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Gerhart Hauptmann
(1862-1946)
Der deutsche
Dichterfürst der wilhelminischen und
nachwilhelminischen Zeit wurde am 15. November 1862
als Gastwirtssohn in Obersalzbrunn in Schlesien
geboren. Nach dem Besuch der Realschule in Breslau
begann Gerhart Hauptmann eine landwirtschaftliche
Ausbildung und kehrte 1880 für zwei Jahre nach
Breslau zurück, um sich an der
Königlichen Kunst- und Gewerbeschule zum
Bildhauer ausbilden zu lassen. Bevor er 1883 zu
Reisen nach Spanien, der Schweiz und Italien
aufbrach, besuchte es in Jena
naturwissenschaftliche und philosophische
Vorlesungen.
Mit 22 Jahren wollte Gerhart Hauptmann als
Bildhauer in Rom sesshaft werden. Nach dem
Misslingen dieses Plans lebte er 1884 in Dresden
und nahm Zeichenunterricht an der Königlichen
Akademie.
Nach seiner Heirat mit der
Großkaufmannstochter Marie Thienemann war
Erkner bei Berlin der nächste Wohnort Gerhart
Hauptmanns. Dort traf er auf Schriftsteller, die
der Literatur, die in historisierendem,
romantisierendem und klassizistischem Nachahmertum
festgefahren war, Wahrheit, Ernst und
Größe wiedergeben und sie in den realen
Bezug zur Gegenwart mit ihrer Spannung zwischen
Proletariat und materiell wohl ausgestattetem
Bürgertum bringen wollten, und die damit die
kurze Phase des Naturalismus begründeten.
Gerhart Hauptmann veröffentlichte 1888 seine
erste Novelle "Bahnwärter Thiel" und brachte
1889 nach der Gründung des Vereins "Freie
Bühne" sein sozialkritisches Drama "Vor
Sonnenaufgang" zur Uraufführung. Weitere Werke
mit z.B. schonungsloser Beschreibung der
gesellschaftlichen Zustände wie "Die Weber"
oder mit visionären Zügen wie "Hanneles
Himmelfahrt" folgten.
Nach der Trennung von seiner ersten Frau und der
Übersiedlung nach Agnetendorf im Riesengebirge
heiratete Gerhart Hauptmann 1904 Margarete
Marschalk und lebte mit seiner Familie abwechselnd
in Agnetendorf, Berlin, auf der Insel Hiddensee und
in Italien.
Von 1909 bis 1939 zählte Gerhart Hauptmann zu
den treuesten Gästen der Baden-Badener
Hoteliersfamilie
Brenner. Der
Literaturnobelpreisträger des Jahres 1912
engagierte sich mehrfach in städtischen
Kulturangelegenheiten. So übernahm er
beispielsweise den Vorsitz des Vereins "Deutsches
Symphoniehaus", dessen Bestreben es gewesen war,
ein Festspielhaus in Baden-Baden zu bauen, was
seinerzeit jedoch nicht verwirklicht wurde.
Bis ins hohe Alter schrieb Gerhart Hauptmann Dramen
und Erzählungen mit unterschiedlichen Inhalten
und Ausdrucksformen, von denen etliche verfilmt
wurden. Neben dem Literaturnobelpreis erhielt er
eine Reihe weiterer Auszeichnungen. Sein 80.
Geburtstag wurde in Breslau und Wien mit
zahlreichen Festaufführungen begangen.
Als Gehart Hauptmann am 6 Juni 1946 in Agnetendorf
starb, hinterließ er ein beachtenswertes
Gesamtwerk von unterschiedlicher dichterischer
Qualität.
Schon sechs Jahre nach dem Tode des Dichters fanden
sich Angehörige und Freunde des großen
Schlesiers sowie Prominenz aus Kultur und
Wissenschaft zusammen, um am 6. Juli 1952 in
Baden-Baden die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft zu
gründen. Der erste Vorsitzende wurde der
Schriftsteller Carl Haensel.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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