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In tausend Teufels Namen. Hexenwahn am Oberrhein
von Ingeborg Hecht
102 Seiten mit 15 Abb., Rombach Verlag
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"Verbrennt sie, die Hexen!"
von Jürgen Buchholz
Ein historischer Roman, 200 Seiten, gebunden,
Verlag Ernst Kaufmann
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Die Hexe von Freiburg
Ein historischer Roman von Astrid Fritz
441 Seiten, Taschenbuch, Rowohlt Verlag
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"...bis zum 18. Jahrhundert fallen
über eine Million Frauen der Hexenverfolgung
zum Opfer." (Knaurs Großer
Religionsführer)
Diese dürren Worte fassen das Geschehen und
das Ergebnis eines grausamen Kapitels in der
Geschichte des so genannten christlichen
Abendlandes, dem mehrheitlich Frauen zum Opfer
fielen, zusammen.
Der Umbruch der geistigen, religiösen und
politischen Verhältnisse im 13. Jahrhundert,
mit beispielsweise der Forderung zur Rückkehr
zum reinen Evangelium, der Beschäftigung mit
den Gedanken des großen griechischen
Philosophen Aristoteles und einer radikalen
Armutsbewegung, bereitete den Menschen eine
große Unsicherheit, die vielfach in der
Vorstellung endete, die Teufelsherrschaft sei
ausgebrochen und führe zum Ende der Welt.
Um Kritiker am bestehenden katholischen
Kirchensystem ausfindig zu machen und
auszuschalten, hatte Papst Gregor IX. 1231 die
päpstliche Inquisition geschaffen. 1252 wurde
unter Papst Innozenz IV. die Folter
eingeführt.
Die vornehmlich von den Mönchen der
Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner
betriebene Inquisition gegen Ketzer und
Abtrünnige der herrschenden christlichen Lehre
wurde in Deutschland kaum durchgeführt. Sie
gewann allerdings mit dem aufkommenden Hexenwahn
eine neue Bedeutung.
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Der Dominikaner Heinrich
Sprenger, der seit 1470 als Inquisitor
tätig gewesen war, hatte einem
weiteren Dominikaner, Heinrich Institoris
(Krämer), gestattet, als Mitautor des
1487 in Straßburg erschienenen
"Der
Hexenhammer" genannt zu werden.
Dieser Hexenhammer, den Heinrich
Institoris nach einem Hexenprozess in
Innsbruck 1485, bei dem ihm trotz
päpstlicher Erlaubnis kein
großer Einfluss eingeräumt
worden war, verfasst hat, wurde für
Jahrhunderte zum Strafkodex der
Gerichtspraxis in Mitteleuropa. In ihm
wird u.a. der endlose Gebrauch der Folter
an Frauen befürwortet. Bis zum Jahr
1669 wurde dieses Machwerk 29mal
aufgelegt.
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Der im Christentum entwickelte Glaube an einen Pakt
mit dem Teufel machte aus einem "Hexenverbrechen",
wie z. B. Giftmischerei, Liebeszauber,
Wetterbeeinflussung und Teufelsbuhlschaft, zugleich
Ketzerei, womit das Delikt des hexerischen
Teufelspaktes geschaffen war, was jeder Art
persönlichen Missbrauchs und Widerlichkeit in
der Vernehmungspraxis Tür und Tor
öffnete. Aus geringstem Anlass konnten
Massenhysterien entstehen, die von niemandem
bekämpft wurden und letztendlich in wahren
Blutbädern und Verbrennungsorgien endeten.
Die Hexenprozesse wurden zu Strafverfahren
gemischter Zuständigkeit kirchlicher und
weltlicher Gewalten. Die örtlichen
Gerichtsbarkeiten waren das weltliche
Vollzugsorgan, während die kirchlich
beeinflussten juristischen Fakultäten die
jeweiligen Rechtsgutachten erstellten.
Missernten, Seuchen und Epidemien wurden vielfach
den als Hexen gebrandmarkten Menschen zugeschrieben
und arteten teilweise in wahre Verfolgungswellen
aus.
Auch in der Markgrafschaft Baden, die 1535 in die
beiden Teile Baden-Durlach und Baden-Baden getrennt
worden war, ging die Hexenverfolgung nicht spurlos
vorüber.
Im Baden-Durlacher Teil fand 1552 im Amt Pforzheim
der erste Hexenprozess und 1669 der letzte in der
Herrschaft Hachberg statt. Insgesamt waren 10
Frauen angeklagt worden. Sieben davon wurden
hingerichtet. Die Markgrafen von Baden-Durlach
wurden von Juristen der Universität
Tübingen beraten, die keineswegs der Meinung
waren, dass jede beliebige Anschuldigung den
sofortigen Einsatz der Folter zur Erzwingung eines
Geständnisses zur Folge haben muss, was
erklären mag, dass nicht alle 10 Beschuldigten
ermordet wurden.
Wesentlich mehr Opfer waren im Baden-Badener Teil
der Markgrafschaft zu beklagen. Dieser Teil, der
unter Markgraf Philibert eine sehr liberale
Regierung erfahren hatte, gelangte nach dessen Tod
im Jahr 1569 unter den Einfluss der streng
katholischen Bayern, welche die Vormundschaft
über dessen 10jährigen Sohn Philipp
übernommen hatten. Noch bevor dieser als
Markgraf Philipp
II.
im Jahr 1571 an die Regierung kam, fanden
Hexenprozesse statt, die ihren Ausgangspunkt in der
Verurteilung und Verbrennung einer armen alten Frau
hatten, welche während ihres Prozesses andere
Frauen beschuldigt hatte, mit ihr "Hexenwerk"
betrieben zu haben.
Philipp II. unterband die Hexenverfolgung
keineswegs, sondern ließ in den Jahren 1573
bis 1577 zahlreiche Hexenprozesse zu, wobei
allerdings eine starke Kontrolle des
Verfahrensablaufes durchgeführt wurde, die
Willkürakte einzelner Verfahrensführer
weitgehend verhinderte. Dennoch wurden mehr als
zwei Dutzend Frauen angeklagt und verbrannt. Eine
letzte Hexenverfolgung unter Philipp II. gab es
1580. Sie kostete 18 Frauen in den Ämtern
Rastatt, Baden-Baden und Kuppenheim das Leben.
Die schlimmste Hexenverfolgung im Baden-Badener
Teil der Markgrafschaft erfolgte unter Markgraf
Wilhelm zwischen 1626 und 1631, mitten im
Dreißigjährigen Krieg. 244 Personen,
davon mehr als drei Viertel Frauen, aus den
Ämtern Rastatt, Baden-Baden, Steinbach und
Bühl wurden der Hexerei angeklagt. 231 wurden
verurteilt und hingerichtet.
Der Einmarsch schwedischer Truppen in die
Markgrafschaft im Januar 1632 setzte den
Hexenprozessen ein vorläufiges Ende.
1642 bis 1644 wurden im Amt Gernsbach nochmals
Prozesse gegen fünf Frauen geführt, die
jedoch keine Hinrichtung zur Folge hatten, was
sicherlich dem Einfluss der protestantischen Grafen
von Eberstein, die in Gernsbach mit regierten,
zuzuschreiben ist.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
Quelle: Corinna Schneider: Die Hexenverfolgung in
den badischen Markgrafschaften,
(unveröffentliche Magisterarbeit).
Nachsatz:
Verschiedene Forscher, die sich mit der
Hexenverfolgung intensiv beschäftigt haben,
sind zu dem Schluss gekommen, die Zahl der Opfer
bewege sich in einem Bereich von weniger als 100
000. Knaurs Großer Religionsführer,
Neuauflage 1990, wartet somit wohl mit einer
deutlich überhöhten Zahl auf. Ein
grausames Kapitel der Geschichte Mitteleuropas und
speziell Deutschlands bleibt die Zeit der
Hexenverfolgung - unabhängig von der wohl nie
genau feststellbaren Anzahl der Opfer.
Lesen Sie auch:
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