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Karl Friedrich von Baden
(1728-1811)
Am 22. November 1728 wurde Karl
Friedrich von Baden in Karlsruhe geboren. Sein
Großvater Karl Wilhelm (1679-1738) hatte dort
ein Lustschloss errichten lassen und hatte, nachdem
sich in der Nähe des Schlosses eine Stadt zu
entwickeln begann, Karlsruhe zur Residenzstadt der
Markgrafschaft Baden-Durlach werden lassen.
Karl Friedrich von Badens Vater war 1732 gestorben,
so dass der Vierjährige designierter
Nachfolger seines Großvaters wurde. Bei
dessen Tod im Jahr 1738 war Karl Friedrich von
Baden noch nicht einmal zehn Jahre alt.
Mit 18 Jahren übernahm der junge Markgraf die
Amtsgeschäfte und regierte ein kleines,
gebietsmäßig zersplittertes Land mit
90000 Einwohnern, die sich nach der Vollendung
ihres 14. Lebensjahres per Schwur zum unbedingten
Gehorsam gegenüber ihrem absoluten
Landesfürsten verpflichten mussten. Sie hatten
Frondienste jeder Art zu leisten, sei es
beispielsweise bei der Feldarbeit, dem
Straßenbau oder beim Bau neuer
Schlösser. Mit einem solchen Leben, das durch
Missernten und Hungersnöte noch beschwerlicher
wurde, waren viele der Leibeigenen nicht zufrieden
und suchten ihr Heil im Auswandern nach Amerika
oder nach Osteuropa. Sie gehörten zu einer
gewaltigen Menge von mehr als einer halben Million
Menschen, die im 18. Jahrhundert den deutschen
Südwesten verließen.
Markgraf Karl Friedrich missfiel diese Entwicklung
ebenso wie seinen Fürstenkollegen, nur sann er
über eine liberale Lösung dieses Problems
nach. Eine ganze Reihe verdienstvoller Ratgeber
unterstützte ihn ebenso wie seine Gemahlin
Karoline Luise. Letztere hatte maßgeblichen
Anteil daran, dass die kleine Residenzstadt
Karlsruhe zum Anziehungspunkt für
Geistesgrößen jener Zeit wie Voltaire,
Herder und Goethe wurde.
Markgraf Karl Friedrich war durchaus bestrebt, die
Lebensverhältnisse seiner Untertanen zu
verbessern. So folgte er 1767 dem Vorbild
Preußens und schaffte die Folter ab. Er trug
sich sogar mit dem Gedanken, die Todesstrafe
aufzuheben, was von den übrigen deutschen
Fürsten keineswegs gutgeheißen
wurde.
Der umsichtige Regent Baden-Durlachs, der sein
kleines Land schuldenfrei gehalten hatte, musste
sich von 1771 an der herunter gewirtschaftete
Markgrafschaft Baden-Baden annehmen, die ihm per
Erbvertrag zugefallen war. Die Entwicklung der
wieder vereinigten Markgrafschaft Baden zum
"Musterländle" nahm ihren Anfang.
Zwölf Jahre später erließ Markgraf
Karl Friedrich eine Verfügung, die im ganzen
deutschen Reich für Aufsehen sorgte. Er hob
die Leibeigenschaft auf und gestattete seinen
Untertanen die Freizügigkeit. Seine Gemahlin
Karoline Luise erlebte die Freudenfeiern und
Dankgottesdienste nicht mehr, da sie am 8. April
1783 verstorben war.
1787 ging Markgraf Karl Friedrich eine
morganatische Ehe mit Luise Karoline Geyer von
Geyersberg
ein.
Was die politische Rolle Badens in Europa anging,
so versuchte Markgraf Karl Friedrich, einen
neutralen Status einzunehmen, was ihm bis zur
Jahrhundertwende auch ziemlich gut gelungen war,
bis Napoléon, damaliger Erste Konsul
Frankreichs, im badischen Markgrafen einen idealen
Verbündeten ausmachte, der Markgrafschaft
Zuwachs an Land bescherte und so dafür sorgte,
dass der Regensburger Reichstag im Jahr 1803 Karl
Friedrich zum Kurfürsten erhob. Badische
Soldaten mussten dafür Napoléon in
dessen Feldzügen folgen. Die
Unterstützung dankte der inzwischen zum
französischen Kaiser aufgestiegene
Napoléon durch die Rangerhöhung des
badischen Kurfürsten zum Großherzog.
Letzteres gab den Ausschlag dazu, dass sich
Großherzog Karl Friedrich in seinen letzten
Lebensjahren mit dem Ausbau seiner Residenzstadt
befasste. "Es gilt die hölzerne Stadt in eine
steinerne umzuwandeln." Dieser Aufgabe stellte sich
der badische Baumeister Friedrich
Weinbrenner.
Großherzog Karl Friedrich konnte das Werden
der Fächerstadt noch miterleben. Am 10. Juni
1811 starb der hoch betagte Landesfürst, der
in 65 Regierungsjahren aus einer kleinen, relativ
unbedeutenden Markgrafschaft ein
Großherzogtum, vom Bodensee bis Mannheim
reichend, mit einer Million Einwohnern geschaffen
hat.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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