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Anselm Feuerbach
(1829-1880)
Anselm Feuerbach zählt neben Arnold
Böcklin und Hans von Marées zu den
bedeutendsten deutschen Malern der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Im Meyers Konversationslexikon, Bd. 6., 4. Aufl.,
Leipzig: Bibliographisches Institut, 1885–1892, S.
203 ist folgendes über den Künstler zu
lesen:
"Anselm Feuerbch
begab sich, als sich während seiner
Gymnasialstudien in Freiburg sein
Künstlerberuf unzweideutig dargethan, 1845
für zwei Jahre nach Düsseldorf, wo er
sich anfangs an W. Schadow, dann an Rethel
anschloß, dessen großartige Auffassung
seinem Wesen mehr entgegenkam.
Nach kurzem Aufenthalt in der Heimat (1848) ging F.
nach München, wo ihn Rahl eine Zeitlang
fesselte. Doch war sein Streben bereits damals auf
eine größere Ausbildung im Kolorismus
gerichtet, und er begab sich daher 1850 nach
Antwerpen und 1851 nach Paris, wo er noch die
modernen Meister studierte und in Coutures Atelier
eintrat, dem er nach seinem Geständnis eine
große Förderung seiner malerischen
Technik verdankte. Zwei seiner ersten Gemälde:
Hafis in der Schenke und der Tod Pietro Aretinos,
zeigen den Einfluß Coutures, weisen aber auch
bereits auf das Vorbild der Venezianer hin, denen
er sich später noch enger anschloß.
Im J. 1854 nach Karlsruhe zurückgekehrt,
erhielt er 1855 die Mittel zu einer Studienreise
nach Italien, die ihn zunächst nach Venedig,
wo er Tizians Himmelfahrt kopierte, und von da nach
Florenz und Rom führte, wo sich im Studium von
Michelangelo und Raffael allmählich seine
eigentümliche Richtung ausbildete. Er strebte
danach, die Größe und Erhabenheit des
historisch-monumentalen Stils mit dem Reichtum des
venezianischen Kolorits zu verbinden, geriet aber
bei diesem Streben insofern auf einen Abweg, als er
die Leuchtkraft der Lokalfarben durch graue
Zwischentöne abdämpfen zu müssen
glaubte, wodurch er den Erfolg seiner bedeutendsten
und genialsten Kompositionen beeinträchtigte.
Fast alle seine Schöpfungen waren daher bis zu
seinem Tod heftigen Angriffen ausgesetzt, und es
scheint, daß seine bittern Lebenserfahrungen
sein ohnehin zu Melancholie geneigtes Gemüt
derartig niederdrückten, daß er vor der
Zeit aufgerieben wurde.
Die glücklichste Zeit seines Lebens war die
Periode seines römischen Aufenthalts von 1857
bis 1872, während welcher er im Grafen von
Schack einen hochherzigen Beschützer fand, der
den größten Teil seiner Werke ankaufte.
In dieser Zeit entstanden: Dante und die edlen
Frauen in Ravenna (1858), Francesca da Rimini und
Paolo Malatesta, Laura und Petrarca, Hafis am
Brunnen, die Pietà (1863) und die
Kinderbilder: Idyll aus Tivoli, belauschtes
Kinderkonzert und Mutterglück. War in diesen
Gemälden neben der klassischen Formengebung
noch ein romantischer Zug zu finden, so wandte sich
F. von da ab fast ausschließlich der
Darstellung antiker Gegenstände im Gewand des
modernen, aber durch eine völlig plastische
Formenbehandlung gedämpften und gebundenen
Kolorismus zu. Diesem Ideal ist er am nächsten
in der Iphigenia (1871, Galerie zu Stuttgart),
welche man als die vollendetste Verschmelzung des
klassischen und des romantischen Stils bezeichnen
darf, und in dem Gastmahl des Plato (1873, Berliner
Nationalgalerie) gekommen. Minder gelungen,
namentlich weil die Komposition nicht einheitlich
genug und der Ausdruck der Figuren zu
übertrieben ist, sind die Amazonenschlacht,
das Urteil des Paris und mehrere Bilder aus der
Sage der Medea. Im J. 1873 wurde F. als Professor
an die Akademie nach Wien berufen und erhielt dort
den Auftrag, einen Saal im Gebäude der
Akademie mit Plafondmalereien zu dekorieren. Es
gelang ihm nur, das Hauptbild, den Sturz der
Titanen, zu vollenden. Seine geniale Natur war
für eine Lehrthätigkeit nicht geschaffen,
und er schied bereits 1876 aus seiner Stellung aus.
In den letzten Jahren seines Lebens führte er
ein Gemälde für den Justizpalast in
Nürnberg, Huldigung Ludwigs des Bayern, neben
dem Titanensturz aus. Die scharfe Beurteilung des
letztern auf der Münchener Ausstellung von
1879 scheint seinen Tod beschleunigt zu haben. Er
starb 4. Jan. 1880 in Venedig."
Anselm Feuerbach hielt sich ab 1865 öfter in
Baden-Baden auf. Im Mai des Jahres 1865 traf
Feuerbach Johannes Brahms in
Baden-Baden. Der 32-jährige Komponist, der
derzeit an der Erschaffung des "Deutschen Requiems"
arbeitete, wohnte im nahen Lichtental, ebenso wie
Feuerbach, den Brahms bewundernd auch "Feuerstrom"
nannte. In den Sommermonaten der folgenden Jahre
traf man sich immer wieder in Lichtental.
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