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Jakobe von Baden-Baden
(1558-1597)
Das ungewöhnliche Leben in einer
ungewöhnlichen Zeit und einer
ungewöhnlichen Familie begann für Jakobe
von Baden-Baden am 16. Januar 1558 mitten in den
Wirren von Reformation und Gegenreformation des
abendländischen Christentums.
Ihr Großvater väterlicherseits war
Bernhard III. von Baden, der im Jahr 1535 mit
seinem Bruder Ernst die Teilung der Markgrafschaft
in Baden-Baden und Baden-Durlach vollzogen hatte.
Ihr Großvater mütterlicherseits war
Wilhelm IV von Bayern.
Jakobes Vater Philibert war noch ein Säugling,
und zwar ein lutherisch getauftes Kind, als sein
Vater im Jahr 1536 starb. Einer seiner
Vormünder wurde Wilhelm IV. von Bayern, dessen
streng katholisch erzogene Tochter Mechthild
später Philiberts Frau und Jakobes Mutter
wurde. Jakobe erlebte im Kindesalter eine Familie,
die in ihrer Religionsausübung sehr
unterschiedlich war. Der Vater, welcher der
evangelischen Lehre sein ganzes Leben lang treu
geblieben ist, besuchte mit seiner Mutter den
evangelischen Gottesdienst in der Spitalkirche und
ging mit seiner Frau zur katholischen Messe in die
Stiftskirche.
Jakobe war knapp 12 Jahre alt, als ihr Vater mit 33
Jahren im Jahr 1569 starb. Sie und ihr ein Jahr
jüngerer Bruder Philipp, der als Philipp II., ab 1571, die Herrschaft in der
Residenzstadt Baden übernehmen sollte,
gerieten mehr und mehr unter den Einfluss der
streng katholischen Familie der Mutter.
Jakobe wuchs, wie geschrieben wurde, zu einer
lebenslustigen schönen jungen Frau heran, die
schon längst im heiratsfähigen Alter war,
als sie von ihrer bayerischen Verwandtschaft mit
Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg
(1562-1609) verheiratet wurde, wobei ihr
wohlweislich verschwiegen worden war, dass ihr
künftiger Ehemann an einer ererbten
Geisteskrankheit litt. Die bayerischen
Wittelsbacher beabsichtigten mit dieser Heirat, den
Katholizismus im Düsseldorfer Raum zu
stützen und zu stärken.
Am 16 Juni 1585 wurde eine zehn Tage dauernde
prunkvolle Hochzeit gefeiert, die großes
Aufsehen erregte. Der darauf folgende Alttag des
Paares war sowohl bestimmt von der Krankheit Johann
Wilhelms, der reizbar und misstrauisch war und
unter Verfolgungswahn litt, als auch von der
Regierungsunfähigkeit seines ebenfalls
geisteskranken Vaters Wilhelm. In den Anfangsjahren
ihrer Ehe versuchten Johann Wilhelm und Jakobe noch
gemeinsam, die Regierungsgeschäfte an sich zu
ziehen, um klare Verhältnisse am
Düsseldorfer Hof zu schaffen. Als sich Johann
Wilhelms Geisteszustand Ende der 80er Jahre immer
weiter verschlechterte und er für sich und
andere eine Bedrohung zu werden begann, wurde er
weg gesperrt. Die Düsseldorfer Räte
regierten nach eigenem Gutdünken, bis nach dem
Tod Herzog Wilhelms im Jahr 1592 Jakobe versuchte,
die Regierung bei Hof und im Land zu
übernehmen, möglicherweise um endlich
einmal ein Leben ohne Fremdbestimmung führen
zu können.
Diesem Vorhaben widersetzte sich vor allem die
Verwandtschaft Johann Wilhelms, des neuen,
ebenfalls regierungsunfähigen, Herrschers,
allen voran seine jüngste Schwester Sybille,
mit übelstem Intrigenspiel, dass darin
gipfelte, Kaiser Rudolf II. (1576-1612) eine
Klageschrift gegen Jakobe mit Mutmaßungen und
Verleumdungen zu überreichen. Aufgrund dessen
wurde Jakobe 1595 in Untersuchungshaft genommen.
Dort blieb sie bis zu ihrem gewaltsamen Tod in der
Nacht vom 2. auf den 3. September 1597. Die
39jährige Landesfürstin war erdrosselt
worden. Motiv und Tathergang dieses
Kapitalverbrechens sind nie geklärt worden;
verdächtig bleiben der geisteskranke Ehemann
und dessen intrigante Schwester.
Die tote Jakobe soll seitdem als "weiße Frau"
durch das Düsseldorfer Schloss gewandert sein
und nach dessen Zerstörung im Jahr 1872 im
erhalten gebliebenen Schlossturm bis heute noch
spuken. (Von Rika Wettstein, Baden-Baden)
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