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Joachim-Ernst Berendt

Das Ohr als Weg zum Ich.
Joachim-Ernst Berendt (1922-2000)

Nach der Kriegsgefangenschaft 1945 gehörte Berendt zu den Mitbegründern des SWF in Baden-Baden. Aus der Arbeit mit Unterhaltungsmusik entwickelte sich sein Engagement für den Jazz und schon 1950 gab es in Baden-Baden eine Jazz-Redaktion - die erste in Deutschland - und er war ihr Kopf. Bis zu seiner Pensionierung 1987 wurden daraus mehr als 10.000 Jazz-Sendungen im Hörfunk. Ab 1954 gestaltete er auch Sendungen für das Fernsehen unter dem Titel "Jazz - Gehört und gesehen".

Auf seine Initiative hin wurden 1964 die Berliner Jazztage gegründet. Er war ihr Künstlerischer Leiter bis 1972. Über viele Jahre galt dieses Festival als das alljährliche Jazzereignis in Europa.

Berendt hat als Mentor für den Jazz aus Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut auf zahlreichen Reisen deutsche Jazzmusiker im Ausland präsentiert. Von diesen Reisen brachte er Impressionen aus fernen Kulturwelten mit, die dann Eingang fanden in die von ihm in mannigfacher Form präsentierte World Music..

Neben seiner Tätigkeit als Rundfunkmacher war er ein vielbeschäftigter Plattenproduzent. Von seinen rund 250 Produktionen sind zahlreiche Werke ausgezeichnet worden. Als Mitarbeiter vieler Zeitschriften im In- und Ausland und auf weltweiten Vortragstourneen, setzte er sich für den Jazz außerhalb der Insidergemeinde ein.

In den achtziger Jahren wandte er sich der Spiritualität zu. "DasThema meines Lebens ist das Hören", hat er einmal gesagt und "Nada Brahma - Die Welt ist Klang" war 1983 auch der Titel des ersten von mehreren Büchern, die Berendt diesem Themenkreis gewidmet hat. Mit dem gleichen Engagement, mit dem er sich bis dahin um die Jazzmusik gekümmert hatte, betrieb er nun Philosophie.

Die fünfziger Jahre erscheinen aus der Distanz betrachtet als eine für Berendt besonders glückliche und fruchtbare Zeit: 1952 erschien zum ersten Mal sein "Jazzbuch", das im Lauf der Zeit zum meistverkauften der Welt wurde, in zahlreichen Auflagen erschienen und in 16 Sprachen übersetzt. Seine Zusammenarbeit mit dem Orchester von Kurt Edelhagen in den fünfziger Jahren, häufig auch bei öffentlichen Veranstaltungen, ist vielen Jazzfreunden noch heute in guter Erinnerung. Gegen Ende des Jahrzehnts führte er mit einem Jazz-Konzert eine völlig neue Facette in die Donaueschinger Musiktage ein.

Joachim-Ernst Berendt ist u.a. Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Bundesfilmpreises, des Kritikerpreises des Deutschen Fernsehens. 1979 verlieh ihm der Ministerpräsident von Baden-Württemberg den Titel eines Ehrenprofessors.

Der Wahl-Baden-Badener starb im Februar 2000 an den Folgen eines Verkehrsunfalls


© by WAEPART, Baden-Baden/Germany. All Rights Reserved. Text: Presseabteilung SWR

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