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Maria Bergmann

Maria Bergmann (1918-2002)

Marianne Bergmann wurde am 15. 2. 1918 in Höchst/Odenwald geboren. Sie erlernte das Klavierspielen autodidaktisch. Erst ab dem zwölften Lebensjahr bekam sie Klavierunterricht und erhielt später ein Stipendium für den Besuch des Wiesbadener Konservatoriums. 1936 gab sie ihr erstes Konzert auf der renommierten Bühne des großen Wiesbadener Kurhaussaales. Neben der Konzerttätigkeit interessierte sie sich schon früh für das damals noch junge Medium Radio. 1938 wurde ihr von der Frankfurter Reichsrundfunkkammer die Mikrofoneignung als Klaviersolistin bescheinigt. 1939 erhielt Maria Bergmann ihr erstes Rundfunkengagement. Im Juni 1946 erhielt sie ihr erstes Engagement für drei Sendetermine als Pianistin beim damals gerade gegründeten Südwestfunk. Auf Betreiben von Heinrich Strobel, dem damaligen Leiter der Musikabteilung, erhielt sie umgehend ein Angebot als Hauspianistin, das sie zum 1. Oktober 1946 annahm. Statt der sich abzeichnenden Solistenkarriere ließ Maria Bergmann sich damit auf ein musikalisches Leben hinter den Kulissen ein: Ihre Auftritte fanden nicht im Rampenlicht des Konzertsaales statt, sondern in nüchterner Studioatmosphäre vor dem Mikrofon. Statt unmittelbarem Applaus ernte sie - zwar zeitversetzt, dafür aber oftmals um so herzlicher und ausführlicher - Hörerpost als Publikumsresonanz. Und die erhielt sie mitunter gleich Körbeweise.

Für ihren Arbeitgeber, den SWF, spielte Maria Bergmann buchstäblich unermüdlich - und live; nicht nur Klavierstücke, sondern auch Sonaten, Klaviertrios und ganze Konzerte. "Ihre großen Stärken", so Lotte Thaler, "waren Vielseitigkeit, Flexibilität und absolute Präzision. In allen drei Kategorien bleibt Maria Bergmann ein Vorbild, das gerade in Zeiten allgemeiner Spezialisierung kaum mehr erreichbar scheint." Genau diese Stärken stellte Maria Bergmann täglich scheinbar mühelos unter Beweis - zum Beispiel wenn sie Sendezeiten mit Musik aufzufüllen hatte: Ein Spielen gegen die Uhr, denn beim Gongschlag musste der Schlussakkord gefallen sein. Daneben musste sie sich immer wieder auf die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Musikern einstellen - manchmal sogar am selben Tag: So konnte es ihr passieren, mitten aus einer Kammermusikproduktion in eine Orchesterprobe gerufen zu werden, weil die Solistin den Aufnahmetermin vorverlegt hatte, um anschließend im Kammermusikstudio die angefangene Sonate fortzusetzen. Maria Bergmann meisterte solche Wechselbäder stets mit Bravour. Geiger von Salvatore Accardo bis Zvi Zeitlin, Cellisten von Wolfgang Boettcher bis Janos Starker, Flötisten wie Andras Adorján und Karlheinz Zöller haben mit ihr Studioaufnahmen gemacht, manchmal sogar ohne Proben, galt sie doch als absolut zuverlässig, als bestens vorbereitet. Das schätzten auch die Dirigenten, die mit ihr zusammenarbeiteten: u.a. Pierre Boulez über Werner Egk, Lawrence Foster, Michael Gielen, Rafael Kubelik, Hans Rosbaud, Giuseppe Sinopoli, Karlheinz Stockhausen und Igor Strawinsky.

Ungefähr 2500 Musikstücke hatte Maria Bergmann gespielt, als sie 1982 in Pension ging. In ihren Lebenserinnerungen, "Ein Leben für Musik und Funk" (Verlag für Berlin-Brandenburg, 1996), schreibt Bergmann: "Das Spielen vor dem Mikrophon war mein täglich Brot. Genauer gesagt, war es ein hartes Brot. Aber hartes Brot kann euch wohlschmeckend sein, und nach 36 Jahren ständig nervenanspannender Tätigkeit war ich immer begeistert von meinem Beruf, da für mich die Beschäftigung mit Musik zum Schönsten gehört, was es auf der Welt gibt.

Nach 36 Jahren Studiotätigkeit fand ihr letzter großer Auftritt dann doch wieder im Rampenlicht des Konzertsaales statt: Am 15. Februar 1998 spielte Maria Bergmann im Hans-Rosbaud-Studio des SWR in Baden-Baden anlässlich ihres 80. Geburtstages im Rahmen einer festlichen Matinée.

Maria Bergmann verstarb im Januar 2002.


© by WAEPART, Baden-Baden/Germany. All Rights Reserved. Text und Foto: Presseabteilung SWR

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