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Erklärung vom 5. April
1946
Ich, Rudolf Franz Ferdinand Höß, sage
nach vorhergehender rechtmäßiger
Vereidigung aus und erkläre wie folgt:
Ich bin sechsundvierzig Jahre alt und Mitglied der
NSDAP seit 1922, Mitglied der SS seit 1934;
Mitglied der Waffen-SS seit 1939. Ich war Mitglied
ab 1. Dezember 1934 des SS-Wachverbandes, des
sogenannten Totenkopfverbandes.
Seit 1934 hatte ich unausgesetzt in der Verwaltung
von Konzentrationslagern zu tun und tat Dienst in
Dachau bis 1938; dann als Adjutant in Sachsenhausen
von 1938 bis zum 1. Mai 1940, zu welcher Zeit ich
zum Kommandanten von Auschwitz ernannt wurde.
Ich befehligte Auschwitz bis zum 1. Dezember 1943
und schätze, dass mindestens 2500000 Opfer
dort durch Vergasung und Verbrennen hingerichtet
und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere
halbe Million starben durch Hunger und Krankheit,
was eine Gesamtzahl von ungefähr 3000000 Toten
ausmacht. Diese Zahl stellt ungefähr 70 oder
80 Prozent aller Personen dar, die als Gefangene
nach Auschwitz geschickt wurden; die übrigen
wurden ausgesucht und für Sklavenarbeit in den
Industrien des Konzentrationslagers verwendet.
Unter den hingerichteten und verbrannten Personen
befanden sich ungefähr 20000 russische
Kriegsgefangene (die früher von der Gestapo
aus den Gefängnissen der Kriegsgefangenen
ausgesondert waren); diese wurden in Auschwitz den
Wehrmacht-Transporten, die von regulären
Offizieren und Mannschaften der Wehrmacht befehligt
wurden, ausgeliefert. Der Rest der Gesamtzahl der
Opfer umfasste ungefähr 100.000 deutsche Juden
und eine große Anzahl von Einwohnern,
meistens Juden, aus Holland, Frankreich, Belgien,
Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Griechenland oder
anderen Ländern.
Ungefähr 400000 ungarische Juden wurden allein
in Auschwitz im Sommer 1944 von uns hingerichtet.
Massenhinrichtungen durch Vergasung
begannen im Laufe des Sommers 1941 und dauerten bis
zum Herbst 1944. Ich beaufsichtigte persönlich
die Hinrichtungen in Auschwitz bis zum 1. Dezember
1943. [...]
Alle Massenhinrichtungen durch Vergasung fanden
unter dem direkten Befehl unter der Aufsicht und
Verantwortlichkeit der RSHA statt. Ich erhielt
unmittelbar von der RSHA alle Befehle zur
Ausführung dieser Massenhinrichtungen.
Die "Endlösung" der jüdischen Frage
bedeutete die vollständige Ausrottung aller
Juden in Europa. Ich hatte den Befehl,
Ausrottungserleichterungen in Auschwitz im Juni
1942 zu schaffen. Zu jener Zeit bestanden schon
drei weitere Vernichtungslager im
Generalgouvernement: Belzec, Treblinka und
Wolzek.
Diese Lager befanden sich unter dem Einsatzkommando
der Sicherheitspolizei und des SD. Ich besuchte
Treblinka, um festzustellen, wie die Vernichtungen
ausgeführt wurden. Der Lagerkommandant von
Treblinka sagte mir, dass er im Laufe eines halben
Jahres 80000 liquidiert hätte. Er hatte
hauptsächlich mit der Liquidierung aller Juden
aus dem Warschauer Ghetto zu tun. Er wandte
Monoxid-Gas an, und nach seiner Ansicht war seine
Methode nicht sehr wirksam. Als ich das
Vernichtungsgebäude in Auschwitz errichtete,
gebrauchte ich also Zyklon B, eine kristallisierte
Blausäure, die wir in die Todeskammer durch
eine kleine Öffnung einwarfen. Es dauerte 3
bis 15 Minuten, je nach den klimatischen
Verhältnissen, um die Menschen in der
Todeskammer zu töten. Wir wussten, wenn die
Menschen tot waren, weil ihr Kreischen
aufhörte. Wir warteten gewöhnlich eine
halbe Stunde, bevor wir die Türen
öffneten und die Leichen entfernten. Nachdem
die Leichen fortgebracht waren, nahmen unsere
Sonderkommandos die Ringe ab und zogen das Gold aus
den Zähnen der Körper.
Eine andere Verbesserung gegenüber Treblinka
war, dass wir Gaskammern bauten, die 2000 Menschen
auf einmal fassen konnte, während die 10
Gaskammern in Treblinka nur je 200 Menschen
fassten. Die Art und Weise, wie wir unsere Opfer
auswählten, war folgendermaßen: zwei
SS-Ärzte waren in Auschwitz tätig, um die
einlaufenden Gefangenentransporte zu untersuchen.
Die Gefangenen mussten bei einem der Ärzte
vorbeigehen, der bei ihrem Vorbeimarsch durch
Zeichen die Entscheidung fällte. Diejenigen,
die zur Arbeit taugten, wurden ins Lager
geschickt.
Andere wurden sofort in die Vernichtungsanlagen
geschickt. Kinder im zarten Alter wurden
unterschiedslos vernichtet, da auf Grund ihrer
Jugend sie unfähig waren, zu arbeiten. Noch
eine andere Verbesserung, die wir gegenüber
Treblinka machten, war diejenige, dass in Treblinka
die Opfer fast immer wussten, dass sie vernichtet
werden sollten, während in Auschwitz wir uns
bemühten, die Opfer zum Narren zu halten,
indem sie glaubten, dass sie ein
Entlausungsverfahren durchzumachen hätten.
Natürlich erkannten sie auch häufig
unsere wahren Absichten und wir hatten deswegen
manchmal Aufruhr und Schwierigkeiten. Sehr
häufig wollten Frauen ihre Kinder unter den
Kleidern verbergen, aber wenn wir sie fanden,
wurden die Kinder natürlich zur Vernichtung
hineingesandt. Wir sollten diese Vernichtungen im
Geheimen ausführen, aber der faule und
Übelkeit erregende Gestank, der von der
ununterbrochenen Körperverbrennung ausging,
durchdrang die ganze Gegend, und alle Leute, die in
den umliegenden Gemeinden lebten, wussten, dass in
Auschwitz Vernichtungen im Gange waren.
Die obrigen Angaben sind wahr; diese Erklärung
gab ich freiwillig und ohne Zwang ab. Nach
Durchlesen der Angaben habe ich dieselben
unterzeichnet und vollzogen in Nürnberg,
Deutschland, am fünften Tage des April
1946.
Rudolf Franz Ferdinand Höß

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