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Carl Maria von Weber

Die Wolfsschlucht im Freischütz

Vielleicht ist es aber auch wahr, daß Weber noch andere Anregungen seinen frühen Baden-Badener Aufenthalten verdankt. Hier kommen wir zu dem Gebiet der künstlerischen Anschauung, das für die Entwicklung des Künstlers oft wichtiger ist als das zufällige Erlebnis. [...]

In der Nähe der Engels- und der Teufelskanzel, auf dem Berge zum
Murgtal, befindet sich die sogenannte "Wolfsschlucht", eine wahrhaft finstere und romantische Schlucht, die allgemein in Verbindung zum "Freischütz" gebracht wird.

Die Frage, über die man sich streitet, ist natürlich folgende:

Ist die Schlucht nur nach dem "Freischütz" benannt oder hat sie irgendwelche tatsächlichen Beziehungen zu ihm?

Natürlich hat sie den Namen erst später erhalten. Aber das schließt ja nicht aus, daß sie Weber tatsächlich zu der Anschauung der Wolfsschlucht im "Freischütz" geführt hat.

Ein direkter Anhaltspunkt dafür hat sich leider noch nicht finden lassen. Wohl aber ergibt sich meines Erachtens ein indirekter aus jenem Bericht für Cottas "Morgenblatt", der sich also fortsetzt:

"Die einzig schöne Natur, die Baden umgibt, (ich kenne manches Bad, aber noch nirgends habe ich so mannigfache Gegenden um einen Ort vereinigt gefunden) freundliche und erhabene Aussichten, Berge und Felsen und liebliche Ebenen, auf der anderen Seite die Nähe des Herrlichen Murchtales etc. alles dieses sind unvergängliche Schönheiten und haben Baden schon den Römern wert gemacht, und werden es auch jetzt und ewig den Galliern und Germanen theuer erhalten. Häufig theilt sich daher auch die Gesellschaft in kleine Landpartien, und befriedigt und erfreut kehrt jeder von da zurück, indem er in seine Heimath dann das Andenken und den Wunsch, es wieder zu sehen, mitnimmt."

Jedenfalls wird das in Duvals "Les quatre saisons", das in den sechziger Jahren erschien, behauptet, und Dr. Oskar Rößler, der maßgebliche Lokalhistoriker von Baden-Baden bemerkt, daß es auf Wahrheit beruhe. Eine mündliche Überlieferung davon gehe auf den Komponisten Flotow zurück.

Es scheint mir zumindest unzweifelhaft, daß Weber die "Wolfsschlucht" auf seinen Ausflügen ins Murgtal gesehen hat. Man kann sich aber wohl vorstellen, daß diese um jene Zeit noch wesentlich romantischer gewirkt hat. Man braucht nur einmal in der Dämmerung durch sie hindurchzugehen, um sogleich an Freischütz-Stimmungen erinnert zu sein.

Ein indirekter Anhaltspunkt ergibt sich auch aus Folgendem:

Weber hat in den gleichen Wochen (1810) in denen er in Baden-Baden weilte, auf Stift Neuburg bei Heidelberg Apels "Gespensterbuch" gelesen, das die Sage von der Wolfsschlucht enthält. Das Erregende dieser Entdeckung hat sich sicher mit der Anschauung verknüpft.

Der "Freischütz" wurde am 18. Juli [Juni, Anmerkung der Redaktion] 1821 in Berlin uraufgeführt, also ein Jahrzehnt später. Den Text hatte ihm Friedrich Kind am 1. März 1817 in Dresden übergeben. Wie alle Komponisten, hat auch Weber in die Textgestaltung eingegriffen. Es fragt sich also, inwieweit die "Wolfsschlucht", sei es bildhaft oder musikalisch, in seine Vorstellung hineingespielt hat.

Das alles muß solange Hypothese bleiben, als sich kein schlüssiger Beweis erbringen läßt. Zumindest lohnt es, an ihrer Lösung mitzuarbeiten.

Heinrich Berl, Baden-Baden im Zeitalter der Romantik, Baden-Baden 1936, Seite 172 ff.



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