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Günther Juergens - der Baden-Baden Maler

Dieter Krieg

Dieter Krieg (1937-2005)

Es war nur eine kleine Meldung, die am Montag, dem 28. November 2005, links unten im Kulturteil der Badischen Neuesten Nachrichten zu lesen war: "Dieter Krieg im Atelier tot gefunden". Als einer der bedeutendsten Maler seiner Generation wurde der am 26. November 2005 im Bergheimer Ortsteil Quadrath-Ichendorf tot aufgefundene Maler kurz charakterisiert mit dem Hinweis: "Nachruf folgt".

Er folgte auch tags darauf (siehe unten), als Würdigung eines Künstlers, der nicht nur von 1958 bis 1962 seine Ausbildung an der
Karlsruher Kunstakademie absolviert hat, sondern infolge seiner Bedeutung, zu den Hauptvertretern des so genannten Figurativen Expressionismus zu gehören, die Stadt Karlsruhe und ihre Kunstakademie mit einem bleibenden Kunstakzent versehen hat.

Die Lokalpresse der Stadt seiner Kinder- und Jugendzeit, Baden-Baden, hat an beiden Tagen offenkundig noch kein Bedürfnis verspürt gehabt, die Leserschaft über das Ableben des Mannes zu unterrichten, mit dessen "Künstlerwert" man sich nicht nur gut schmücken könnte, sondern der darüber hinaus mit einigen Arbeiten in der Sammlung des Museumsstifters Frieder Burda, dem just am 29. November 2005 wegen seiner Verdienste um die Stadt die Ehrenbürgerwürde Baden-Badens verliehen wurde, vertreten ist.

Offenbar gibt es keine Subalternen mehr, die sich daran erinnern, dass Dieter Krieg im Jahr 1966 in Baden-Baden der "Deutsche Kunstpreis der Jugend" verliehen wurde, die erste Auszeichnungen einer Vielzahl, die noch folgen sollte. Die
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden hatte seinerzeit den Preis ausgeschrieben. Immerhin waren 712 Künstler zum Mitmachen angeregt.

Dieter Krieg, den Stillen, hätte derlei "Missachtung" wohl bereits zu Lebzeiten wenig oder gar nicht beeindruckt. Diejenigen, die sein "Langs (Kunst)Lebn" und dessen Ergebnisse zu schätzen wissen, zollen ihm sicher gerne beim "Auf Wiedersehn" mit seinen Exponaten Respekt. (Rika Wettstein)

Auf Wiedersehn. Langs Lebn.

Eine Kneipe, eine Galerie, ein Künstler. Vor 13 Jahren stellte Dieter Krieg in der Karlsruher Galerie "art contact" aus. Eine Art Heimspiel. Krieg hatte hier an der Kunstakademie studiert, hatte im Badischen Kunstverein seine erste größere Einzelausstellung gehabt, war auch später mit Ausstellungen präsent gewesen. Jetzt gab er im Gasthaus gegenüber der Galerie Auskunft über seine Kunst und über die ästhetische Einstellung, aus der heraus er arbeitete. Ein fragiler, stiller Mann saß da. Neben ihm die zierliche Ehefrau Irene, die lachend verriet, wo sie beide wohnten. In einem winzigen Dorf bei Köln. In der Kitschburgstraße - wohl keine sehr verheißungsvolle Adresse für einen ernsthaften Künstler.

Krieg blieb ungerührt. Sprach von "Tonio Kröger", jener Erzählung, in der Thomas Mann das teils bewusste, teils durch die Verhältnisse bestimmte Außen-vor-Bleiben des Künstlers schildert. Selbst als Tonio Kröger berühmt ist, muss er erkennen, dass er nie ganz dazugehören wird zum Kreis der hochgewachsenen Erfolgsmenschen, die ungetrübt von jeder bitteren Erkenntnis durchs Leben wandeln. Sie tanzen und lachen, sind selig, berauscht von dem Glück dabei zu sein - und Kröger, der Künstler, schaut von draußen durch die Scheiben des Festsaals zu. Das war eines der Themen, damals im Januar 1992, als Krieg wieder einmal nach Karlsruhe zurückgekehrt war. Die Kneipe hat inzwischen ihren Charakter verändert. Die Galerie ist geschlossen. Dieter Krieg ist tot.

Seine Frau war schon vor längerem gestorben - ein Verlust, den der Künstler nie wirklich verkraftet hat. Bilder sind seither nicht mehr entstanden, dafür hat Krieg DIN-A4-Blätter mit der Schreibmaschine bearbeitet. Hat Blatt um Blatt Formulierungen notiert wie "Erblassen der Versagung" oder Sätze, die nach Ende klingen, nach Abbruch. Das war fast immer sein existenzielles Thema gewesen. "Hosn kaufn bis zum Tod" nannte Krieg eine fünfteilige Arbeit, die er Ende der 90er Jahre gleich mehrfach variiert hat. Man kann die verstümmelten Vokabeln als ironischen Kommentar zum Leben in der Konsumgesellschaft lesen. Aber sie waren wohl nicht zuletzt Ausdruck einer tief sitzenden Skepsis gegenüber jeder Form von Mitteilbarkeit, sei es mittels Sprache, sei es durch Bilder.

Dieter Krieg ist 1937 in Lindau geboren, 1958 kam er an die Kunstakademie Karlsruhe; das war die Zeit, als man 21 werden musste, um die Volljährigkeit zu erlangen. Seine Lehrer waren HAP Grieshaber und Herbert Kitzel, das Ergebnis seines Studiums waren zunächst einmal lässig informelle Bilder - Arbeiten, die in ihrer ostentativen Fahrigkeit das Dogma Lügen strafen, der malerische Gestus sei Ausdruck tiefenpsychologischer Wahrheit. Nach einer kurzen surrealen Phase beginnt Krieg, das Bildrepertoire mehr und mehr zu vereinfachen bis hin zu den in Malsch bei Karlsruhe gemalten Wannen: düstere Gefäße der Leere.

1974 dann die Zäsur. Krieg arbeitet, wie jetzt in den Monaten vor seinem Tod, ausschließlich konzeptuell. Lässt sämtliche Namen aus dem Künstlerlexikon Thieme-Becker auf Band sprechen. Sammelt Übersetzungen des Wortes "ähnlich". Als er sich ein Jahr später wieder seinem alten Metier zuwendet, scheint auch bei ihm der große "Hunger nach Bildern" ausgebrochen zu sein, den man alsbald zum Merkmal der Epoche ausrufen sollte. Krieg malt Hähnchen, Schaschlik, Bier, Cognac, Koteletts, Fritten und Brillanten und schlenzt dabei die Farbe in einer Art auf das Bildfeld, als handele es sich um Currysauce oder Industriemayonnnaise aus dem Eimer.

Von "Penetranz" sprach Krieg in diesem Zusammenhang. Denn allem oberflächlichen Anschein zum Trotz, waren seine kühnen, rüden Bilder analytische Malereien. Sie sind analytisch, da sie die rhetorischen Möglichkeiten und illusionistischen Strategien dieses Mediums aushebeln und ins Schlingern bringen. Malerei als schöner Schein? Nicht bei Krieg. Wenn es sein musste, klebte er noch eine Plexiglasscheibe in die nasse Farbe, sozusagen als zweite Reflexionsebene. Mit dieser Haltung hat er von 1978 bis 2002 als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie gelehrt, hat er Auszeichnungen wie den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg entgegen genommen. Zu den zahlreichen Radierungen, die er fertigte, gehören auch zwei mit dem gleichen Motiv: Vinylplatten. Auf der einen steht: Auf Wiedersehn. Auf der anderen: Langs Lebn. Er hat es gefunden. Wie Tonio Kröger. In der Kunst.

Badische Neueste Nachrichten, 29.11.2005



COLOGNE FINE ART-Preis 2006 geht posthum an Dieter Krieg


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