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Louis Lucien Lepois

Der Pionier der technischen Ästhetik
Louis Lucien Lepoix (1918-1998)

Mitten im Ersten Weltkrieg wurde Louis Lucien Lepoix als erstes von vier Geschwistern am 4. Februar 1918 in Giromagny in der Nähe Belforts geboren. Die kriegsbedingte Zerstörung des Elternhauses brachte es mit sich, dass der Junge teilweise auf dem großelterlichen Bauernhof aufwuchs. Nach mehreren Umzügen fand die Familie Ende der 1920er Jahre in Abigny bei Lyon eine feste Bleibe.

Louis Lucien Lepoix' Vater war Kraftfahrzeugmeister, dessen Lehrbücher über Mechanik und Motoren schon bald das Interesse seines Erstgeborenen weckten. Die Natur an sich, Wasser- und Windkraft, Sonnenenergie und die mechanische Fortbewegung beschäftigten Louis Lucien Lepoix schon in frühen Jahren und haben ihm auf seinem täglichen Weg zum 20 km entfernten Collège Claude Bernard in Villefranche, den er zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegte, sicherlich allerlei Denkanstöße gegeben.

Mit 16 Jahren nahm Louis Lucien Lepoix das Studium des Zeichnens, des Gestaltens, der plastischen Darstellung und der Architektur an der Ecole des Beaux Arts in Lyon auf. Drei Jahre später musste er das Studium aus familiären Gründen beenden. Sein Berufswunsch stand damals bereits fest. Er wollte "Stylist" werden. Er wollte Form geben und gestalten wie sein großes Vorbild, der in den USA wirkende Franzose Raymond Loewy, der später "Vater des Designs" genannt werden sollte. Vorerst musste sich Louis Lucien Lepoix allerdings um seinen Lebensunterhalt kümmern. Mit 18 Jahren wurde er Lehrer an einer katholischen Knabenschule im heutigen Stadtteil Champagne Lyons.

Trotz seiner Lehrertätigkeit befasste er sich weiter mit technischen Phänomenen und Gestaltungsfragen. Die Ecole du Génie Civil in Paris wurde sein nächster Studienort, um Ingenieur Adjoint en Constructions Aéronautiques zu werden.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Ausbildung. Im Herbst 1938 wurde Louis Lucien Lepoix Soldat und leistete bis zum Jahr 1940 Frontdienst, wobei er gleichzeitig sein Studium als Fernstudium weiterführte und sich intensiv mit Kriegsgerät und technischen Details auseinandersetzte. Schließlich wurde er von der Front abgezogen und in einer getarnten Rüstungsfabrik für Flugzeuge eingesetzt. Auch von dort betrieb er sein Fernstudium weiter. Der Verkauf von Zeichnungen für Pariser Modehäuser und von Flugzeugen half, das kostspielige Unterfangen zu finanzieren.

1942 realisierte er sein Buch "Air - la voiture grande classe". Der Enttarnung der Rüstungsfabrik im Herbst 1942 folgte die Flucht des 24jährigen, dem es trotz allem gelang, sein Ingenieurstudium weiter aus der Ferne zu betreiben.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Louis Lucien Lepoix für ein sechsmonatiges Praktikum nach Friedrichshafen, wo die französische Armee im ehemaligen Zeppelinwerk ein Autoreparaturwerk eingerichtet hatte und Louis Lucien Lepoix zum Abteilungsleiter bestellte. Nach der Arbeit beschäftigten ihn das Erlernen der deutschen Sprache und das Erstellen von Fahrzeugentwürfen, die er in einer angemieteten Werkstatt umzusetzen begann. Der Grundstein für seine erfolgreiche Tätigkeit als Formgestalter war gelegt.

Die 1950 gegründete Firma Form und Technic brachte unter anderem den Bugatti 101 hervor. Louis Lucien Lepoix, der eine Festanstellung beim Militär anstrebte, kam 1952 nach Baden-Baden ins Hauptquartier der Forces Françaises en Allemagne im
Hotel Stephanie, arbeitete dort als Buchhalter, bewarb sich bei Industriefirmen als technisch-künstlerischer Berater, gestaltete seine erste Schreibmaschine und das erste Nachkriegscoupé des Automobilbauers Ford. Er verließ das Militär und kaufte 1954 ein im Rohbau befindliches Haus in Baden-Baden, das er Stück für Stück nach seinen Vorstellungen in Eigenleistung fertig stellte.

Seine Bemühungen, in seinem Heimatland zu Aufträgen zu kommen scheiterten, weswegen er in Baden-Baden blieb und dort mit seiner mittlerweile in FORM TECHNIC international (fti) umbenannten Firma und einigen Angestellten erfolgreich Zweiräder, Radios, Plattenspieler und messtechnische Geräte gestaltete - und die Kienzle-Parkuhr, die aus keinem Stadtbild Deutschlands während der darauf folgenden Jahrzehnte wegzudenken war.

fti entwickelte sich zum Markenzeichen für bestes (Industrie-)Design, wohingegen der "Kopf", dessen Entwicklungen sehr häufig als Patente angenommen wurden, der Firma lediglich Eingeweihten bekannt war. Derer wurden es allerdings immer mehr, weswegen Louis Lucien Lepoix' Gedanken auf internationalen Designer-Kongressen sehr gefragt waren. Zudem wurde er von 1969 bis 1973 zum Präsidenten der französischen Chambres syndicales des designers indistruelles und des Syndicat des esthéticiens industriels berufen.

Seine Firma expandierte, musste Rückschläge hinnehmen, gewann wieder an Boden und Zugkraft und Louis Lucien Lepoix beschäftigte sich neben dem Alltagsgeschäft nach wie vor mit den für ihn brennenden Themen: der Serienfertigung von Kleinwagen, von Elektro- und Solarmobilen, der Nutzung von Sonnenenergie und Windkraft.

Das Erscheinungsbild seiner Wahlheimatstadt Baden-Baden, in welcher er den größten Teil seines Lebens verbracht hat, gab ihm ebenfalls zu denken. 1989 legte er ein Konzept für das "Herz" der Stadt, den Leopoldsplatz und die davon abzweigende Einkaufsprachtstraße Sophienstraße vor. Dieses Konzept, da ohne Auftrag erstellt, kam ebenso wenig in die Nähe der Realisierungsphase wie sein 1991 ebenfalls ohne Auftrag vorgestellter Entwurf für einen Brunnen auf dem Leopoldsplatz.

Louis L. Lepoix, Sophienstraße

Louis L. Lepoix, Sophienstraße

Entmutigt aufgegeben hat Louis Lucien Lepoix, dem im Laufe der Jahre eine stattliche Reihe an Auszeichnungen zuerkannt worden war, jedoch nicht. Er beschäftigte sich weiter mit den mittlerweile von "der Politik" als "Herausforderung unserer Zeit" erkannten Fragen der Wind-, Wasser- und Sonnenkraftnutzung und entwarf Häuser, Wohnanlagen, Wasserkraftwerke und Windanlagen.

1997 würdigte die Kurstadt seine Lebensleistung mit der Ausstellung "50 Jahre technische Ästhetik", der im Jahr 2003 ein
umfangreiches Katalogbuch folgte. Die Veröffentlichung dieses Werkes erlebte Louis Lucien Lepoix nicht mehr. Er starb am 6. November 1998 in Baden-Baden.

Neun Jahre nach seinem Tod erhielt die Baden-Badener Gewerbeschule am 29. November 2007 in einem Festakt den Namen Louis-Lepoix-Schule.

Von Rika Wettstein + Wolfgang Peter, Baden-Baden






© by WAEPART, Baden-Baden/Germany. All Rights Reserved. Die Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Erika Kübler zur Verfügung gestellt.

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