Hotel Sonnenhof

Das Haus Sonnenplatz 1 repräsentiert mit seinem bemerkenswerten Erscheinungsbild die wechselhafte Geschichte der Kur- und Bäderstadt. Ursprünglich befanden sich an dessen Stelle zwei kleine Häuser, die als Wohnhäuser mit kleinen Geschäften im Erdgeschoss genutzt wurden. Sie befanden sich gegenüber der Badeherberge "zur Sonne" innerhalb der bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestehenden Stadtmauer.

Den Sonnenplatz gab es zu jener Zeit noch nicht. Vier alte Häuser zeugten an seiner Stelle noch bis zum Jahr 1850 von den beengten Verhältnissen innerhalb der Stadtmauer. Sie wurden abgerissen, um eine großzügige Verbindung zwischen der Jahrhunderte alten Gernsbacher Straße und der neu angelegten Sophienstraße zu schaffen. Der Sonnenplatz war entstanden.

Das Abrissschicksal ereilte auch die beiden Häuser, welche der Buchbindermeister Josef Wagner 1869 und 1873 erstanden hatte, als die beiden Architekten und Baumeister Adolf und Heinrich Vetter 1899 die Wagnerschen Gebäude übernahmen. In neugotischem Stil wurde ein fünfgeschossiges Eckgebäude nach den Plänen der Besitzer errichtet. Seine Adresse Sonnenplatz 1 wurde eigens neu geschaffen.

Ehemaliges Hotel Sonnenhof mit Sonnenuhr

Das darin geplante Hotel sollte den Namen "Sonnenhof" erhalten. 1901 wurde es eröffnet. 20 Fremdenzimmer mit 30 Betten und ein bestens ausgestattetes Restaurant für 100 Personen hätten ein besonderer Anziehungspunkt in diesem Teil der Stadt werden können, hätten die Besitzer einen geschäftstüchtigen Fachmann als Hoteldirektor einsetzen können. Ein solcher hätte auch dem "Schönheitsfehler" des nagelneuen Hauses, nicht über Grün- und Freiflächen zu verfügen, wirkungsvoll entgegentreten können.

Realität wurde eine erfolgreiche Führung des Hotels "Sonnenhof" nicht, weswegen es nach sechs Jahren geschlossen wurde. Die folgende Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus dauerte bis zum Frühjahr 1919. Der Gastwirt Theodor Köhler kaufte damals das Haus und Auguste Stern, die in der Rettigstraße das Hotel "Tannhäuser" betrieb, verlagerte dieses in das Haus ihres späteren Ehemanns.

Im Reiseführer Baden-Baden und Umgebung des Grieben-Verlages von 1929 ist das Hotel "Tannhäuser" als eines der beiden israelitischen Hotels der Stadt aufgeführt. Ganzjährig geöffnet war es und bot in 30 Betten Übernachtungsmöglichkeiten für "4 ½ - 6 ½ M", zudem Frühstück, Mittag- und Abendessen. Restaurant, Café, Bäder, Zimmer mit Bad, fließendes Wasser, Zentralheizung und Personenaufzug standen den Gästen zur Verfügung. Ungewöhnlich viele jüdische Gäste konnte das Hotelierspaar bis 1938 begrüßen. Nach dem
10. November 1938 war es für Theodor und Auguste Köhler-Stern zu spät, ihrer Tochter nach Palästina zu folgen, wohin diese bereits 1935 ausgewandert war. Das Ehepaar wurde zuerst nach Gurs gebracht und später in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.

Das Hotel "Köhler-Stern", wie das Hotel in seiner Endphase genannt worden war, hatte seine Pforten geschlossen. Das Gebäude wurde im März 1939 vom Fischhändler Rudolf Höfele gekauft, der dort bis zum Jahr 1987 sein renommiertes Fachgeschäft für Fisch, Wild und Geflügel betrieb. Das gerade einmal 100 Jahre alte Haus mit der bewegten Vergangenheit wurde und wird weiter als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.

Von Rika Wettstein Baden-Baden

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