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Alfred Döblin
(1878-1957)
Das von der politischen Entwicklung
Mitteleuropas im 20. Jahrhundert stark
geprägte Leben des jüdischen
Schneidersohnes begann am 10. August 1878 in
Stettin. Zehn Jahre später war die Familie
nach Berlin gezogen, wo sich Alfred Döblin
während seiner Gymnasialzeit mit
literarischen, philosophischen und musikalischen
Themen auseinandersetzte, erste Essays verfasste
und den zu seinen Lebzeiten nicht
veröffentlichten ersten Roman "Jagende Rosse"
niederschrieb. Nach dem Schulabschluss absolvierte
Alfred Döblin ein Medizinstudium, welches er
1905 mit der Promotion beendete. Seinen
schriftstellerischen Neigungen blieb er jedoch auch
während des Studiums und seiner Zeit als
Assistenzarzt in den "Irrenanstalten" Regensburgs
und Berlins treu.
1908 wurde Alfred Döblin Assistenzarzt am
städtischen Krankenhaus Am Urban in Berlin,
bevor er sich 1911 anfangs als praktischer Arzt,
später als Nervenarzt und Internist
selbständig machte.
Während des Ersten Weltkrieges wirkte Alfred
Döblin als Militärarzt und führte
danach seine Arztpraxis in Berlin bis zum Jahr 1931
weiter. Zahlreiche Veröffentlichungen
Döblinscher Werke fielen in diese Zeit, ebenso
war er ein wichtiger Mitarbeiter der Zeitschrift
"Der Sturm". Der Theodor Fontane-Preis war ihm
für seinen 1916 erschienenen "chinesischen
Roman" "Die drei Sprünge des Wang" zugestanden
worden. Politische, zeitkritische Glossen unter
Pseudonym, Romane, Versepen und die
naturphilosophische Schrift "Das Ich über der
Natur" entstanden, bevor Alfred Döblin mit dem
Schreiben seines wohl bekanntesten Romans "Berlin
Alexanderplatz" begann, der 1929
veröffentlicht wurde.
Nach dem Brand des Berliner Reichstags floh Alfred
Döblin 1933 in die Schweiz und lebte
anschließend mit seiner Familie bis zum Jahr
1940 in Paris. Die französische
Staatsbürgerschaft war ihm und seiner Familie
zuerkannt worden und der französische
Informationsdienst setzte ihn nach Ausbruch des
Zeiten Weltkriegs als Mitarbeiter für
antideutsche Propaganda ein.
Letztendlich musste Alfred Döblin 1940 aus
Frankreich fliehen und ließ sich in Hollywood
nieder, wo er für die Filmgesellschaft Metro
Goldwyn Mayer als Manuskriptschreiber
arbeitete.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte der
mittlerweile 67jährige nach Paris zurück
und wurde zum Kulturoffizier in Baden-Baden, der
"Hauptstadt" der französischen Besatzungszone,
bestellt.
1946 gründete Alfred Döblin die
Kulturzeitschrift "Das Goldene Tor", eine der
vielen Aktivitäten des Schriftstellers in
Uniform mit dem Ziel, das Kulturleben in der
Bäderstadt wieder ins Leben zu rufen. Alfred
Döblin sorgte auch dafür, dass
Reinhold
Schneider
als erster in der französischen Besatzungszone
lebender deutscher Schriftsteller eine
Publikationserlaubnis erhielt, und er gestaltete
ein literarisches Programm für den neu
gegründeten Südwestfunk.
Nach dem Erreichen der Altersgrenze schied Alfred
Döblin aus dem französischen
Militärdienst aus, gab aber weiterhin im
Auftrag der Direction de l'Education Publique als
Zivilist "Das Goldene Tor" heraus, dessen
Publikation allerdings 1951 eingestellt wurde. Zu
dieser Zeit befand sich Alfred Döblin in
Mainz, wo er als Vizepräsident am Aufbau der
Akademie der Wissenschaften und der Literatur
maßgeblich mitwirkte.
Sein miserabler gesundheitlicher Zustand ließ
ihn nur noch zweimal für kurze Zeit nach Paris
zurückkehren. Ansonsten hielt er sich in
Kliniken und Sanatorien in Deutschland auf.
Am 26. Juni 1957 starb Alfred Döblin im
Landeskrankenhaus in Emmendingen. Beigesetzt wurde der
unermüdliche Kulturschaffende, der Baden-Baden
zum besten Start in ein erfolgreiches Kulturleben
nach dem Zweiten Weltkrieg verholfen hat, in
Housseras in den französischen
Ost-Vogesen.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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