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Willy Korf
(1929-1990)
Am 13. August 1929 wurde Willy Korf in Hamm an der
Sieg geboren. Die Familie Korf betrieb erfolgreich
ein Landhandelsunternehmen, das von Großvater
Gustav Korf in Au an der Sieg gegründet worden
war.
Willy Korf, ein aufgeweckter, entdeckungsfreudiger
Kopf, musste nach dem plötzlichen Tod seines
Vaters im Jahr 1946 seine Schullaufbahn am
Gymnasium in Betzdorf abbrechen, um die Höhere
Handelsschule in Köln zu absolvieren, da
vorgesehen war, dass er in der dritten Generation
das großväterliche Unternehmen
fortführe.
Mit 19 Jahren übernahm Willy Korf Ende 1948
als persönlich haftender Gesellschafter die
Gustav Korf OHG. Umtriebig machte er sich daran,
den Geschäftsbetrieb auszudehnen, wobei er
verstärkt den Handel mit Baustoffen ins Auge
fasste. Im nah gelegenen Ruhrgebiet, das
während des Zweiten Weltkriegs verheerenden
Zerstörungen ausgesetzt gewesen war, bestand
enormer Bedarf an allem, was zum Wiederaufbau von
Häusern und Fabriken notwendig war. Unter
anderem war Betonstahl gefragt, der zur
Stabilisierung von Beton eingesetzt wurde. Auch mit
diesem Betonstahl handelte Willy Korf und
importierte ihn zu großen Teilen aus dem
französischen Lothringen.
Der ständig sich ausdehnende Handel der Gustav
Korf OHG in ganz Deutschland verlangte die
Vergrößerung der Transportkapazität
und ließ Willy Korf 1951 seine erste eigene
Firma gründen, die Korf-Transport GmbH.
Zwei Jahre später orientierte der
24jährige Unternehmer den Betrieb in Richtung
Betonstahlmatte und plante, diesen Baustoff selbst
zu fertigen, um das großväterliche
Unternehmen auf Expansionskurs zu halten. Vorerst
tat er sich mit einem mittelständischen
Unternehmen im Sauerland zusammen und trat damit
gegen die Düsseldorfer Baustahlgewebe GmbH an,
die von den großen deutschen Stahlwerken
gegründet worden war, um zu abgesprochenen
Preisen und bestimmten Mengenzuteilungen die auf
Hochtouren laufende Baubranche zu bedienen.
Willy Korf hatte in Süddeutschland eine solide
Marktposition erarbeitet und baute demzufolge auch
dort sein eigenes Drahtwerk, als die Zusammenarbeit
mit dem Sauerländer Unternehmen ein Ende
gefunden hatte.
1955 wurden im badischen Kehl die ersten
Baustahlgitter für Armierungszwecke
produziert. Den hierzu benötigten Walzstahl
bezog Willy Korfs Süddeutsche
Drahtverarbeitungswerke GmbH
größtenteils aus Lothringen. 1958
fertigten bereits drei Korf-Werke Baustahlmatten,
was die Quasi-Monopolisten der Baustahlgewebe GmbH
zu heftigen Interventionen veranlasste. Der
Firmengründer Willy Korf war nicht nur hiermit
beschäftigt, sondern war mit weiteren
Firmengründungen in Deutschland und
Übersee aktiv.
Eine Dachgesellschaft, eine "Holding", wurde 1959
in Baden-Baden angesiedelt, die Korf Handels- und
Verwaltungsgesellschaft GmbH & Co. KG, von 1962
an als Korf Industrie und Handel GmbH & Co. KG
firmierend.
1961 verkaufte Willy Korf seine drei Drahtwerke
nach Jahre langem Tauziehen der Marktbeherrscher
mit dem lästigen Konkurrenten für rund 20
Million DM an den Traditionsstahlproduzenten
Klöckner, Gesellschafter der Baustahlgewebe
GmbH, und setzte dieses Geld ein, um seine
unternehmerische Ziele weiter zu verfolgen, in
erster Linie das Ziel der Herausforderung der
alteingesessenen Stahlwerke durch den Betrieb eines
eigenen Stahlwerks. Dies gelang dem knapp
40jährigen im Jahr 1968 mit der Einweihung der
Badischen Stahlwerke in Kehl, wo mit neuesten
Produktionsverfahren Stahl erzeugt wurde.
Zwischenzeitlich hatte Willy Korf seine Frau
Brigitte geheiratet, war Vater zweier Töchter
geworden und residierte mit seiner Familie in der
noblen Kaiser-Wilhelm-Straße Baden-Badens.
Durch seine vielfältigen Kontakte zu illustren
Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in
Deutschland und im Ausland wurde nicht nur seine
Villa sondern auch die Kurstadt zu einem besonderen
Anziehungspunkt.
Unermüdlich ertüftelte Willy Korf neue
Produktionsverfahren oder ließ sie
ertüfteln wie er weiter weltweit Firmen
gründete, ob in Frankreich, Nigeria, Brasilien
oder den USA.
1975 entstand ein eigenes Gebäude für
seine Holding nahe dem damaligen Südwestfunk,
von wo aus das weltweite Firmengeflecht, das sich
hochkreativ mit neuen Technologien zur
Stahlgewinnung auseinandersetzte, gesteuert wurde.
Die technischen Höchstleistungen, welche die
Korf-Mannschaft in Serie produzierten, bescherten
ihrem Initiator 1979 die Ehrendoktorwürde der
Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule
Aachen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Korf-Firmen
die Milliardenumsatzgrenze bereits
überschritten. Allerdings waren die Korfschen
Unternehmungen auf Krediten und Wechseln aufgebaut,
was in Folge der Stahlkrise der 1970er Jahre zu
einer extremen finanziellen Schieflage des Konzerns
führte, zumal Willy Korf im Gegensatz zu
seinen Konkurrenten im Ruhrgebiet und an der Saar
keinerlei staatliche Subvention erhielt.
Der Dauerkämpfer für marktwirtschaftliche
Verhältnisse und gegen jede Art staatlicher
Subventionspolitik war 1983 finanziell am Ende und
musste seinen Konzern auflösen. Sein
Ursprungswerk, die Badischen Stahlwerke in Kehl,
ging dabei auch verloren.
"Wenn Sie als Unternehmer geboren werden, ein Leben
lang aktiv waren, dann können Sie nicht
einfach aufhören." Ließ Willy Korf
gegenüber Reportern verlauten und begann von
vorn, mit neuen Verfahren und neuen Firmen. Die
vier Geschäftsfelder Stahlproduktion,
Stahlhandel, Transport und Technologie wurden
erneut von ihm besetzt und führten dazu, dass
er fünf Jahre nach dem wirtschaftlichen
Zusammenruch seines Konzerns mit 3500 Mitarbeitern
bereits wieder einen Jahresumsatz von rund 500
Millionen DM tätigte.
Rein spekulativ ist, ob es Willy Korf gelungen
wäre, seinem Firmenverbund eine solide
finanzielle Basis zu erarbeiten, wenn er nicht am
21. November 1990 bei einem Flugzeugunglück in
der Nähe Innsbrucks ums Leben gekommen
wäre. So wurde nach seinem Tod die
nächste Firmenauflösungsmaschinerie in
Gang gesetzt. Die visionäre
Unternehmerpersönlichkeit Willy Korf fand ihre
letzte Ruhestätte auf dem Baden-Badener
Hauptfriedhof. Der Manager des Jahres 1973 ist in
Baden-Baden und Deutschland eher vergessen als in
den USA und anderen Staaten.
In New York werden alljährlich zum Gedenken an
den "badischen Stahlbaron" zwei Preise an
fähige Köpfe in der Stahlbranche
überreicht: der Willy Korf Steel Vision Award
und der Korf Award for Young Excellence.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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