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Casino Baden-Baden 1872

Abbildung: "The Last Days of Rouge and Noire at Baden-Baden". Die englische Zeitschrift "The Graphic" berichtete in einem Artikel im Oktober 1872 über die Spielbank Baden-Baden. Am 31. Oktober 1872 wurde die Spielbank Baden-Baden geschlossen.

Baden-Baden, das Glückspiel und seine Folgen

Der Sekundenbruchteil vor der Feststellung: "Gewonnen oder verloren" fasziniert die Menschheit schon seit altersher und hat den zufallsbedingten Glücksspielen wie Lotterien, Karten- und Würfelspielen, Pferde- und Hunderennen und letztendlich dem Roulettespiel auf der ganzen Welt eine Bedeutung zukommen lassen, die heute noch ungebrochen ist. Das Glücksspiel bringt Geld in die Kassen, wovon auch diejenigen partizipieren wollen, die dem Reiz des Glücksspiels nicht unbedingt aber der Anziehungskraft des Geldes allemal verfallen sind.

So ließen sich bereits mitteleuropäische Städte im Mittelalter die Genehmigung zum Glücksspiel, das meistens während Handelsmessen angeboten wurde, sehr gut bezahlen. Im 18. Jahrhundert begann der Siegeszug des Roulettespiels in Frankreich unter dem Schutz des Polizeiministers der französischen Regierung. In Deutschland und in anderen europäischen Ländern wurden Spielsalons eingerichtet, die natürlich der abgabenpflichtigen Konzession bedurften.

Zeitgemäß verhielt sich Markgraf Ludwig Georg, der vorletzte Regent des katholischen Teils der
Markgrafschaft Baden , der am 15. Oktober 1748 einigen Gasthäusern in der Stadt Baden das Hazardspiel in eigens eingerichteten, separaten Räumen erlaubte. Eine markgräfliche Spielkommission überwachte das Geschehen. Nach Ludwig Georgs Tod übernahm dessen Bruder August Georg im Jahr 1761 die Herrschaft und ließ zur Aufwertung der Bäderstadt außerhalb der Stadtmauern, jenseits der Oos ein Promenadenhaus für lustwandelnde Gäste, von denen sich vermutlich auch etliche vom Nervenkitzel des Glücksspiels erholen mussten, errichten.

Das Jahr 1771 brachte für die beiden über Jahrhunderte getrennten Landesteile Badens die Wiedervereinigung und damit für die ehemalige Residenzstadt Baden nicht nur eine Belebung des Kurbetriebs, sondern auch eine Aufwertung des Glücksspiels.

Der badische Baumeister
Friedrich Weinbrenner hatte die Vorstellung, das ehemalige Jesuitenkolleg, in welchem seit 1775 das markgräfliche Gymnasium untergebracht war, zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der damals noch mit Mauern umgebenen Stadt zu machen.

Bevor diese Idee verwirklicht wurde, erhielten der damalige Pächter des Promenadenhauses, François Chévilly, die Badeherbergen "
Zum Salmen" und "Zur Sonne", sowie einige andere Gasthäuser im Jahr 1807 Spielkonzessionen. François Chévilly sorgte für einen Ausbau des Promenadenhauses, noch bevor die einschneidenden Veränderungen am ehemaligen Jesuitenkolleg im Jahr 1812 begannen. Konversations- und Leseräume, Tanzsäle und ein Spielsalon entstanden in dem großzügigst umgestalteten, fast 200 Jahre alten Gebäude am Rande des Markplatzes. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Spielbanklizenz monopolisiert.

Die Neuanlage eines Kurviertels außerhalb des historischen Stadtkerns wurde 1821 durch Großherzog Ludwigs Entscheidung, ein neues Conversationshaus anstelle des Promenadenhauses zu bauen, begonnen. Das 1766 errichtete Promenadenhaus wurde zum linken Flügel des Gebäudekomplexes, in welchem Gäste bewirtet wurden. Der Mitteltrakt beherbergte den Conversationssaal und im rechten Gebäudeflügel war ein Theater untergebracht. Zwischen den drei Gebäudeteilen befanden sich Verbindungsstücke, in denen Spieltische aufgestellt waren.

1824 erwarb Antoine Chabert (1774-1850), ein umtriebiger französischer Geschäftsmann, die Spielbanklizenz für 15 Jahre mit einer jährlichen Saisonpacht von 29000 Gulden. Ihm oblag allerdings nicht nur die Geschäftsführung der Spielbank, sondern neben der Leitung des Conversationssaales und des Restaurants auch die Aufgabe, für ein angemessenes Veranstaltungsprogramm zu sorgen. Das kulturelle Rahmenprogramm fiel also in den Aufgabenbereich des Spielbankpächters. Antoine Chabert schien 1827 allerdings mehr Interesse am Umsatz als am Kunstgenuss gehabt zu haben, denn
Felix Mendelssohn Bartholdys improvisiertes und dennoch eine große Zuhörerzahl mitreißendes Klavierspiel im Conversationssaal veranlasste den Pächter, den Flügel entfernen zu lassen. 1830 engagierte Antoine Chabert jedoch Nicolò Paganini, dessen Spiel sich der uneingeschränkten Begeisterung des Publikums sicher sein konnte.

Antoine Chaberts Sohn und Teilhaber Joseph Antoine Chabert (1799-1838) führte die Baden-Badener Spielbank weiter, als sein Vater 1833 Lizenzen für vier Spielbanken im Herzogtum Nassau erhalten hatte. Auch er war wie sein Vater bestrebt, den Spielbetrieb und das kulturelle Programm auszubauen.
Alfred de Musset hat 1834 die in Baden-Baden und der Spielbank gewonnenen Eindrücke in seinem Gedicht "Une bonne fortune" verarbeitet.

Der tödliche Reitunfall Joseph Antoine Chaberts im Januar 1838 beendete die Ära Chabert in Baden-Baden und es begann die beispiellos erfolgreiche Epoche der Herren Bénazet, die fast 30 Jahre dauern sollte.

Jean Jacques Bénazet (1778-1848), der bis zum Verbot aller französischen Spielbanken im Jahr 1837 Mitpächter von zehn Pariser Spielsalons gewesen war, erhielt die Baden-Badener Spielbanklizenz. Emsig, geschickt und einfallsreich arbeitete er an einer weiteren Steigerung der Besucherzahlen des Casinos, was seine französischen Landsleute ebenso anzog wie vermögende Herrschaften aus anderen Ländern. Als Antoine Chabert die Spielbank übernommen hatte, wurden im Jahr 1825 mehr als 8000 Gäste in der Stadt gezählt. Jean Jacques Bénazet gelang es während der kurzen Sommersaison bis zu 50000 Fremde in die Stadt zu locken.

Neben dem Spielbetrieb galt Jean Jacques Bénazets Augenmerk natürlich dem kulturellen Angebot und auch dem Bäderwesen. Die Badekabinen in den einzelnen Badeherbergen und das so genannte Armenbad, waren die einzige Möglichkeit, das besondere, warme Wasser zu genießen. Ein luxuriöses Thermalbad sollte nach dem Willen Jean Jacques Bénazets anstelle der Badeherberge "Zum Salmen" entstehen. Diese Idee wurde allerdings zugunsten einer großzügigeren Badeanlage auf dem Gelände der späteren
Gönneranlage verworfen. Verwirklicht konnte dieses Projekt jedoch nicht werden, weil die Landesbürokraten ihre Zustimmung versagten.

Glücksspiel und Kulturprogramm wurden weiter gepflegt. Viele Künstler wurden ins Oostal geholt.
Franz Liszt spielte beispielsweise nicht nur während Jean Jacques Bénazets Spielbankzeit, sondern auch als dessen Sohn Oscar Edouard Bénazet (1801-1867) die Spielbankpacht übernommen hatte.

Oscar Edouard Bénazet

Oscar Edouard Bénazet


Der "Roi de Bade", wie Oscar Edouard Bénazet, der bislang erfolgreichste Promotor der Stadt, anerkennend und respektvoll bezeichnet wurde, machte die kleine Kurstadt endgültig zur "Capitale d'été" Europas. Großzügig sorgte er mit Mitteln aus den Spielbankeinnahmen für die Finanzierung von Gebäuden, Parks und Veranstaltungen und bescherte der Stadt damit eine außergewöhnliche Anziehungskraft. Unter anderem sind ihm die
Lichtentaler Allee, der erste Bahnhof Baden-Badens, die evangelische Stadtkirche, das Orchester und natürlich das Theater ein besonderes Anliegen gewesen. Dem Umbau des Conversationshauses und der Einrichtung der prunkvollen Gesellschaftsräume, die heute das Casino beherbergen, war das Theater im rechten Trakt des Conversationshauses zum Opfer gefallen. Das neue Theater war 1862 fertig gestellt und Oscar Edouard Bénazet ließ von Hector Berlioz eigens eine Oper zur Eröffnung des Musentempels komponieren.

Dem Charme der Stadt, dem Reiz des Glücksspiels und der Fülle an kulturellen Veranstaltungen erlagen unzählige Zeitgenossen. Das
preußische Königspaar zählte ebenso dazu wie eine Vielzahl einflussreicher europäischer Politiker. Bedeutende Künstler, von Johannes Brahms über Clara Schumann bis hin zu Pauline Viardot, machten die Stadt zu ihrem Lebensmittelpunkt. Iwan Turgenjew und Fjodor Dostojewskij verewigten sie in Büchern. Oscar Edouard Bénazet hat mit seinem Engagement für zwei ausgesprochen opulente Dekaden in der Stadtgeschichte gesorgt.

Jacques Emile Dupressoir (1823-1884), ein Verwandter des kinderlos verstorbenen Oscar Edouard Bénazet, übernahm 1867 die Spielbank in ausgesprochen unsicheren Zeiten. Beschlossen war, 1870 alle Spielbanken in Deutschland zu schließen. Die schönste Spielbank der Welt erhielt eine Gnadenfrist bis 1872. Musste Jacques Emile Dupressoir für die Lizenz von 1867 bis 1870 noch eine jährliche Pachtsumme von 300000 Gulden abführen, so brachte die Genehmigung für die Jahre 1871 und 1872 einen jährlichen Pachtaufwand von 500000 Gulden mit sich. Mit einem solchen Betrag hätte der Spielbankpächter leicht mehr als zwei Hotels der Kategorie "Stephanienbad" kaufen können.

Trotz der drohenden Schließung und der finanziellen Belastung lief die Kulturförderung durch den Spielbankpächter weiter auf Hochtouren. Am 12. Oktober 1872 gaben beispielsweise der Dirigent
Hans von Bülow und der Wiener Walzerkönig Johann Strauß junior ein stürmisch gefeiertes Konzert. Am 31. Oktober 1872 hieß es in den Spielsälen letztmalig: "Faites vos jeux!"

Nach der Schließung der Spielbank ergaben sich für die Stadt gewaltige Veränderungen, weil beispielsweise die finanzielle Unterstützung kultureller Einrichtungen durch die Spielbankpächter nicht mehr gegeben war. Dem Stellenwert der Stadt als
Kurort und Heilbad wurde mehr Gewicht beigemessen, und es zeigte sich, dass auch für diese Attraktion des Ortes durchaus Gäste zu gewinnen waren. Waren es 1872 noch fast 60000 Gäste, die die Stadt besuchten, so reisten 1928 an die 100000 Gäste an. Und trotzdem waren viele Entscheidungsträger der Meinung, die Spielbank müsse als zusätzliche Attraktion wieder eingerichtet werden. Die Tatsache zusätzlicher Staats- und Stadteinnahmen aus der Spielbankpacht spielte hierbei sicherlich eine nicht unbedeutende Rolle.

Das Nationalsozialistische Regime erteilte der Stadt Baden-Baden schließlich die erste Spielbankkonzession im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Eine private französische Betreibergruppe eröffnete am 3. Oktober 1933 den Spielbetrieb. Die erste Kugel warf der greise, aber unermüdliche Lokalhistoriker
Oskar Rößler.

1935 endete der Vertrag mit der privaten Gruppe und die am 1. April 1934 gegründete
Bäder- und Kurverwaltung übernahm die Spielbank. Bis zum 14. August 1944 spielten die Glücksritter. Dann wurde die Spielbank kriegsbedingt ein zweites Mal geschlossen.

Die Bäder- und Kurverwaltung war nach dem Zweiten Weltkrieg der Lizenzinhaber, welcher der hauptsächlich in privater Hand befindlichen Spielbank Baden-Baden GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, die für mehr als ein halbes Jahrhundert die Geschicke der Spielbank leitete, den Spielbetrieb ermöglichte und der Bäder- und Kurverwaltung einen alljährlichen Geldsegen in Form eines prozentualen Anteils an den Gesamteinnahmen der Spielbank, der 1950 beispielsweise bei 80% lag, bescherte. Die Sorge um das kulturelle Rahmenprogramm und die Aufrechterhaltung und/oder Erweiterung der Kuranlagen war der Bäder- und Kurverwaltung überlassen.

Die Spielbank Baden-Baden GmbH & Co. Kommanditgesellschaft richtete eine Filiale in Konstanz ein und eröffnete 1981 im
Alten Bahnhof ein Automatenspiel, das 1996 wegen des Baus des Festspielhauses ins Kurhaus umquartiert werden musste.

Wegen der jährlich zu leistenden Zuschüsse des Landes an das Festspielhaus sann das Land Baden-Württemberg, dem zwischenzeitlich die gesamte Spielbankumlage zufloss, weil die Bäder-und Kurverwaltung einer "Reform" zum Opfer gefallen war, über eine Verstaatlichung des bis zur Jahrtausendwende höchste Bruttospieleinnahmen erzielenden Casinos nach. Diesem Vorhaben schob das oberste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht, einen Riegel vor. Ein Konzessionsvergabeverfahren wurde deshalb im März 2002 in Gang gesetzt. Am
13. Januar 2003 entschied das baden-württembergische Innenministerium die Spielbankkonzession für Baden-Baden und Konstanz der Staatlichen Spielbank Stuttgart zu übertragen.

Dies dürfte für zum Wohle der Stadt engagierte private Spielbankpächter vom Schlage der Chaberts und der Bénazets endgültig bedeuten: "Rien ne va plus!"

Von Rika Wettstein und Wolfgang Peter, Baden-Baden

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