponnelle starb 1988 in
München.
Anlässlich seines 70. Geburtstages erschien
eine umfangreiche bebilderte
Monografie,
herausgegeben von der Akademie der Künste in
Berlin.
Edita Gruberova, die in Jean-Pierre Ponelles
letztem Opernfilm "Cosi-fan-tutte"-Film mitgewirkt
hat, beschreibt dessen Fähigkeiten:
"Ponnelle hat Seelen erkundet. Das Faszinierende an
seiner Arbeit war die Präzision, mit der er
uns Sänger zu einem Rollenverständnis
geführt hat. Jedes kleinste Detail wurde dabei
akribisch erarbeitet. Vom Visuellen her betrachtet,
schuf er eine sehr individuelle Ästhetik, die
von Voreiligen und Kurzsichtigen manchmal als
konservativ abgetan wurde. In Wahrheit lag seine
Arbeit immer an der vordersten Spitze
psychologischer Tiefenschau.
Neben Rigoletto zählt für mich der
Cosi-fan-tutte-Film zum Besten. Nicht zuletzt auch
durch die Mitwirkung von Nikolaus Harnoncourt
entwickelte sich jene Verknüpfung von
menschlicher Leidenschaft und Moralismus, die das
Da-Ponte-Theater Mozarts im wesentlichen ausmacht.
Die Regieanweisungen gab Ponnelle nicht etwa aus
Textbuch oder aus Klavierauszug, sondern aus der
Orchesterpartitur! Ich erinnere mich an eine
Akrion,die 'mit dem Einsatz der Hörner' zu
erfolgen hatte!
Unerreichter Höhepunkt: Massenets Manon in
Wien. Ob man diese hochelegante, immer
fluktuierende Gefühls-Textur der Musik
feinnerviger und vor allem wahrhaftiger umsetzen
kann? lch weiß es nicht. Jedenfalls
weiß ich seit damals - überwältigt
von der Erinnerung an diese Tage -, daß ich
diese Rolle nicht mehr auf der Bühne singen
will."
Quelle: Jean-Pierre Ponelle, Berlin 2002, S. 40
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