Baden-Baden - der ultimative Stadtfüherer

Baden-Baden News

Baden-Baden Facts

Inhalt

Stadtrundgang

Stadtplan

Ämter A-Z

Anreise

Geschichte

Kunst/Kultur/Museen

Sehenswürdigkeiten

Festspielhaus

Theater

Casino

Thermen

Hotels buchen

Events

Sport/Freizeit

Restaurants

Cafés/Bars

Shopping

Buch-Shop

Stadtteile

Umgebung

Elsass

Awards

Links

Archiv

Ihre Werbung bei uns

Kontakt

Impressum



Gleich bestellen

In tausend Teufels Namen. Hexenwahn am Oberrhein von Ingeborg Hecht
102 Seiten mit 15 Abb., Rombach Verlag
Rezension lesen
Bestellen



Gleich bestellen

"Verbrennt sie, die Hexen!"
von Jürgen Buchholz
Ein historischer Roman, 200 Seiten, gebunden, Verlag Ernst Kaufmann
Rezension lesen
Bestellen



Gleich bestellen

Die Hexe von Freiburg
Ein historischer Roman von Astrid Fritz
441 Seiten, Taschenbuch, Rowohlt Verlag
Rezension lesen
Bestellen


Hexenverfolgung in Baden


"...bis zum 18. Jahrhundert fallen über eine Million Frauen der Hexenverfolgung zum Opfer." (Knaurs Großer Religionsführer)

Diese dürren Worte fassen das Geschehen und das Ergebnis eines grausamen Kapitels in der Geschichte des so genannten christlichen Abendlandes, dem mehrheitlich Frauen zum Opfer fielen, zusammen.

Der Umbruch der geistigen, religiösen und politischen Verhältnisse im 13. Jahrhundert, mit beispielsweise der Forderung zur Rückkehr zum reinen Evangelium, der Beschäftigung mit den Gedanken des großen griechischen Philosophen Aristoteles und einer radikalen Armutsbewegung, bereitete den Menschen eine große Unsicherheit, die vielfach in der Vorstellung endete, die Teufelsherrschaft sei ausgebrochen und führe zum Ende der Welt.

Um Kritiker am bestehenden katholischen Kirchensystem ausfindig zu machen und auszuschalten, hatte Papst Gregor IX. 1231 die päpstliche Inquisition geschaffen. 1252 wurde unter Papst Innozenz IV. die Folter eingeführt.

Die vornehmlich von den Mönchen der Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner betriebene Inquisition gegen Ketzer und Abtrünnige der herrschenden christlichen Lehre wurde in Deutschland kaum durchgeführt. Sie gewann allerdings mit dem aufkommenden Hexenwahn eine neue Bedeutung.

Der Dominikaner Heinrich Sprenger, der seit 1470 als Inquisitor tätig gewesen war, hatte einem weiteren Dominikaner, Heinrich Institoris (Krämer), gestattet, als Mitautor des 1487 in Straßburg erschienenen "Der Hexenhammer" genannt zu werden. Dieser Hexenhammer, den Heinrich Institoris nach einem Hexenprozess in Innsbruck 1485, bei dem ihm trotz päpstlicher Erlaubnis kein großer Einfluss eingeräumt worden war, verfasst hat, wurde für Jahrhunderte zum Strafkodex der Gerichtspraxis in Mitteleuropa. In ihm wird u.a. der endlose Gebrauch der Folter an Frauen befürwortet. Bis zum Jahr 1669 wurde dieses Machwerk 29mal aufgelegt.

Hexenhammer


Der im Christentum entwickelte Glaube an einen Pakt mit dem Teufel machte aus einem "Hexenverbrechen", wie z. B. Giftmischerei, Liebeszauber, Wetterbeeinflussung und Teufelsbuhlschaft, zugleich Ketzerei, womit das Delikt des hexerischen Teufelspaktes geschaffen war, was jeder Art persönlichen Missbrauchs und Widerlichkeit in der Vernehmungspraxis Tür und Tor öffnete. Aus geringstem Anlass konnten Massenhysterien entstehen, die von niemandem bekämpft wurden und letztendlich in wahren Blutbädern und Verbrennungsorgien endeten.

Die Hexenprozesse wurden zu Strafverfahren gemischter Zuständigkeit kirchlicher und weltlicher Gewalten. Die örtlichen Gerichtsbarkeiten waren das weltliche Vollzugsorgan, während die kirchlich beeinflussten juristischen Fakultäten die jeweiligen Rechtsgutachten erstellten.

Missernten, Seuchen und Epidemien wurden vielfach den als Hexen gebrandmarkten Menschen zugeschrieben und arteten teilweise in wahre Verfolgungswellen aus.

Auch in der Markgrafschaft Baden, die 1535 in die beiden Teile Baden-Durlach und Baden-Baden getrennt worden war, ging die Hexenverfolgung nicht spurlos vorüber.

Im Baden-Durlacher Teil fand 1552 im Amt Pforzheim der erste Hexenprozess und 1669 der letzte in der Herrschaft Hachberg statt. Insgesamt waren 10 Frauen angeklagt worden. Sieben davon wurden hingerichtet. Die Markgrafen von Baden-Durlach wurden von Juristen der Universität Tübingen beraten, die keineswegs der Meinung waren, dass jede beliebige Anschuldigung den sofortigen Einsatz der Folter zur Erzwingung eines Geständnisses zur Folge haben muss, was erklären mag, dass nicht alle 10 Beschuldigten ermordet wurden.

Wesentlich mehr Opfer waren im Baden-Badener Teil der Markgrafschaft zu beklagen. Dieser Teil, der unter Markgraf Philibert eine sehr liberale Regierung erfahren hatte, gelangte nach dessen Tod im Jahr 1569 unter den Einfluss der streng katholischen Bayern, welche die Vormundschaft über dessen 10jährigen Sohn Philipp übernommen hatten. Noch bevor dieser als
Markgraf Philipp II. im Jahr 1571 an die Regierung kam, fanden Hexenprozesse statt, die ihren Ausgangspunkt in der Verurteilung und Verbrennung einer armen alten Frau hatten, welche während ihres Prozesses andere Frauen beschuldigt hatte, mit ihr "Hexenwerk" betrieben zu haben.

Philipp II. unterband die Hexenverfolgung keineswegs, sondern ließ in den Jahren 1573 bis 1577 zahlreiche Hexenprozesse zu, wobei allerdings eine starke Kontrolle des Verfahrensablaufes durchgeführt wurde, die Willkürakte einzelner Verfahrensführer weitgehend verhinderte. Dennoch wurden mehr als zwei Dutzend Frauen angeklagt und verbrannt. Eine letzte Hexenverfolgung unter Philipp II. gab es 1580. Sie kostete 18 Frauen in den Ämtern Rastatt, Baden-Baden und Kuppenheim das Leben.

Die schlimmste Hexenverfolgung im Baden-Badener Teil der Markgrafschaft erfolgte unter Markgraf Wilhelm zwischen 1626 und 1631, mitten im Dreißigjährigen Krieg. 244 Personen, davon mehr als drei Viertel Frauen, aus den Ämtern Rastatt, Baden-Baden, Steinbach und Bühl wurden der Hexerei angeklagt. 231 wurden verurteilt und hingerichtet.

Der Einmarsch schwedischer Truppen in die Markgrafschaft im Januar 1632 setzte den Hexenprozessen ein vorläufiges Ende.

1642 bis 1644 wurden im Amt Gernsbach nochmals Prozesse gegen fünf Frauen geführt, die jedoch keine Hinrichtung zur Folge hatten, was sicherlich dem Einfluss der protestantischen Grafen von Eberstein, die in Gernsbach mit regierten, zuzuschreiben ist.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden

Quelle: Corinna Schneider: Die Hexenverfolgung in den badischen Markgrafschaften, (unveröffentliche Magisterarbeit).

Nachsatz:
Verschiedene Forscher, die sich mit der Hexenverfolgung intensiv beschäftigt haben, sind zu dem Schluss gekommen, die Zahl der Opfer bewege sich in einem Bereich von weniger als 100 000. Knaurs Großer Religionsführer, Neuauflage 1990, wartet somit wohl mit einer deutlich überhöhten Zahl auf. Ein grausames Kapitel der Geschichte Mitteleuropas und speziell Deutschlands bleibt die Zeit der Hexenverfolgung - unabhängig von der wohl nie genau feststellbaren Anzahl der Opfer.


Lesen Sie auch:
Anton Praetorius - ein badischer Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter
Abschaffung der Folter in der Markgrafschaft Baden-Durlach


 

© by WAEPART, Baden-Baden/Germany. All Rights Reserved.

   Google Custom Search