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Günther Juergens - der Baden-Baden Maler



Susanne Erichsen (1925-2002)

Bei der ersten Miss-Germany-Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg, 1950 im Baden-Badener Kurhaus, wollte die Berlinerin Susanne Erichsen dem bürgerlichen Mief entfliehen - ihre Hoffnungen auf ein schöneres Leben jenseits von Kochtopf und Büro wurden erfüllt. Die brünette Langbeinige mit dem Drang nach Freiheit wurde zur schönsten Frau der jungen Bundesrepublik Deutschland gewählt. Fünf Jahre nach dem verheerenden Krieg war diese Wahl in der Kurstadt das gesellschaftliche Ereignis, von dem sogar die Wochenschau berichtete. Von da an sollten sich die Fotografen um die anmutige, elegante Deutsche reißen.

Susanne Erichsen, die nach dem ersten Schminken in der Pubertät vom Stiefvater eine schallende Ohrfeige bekommen hatte, machte Karriere als Model und führte Jahre lang auf den Laufstegen von Berlin, Paris bis New York vor, was die Dame von Welt - vor den rebellischen 60er-Jahren - modisch und verführerisch machte. Die großen Magazine wollten sie fürs Titelbild. Amerika feierte die Erichsen als "deutsches Fräuleinwunder". Dort hatte sie in den Kleidern des bekannten Berliner Designers, Hans Gehringer, ihren Einstand als Mannequin gegeben.

Doch die Glamourwelt war nicht das einzige Abenteuerliche in ihrem Leben, das recht früh auch düstere Kapitel für sie bereit hielt. In ihrer Biografie "Ein Nerz und eine Krone" schildert Susanne Erichsen ihre Kindheit und Jugend, die Kriegszeit in Berlin und schließlich die schweren Jahre in russischer Gefangenschaft. Das Buch, das in Zusammenarbeit mit der Journalistin Dorothee Hansen entstand, ist jetzt gut ein Jahr nach Erichsens Tod erschienen.

Die einstige Schönheitskönigin wurde 1925 in Berlin unter dem Namen Susanne Firle geboren, als Tochter eines wenig erfolgreichen Opernsängers, ihre Mutter stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Ihre Kindheit prägten zwei Männer, der unzuverlässige, aber heiß geliebte Vater und der strenge Stiefvater, ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Mit dem neuen Mann Fritz Lenz, einem aufstrebenden Ingenieur, zogen Mutter und Tochter ins Leningrad der dreißiger Jahre, lebten als bevorzugte Ausländer in der Stalin-Diktatur recht wohlhabend, die Einheimischen darbten. Als die Familie nach Deutschland zurückkehrte, war Hitler an der Macht. Erichsen beschreibt dennoch so etwas wie eine unbeschwerte Jugend im Berlin des Dritten Reichs. Zu den strikten Prinzipien des Stiefvaters gehörte es, dass ordentliche Frauen sich nicht schminkten und über Unangenehmes nicht zu sprechen hatten. Als der Krieg ausbrach, war Susanne Erichsen in der Pubertät, anschaulich schildert sie, wie sich die Angst in der Familie breit machte, obwohl der Stiefvater als Geschäftsführer eines kriegswichtigen Betriebs "unabkömmlich gestellt" war, aber auch wie sie ganz unbeschwert das Leben in Berlin genoss mit ihren Freundinnen aus einer kunstsinnigen, freigeistigen Familie.

Als die Russen in Berlin einmarschierten, war die Familie Firle/Lenz bereits auseinander gerissen. Die knapp 20-Jährige wurde mit ihrem frisch angetrauten norwegischen Ehemann Sven Erichsen in ein sowjetisches Lager verschleppt, erst 1947 kam sie nach Hause. Die Ehe hielt nur Monate, wurde annulliert. Den Nachnamen führte sie später auch nach der zweiten gescheiterten Verbindung als Künstlernamen weiter.

Ein fast sensationeller Aufstieg gelang der geschundenen Kriegsheimkehrerin, die es bald nach München verschlagen hatte, wo sie eine Modejournalistin entdeckte. Jetzt ging das Hungern wieder los, diesmal nicht aus Not, sondern, um in die eng geschnittenen Modellkleider zu passen. Sie beschreibt ein Leben wie ihm Rausch: eine Vorführung nach der anderen, von morgens bis abends gestylt, Pillen gegen den Hunger einnehmend und dann wieder Alkohol und Beruhigungsmittel gegen Schlaflosigkeit. Sie jettete zwischen Berlin und New York, zog ganz in die US-Metropole, kehrte schließlich Mitte der 60er-Jahre zurück und wagte einen Neuanfang mit einer bald gefragten, eigenen Modelschule. Bis ins hohe Alter blieb ihr Leben von der Scheinwelt der Mode bestimmt. Eine späte Liebe war ihr vergönnt mit dem Drehbuchautor Heinz-Oskar Wuttig.

Susanne Erichsens spannend zu lesende Autobiografie ist ein in weiten Teilen gelungenes Zeitdokument: Während die Schilderungen über die Kindheit und Lagerjahre eindrücklich sind, wird das Leben des frühen Top-Models, das damals schon - allerdings nur erwähnt - von Suchtmitteln geprägt war, aber zu rasch abgehandelt. Das ist schade, man hätte gerne mehr darüber erfahren, wie die Modewelt zur Zeit der Vorgängerin von Claudia Schiffer, Laetitia Casta, Naomi Campbell und Linda Evangelista aussah. Vielleicht hat Susanne Erichsen davon mehr erzählen wollen. Im Januar 2002 starb sie an den Folgen eines Schlaganfalls, da war ihr Buch noch nicht fertig. CoAutorin Hansen hat es vollendet.

Christiane Lenhardt, BT 19.04.03



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