|
Werner Bergengruen
(1892-1964)
Werner Bergengruen wurde am 16.
September 1892 im lettischen Riga, das damals zum
russischen Zarenreich gehörte, geboren. Die
baltische Arztfamilie schwedischen Ursprungs
verließ wegen der Russifizierungspolitik des
Zaren ihre Heimat und ließ sich in
Deutschland nieder.
Werner Bergengruen absolvierte seine Gymnasialzeit
in Lübeck und Marburg und studierte unter
anderem Theologie, Germanistik und Geschichte in
Lübeck, Marburg, München und Berlin, bis
der Erste Weltkrieg ausbrach und Werner Bergengruen
sich als Freiwilliger zum Militärdienst
verpflichtete. Nach Kriegsende unterstützte er
1919 die Baltische Landwehr in ihrem Kampf gegen
die Rote Armee.
Nach einem Volontariat bei der Norddeutschen
Allgemeinen Zeitung arbeitete Werner Bergengruen
als Journalist in Tilsit, Memel und Berlin und war
gleichzeitig als Schriftsteller tätig. Erste
Novellen und Romane erschienen ab 1923.
1927 entschloss sich Werner Bergengruen zur freien
Schriftstellerei und übersetzte darüber
hinaus russische Texte. Er arbeitete wechselweise
in Berlin, im Odenwald und im Bayerischen Wald, bis
er 1936 nach Solln bei München zog. Im selben
Jahr trat er zum katholischen Glauben
über.
Dem Nationalsozialistischen Regime Deutschlands
setzte er wie sein Freund Reinhold Schneider Erzählwerke entgegen, welche
die menschliche Unzulänglichkeit und
totalitäres Verhalten zum Inhalt hatten, wie
beispielsweise der 1935 erschienene Roman "Der
Großtyrann und das Gericht".
1937 erhielt Werner Bergengruen Publikationsverbot
und wurde aus der Reichsschriftumskammer
ausgeschlossen. Durch Sondergenehmigungen konnte
einige seiner Werke jedoch weiter
veröffentlicht werden.
Nachdem sein Haus 1942 einem Luftangriff zum Opfer
gefallen war, lebte Werner Bergengruen vier Jahre
in Tirol, kurze Zeit in Rom und mehr als ein
Jahrzehnt in Zürich, bis er 1958 nach
Baden-Baden kam.
Reinhold Schneider schrieb hierzu in "Der Balkon": "Ein großes Geschenk
machte mir noch das Städtlein: es ist seiner
Schläue gelungen, Werner Bergengruen zu
bezaubern und zu verführen und ihm die
Bürgerschaft anzutragen. […] so steht dem
Städtlein neuer Ruhm bevor und Quellgeist und
Dichtergeist werden sich vereinen, Feuer der Tiefe
und Feuer von oben."
Werner Bergengruen, der neben seinen Romanen und
Novellen lyrische Werke, (Auto-)Biografien und
Reisebeschreibungen verfasst hat, war nicht nur mit
der Ehrendoktorwürde der Philosophischen
Fakultät der Universität München
ausgezeichnet worden, sondern hat neben dem
Wilhelm-Raabe-Preis und dem Schillerpreis das
Große Verdienstkreuz des
Bundesverdienstordens erhalten und war in den Orden
"Pour le Mérite" aufgenommen worden.
Darüber hinaus war er nicht nur ein
fleißiger, sondern auch ein sehr
erfolgreicher Schriftsteller, dessen Bücher zu
seinen Lebzeiten viel beachtet waren und in
Millionenauflagen im In- und Ausland verkaufte
wurden.
An seiner neuen Heimat konnte sich Werner
Bergengruen noch sechs Jahre erfreuen. Am 4.
September 1964 starb er in Baden-Baden und wurde
auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.
Die Kurstadt richtete 1985 eine Gedenkstätte
zu seinen Ehren in der Stadtbibliothek ein.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
Alle Werke
Bergengruens
|