Bad-Hotel zum Hirsch

Jedem Einheimischen und Besucher dürfte das kunstvoll geschmiedete Schild, das hoch über der Hirschstraße, die zu Marktplatz und Stiftskirche führt, hängt und auf die älteste Fremdenherberge der Stadt hinweist, bekannt sein. Mehr als 200 Jahre war das Gasthaus im Besitz eines Familienverbandes und wurde zu einem der führenden Häuser der Bäder- und Kurstadt ausgebaut.

Seine Entstehung bleibt wegen der Vernichtung wichtiger Dokumente während des
großen Stadtbrandes im Jahr 1689 der Vermutung überlassen. Während des Stadtbrandes bestand das Haus bereits und befand sich direkt am nach Westen aus der Stadt führenden Ooser Tor. Die Konkurrenzbetriebe der damaligen Zeit, das "Baldreit" und der "Salmen", die wie der "Hirsch" auch einigermaßen unbeschadet den Stadtbrand überstanden haben, bestehen beide nicht mehr. Demnach kann das "Bad-Hotel zum Hirsch" tatsächlich für sich den Anspruch, das älteste Hotel der Stadt zu sein, erheben.

Zur Badeherberge wurde der "Hirsch" bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als Johann Michael Gradt von Markgraf Ludwig Georg Badekästen mit Thermalwasser im Erblehen, gegen einen Jahreszins zum Dauergebrauch, zugestanden bekam.

1811 bot das "Bad-Hotel zum Hirsch" 48 Zimmer und 47 Badekästen zur Nutzung an und war damit zu einer der ersten Adressen in der Stadt geworden, die vielen Gästen, worunter sich auch der italienische Meistergeiger
Niccolò Paganini befand, eine komfortable Unterkunft boten.

1834 erhielt das Hotel eine Dependance auf der anderen Straßenseite, während das Haupthaus dem herrschenden Zeitgeist entsprechend im französischen Stil umgebaut wurde und die nächsten Jahrzehnte als "Hôtel et Bains du Cerf" geführt wurde.

Badhotel zum Hirsch um  1880

Der Familie Peter, welche die Hotelanlage im Jahr 1880 übernommen hatte, waren weitere Verbesserungen und Um- und Ausbauten des Hotels ein großes Anliegen, obwohl Baden-Badens große Zeit als "Sommerhauptstadt Europas" der Vergangenheit angehörte. Im Jahr 1932 wurde der Verbindungsbau zwischen Hotel und Dependance, der dem Gesamtkomplex sein markantes Erscheinungsbild verleiht, verwirklicht.

Bis zum Jahresende 2005 gehörte das geschichtsträchtige Haus neben dem "
Badhotel Badischer Hof" und dem "Hotel Europäischer Hof" zum Steigenberger Hotel-Konzern. Erworben wurde es von einheimischen Geschäftsleuten, zu deren innerstädtischem Immobilienbestand auch das "Hotel Atlantic" gehört.

Im August 2006 wurde das Anwesen an die russische Hotelgruppe Heliopark verkauft, die das traditionsreiche Haus nach umfangreicher Sanierung im Frühjahr 2008 als Vier-Sterne-Hotel mit 70 Betten, Wellness-Bereich und Restaurant wieder eröffnete.

Von Rika Wettstein Baden-Baden

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