Die Geschichte der Badekultur
in Baden-Baden


Auf der Inschrift am Friedrichsbad lesen wir von Johann Wolfgang von Goethe:

"Wunderwirkend strömt die Welle    Strömt der heiße Dampf der Quelle    Mut wird freier    Blut wird neuer    Heil dem Wasser    Heil dem Feuer"


Badekultur im Wandel der Zeit
Sobald der Mensch in warmes Wasser eintaucht, fühlt er sich wohl. Schon in der Antike war man sich dessen bewusst und zelebrierte mehr Regenerations- denn Reinigungsrituale.

Könnten die reichen Römer der Antike einen Blick in die Bäder von heute werfen, sie würden sich wohl ein bedauerndes Lächeln abringen. Sie nämlich pflegten in prunkvollen, marmorverkleideten Badetempeln zu entspannen, wo angenehm temperiertes Wasser aus silbernen Wasserspeiern floss. Vom luxuriösen Badekult jener Zeit zeugen in Baden-Baden die Kaiserbäder neben der Stiftskirche. Sie sind von der Kirche und von der Randbebauung überdeckt. Man nimmt an, dass
Kaiser Caracalla den Auftrag erteilte, diese prunkvollen Bäder zu bauen. Sie wurden 1847 bei Bauarbeiten entdeckt und wurden nach der Bergung wichtiger Fundstücke wieder zugeschüttet. Heute gibt es auf dem Marktplatz lediglich eine Markierung aus schwarzem Kopfsteinpflaster, um die unterirdische Ausdehnung der Kaiserbäder sichtbar zu machen. Mehr kann man von den Soldatenbädern sehen: Kaltwasserbad, Warmwasserbad, Heißlufträume und das Heizsytem. Auch unter der heutigen Caracalla-Therme vermutet man noch weitere Teile der antiken Anlage.

Die Einwohner Baden-Badens hatten großes Vertrauen in ihr Wasser: als Abwehrmaßnahme gegen die wütende Pest in der Stadt, fluteten sie im Jahre 1349 die Straßen mit dem heißen Quellwasser.


Kloster nahe einer Thermalquelle
Ordensleuten und Priestern wurde das Baden ebenfalls erlaubt, und Klöster erhielten Baderäume. Manches Kloster wurde gezielt in der Nähe von Thermalquellen gebaut, so auch in Baden-Baden. Das zeitaufwendige Zubereiten von heißem Wasser konnte man so sparen. Stand keine heiße Quelle zur Verfügung, fand das Bad gleich neben der Klosterküche seinen Platz. Von der Küche aus konnte das Bad jederzeit mit der nötigen Menge heißen Wassers versorgt werden.

Fettquelle in Baden-Baden

Die "Fettquelle" am Kloster vom Hl. Grab.

Baden diente nicht nur der körperlichen Reinigung, sondern hatte auch rituellen Charakter: Die Seele sollte reingewaschen werden. In Sagen und Legenden, aber auch in heiligen Schriften finden sich Dokumente, die das Baden als Reinigung und rituelle Handlung belegen. Bei der Taufe wird symbolisch die Erbsünde getilgt; dasselbe tut, wer eine Kirche betritt, seine Finger mit Weihwasser netzt und sich bekreuzigt.

Im Mittelalter lockerten sich die Sitten, obwohl Verordnungen das gemeinsame Baden von Männern und Frauen in der Öffentlichkeit nach wie vor bei Strafe verboten. Der Straßburger Franziskanermönch Mathias Munzer mahnte sogar: "Der möcht wohl nehmen großen Schaden, der zur Hölle fahrt nach Baden (Baden-Baden)". Eingehalten wurden diese Verbote wohl offenbar nie. Männer und Frauen saßen unbekleidet in hölzernen "Badekisten", die oft direkten Anschluss an die Thermen hatten. Diese Badeprozedur erstreckte sich manchmal über mehrere Stunden. Es wurde dabei Speis und Trank serviert und musikalische Unterhaltung geboten.

Lesen Sie dazu eine Beschreibung mittelalterlicher Badeszenen, entdeckt in dem Buch "Und sie schämeten sich nicht" von Joachim Fernau.
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Dürer - Badeszene

Besonders lebens- und sinnenfroh geht es in Dürers "Badestube" (um 1497/98) zu.

Die erste Badeherberge entstand in Baden-Baden um 1460, das "Baldrich", später Baldreit genannt und heute Stadtmuseum.

Hans Foltz, neben Hans Sachs einer der bedeutenstenden Meistersinger aus Nürnberg, schrieb bereits 1491 in seinem "Badbüchlein" über die heilende Wirkung der heißen Quellen in Baden-Baden an der Oos. In vielen anderen Abhandlungen wurde im 16. Jahrhundert die Heilkraft des Baden-Badeners Thermalwassers beschrieben. Selbst gegen die Unfruchtbarkeit der Frauen sollte es wirksam sein.

 


Baden-Baden entwickelte sich zum gut besuchten Badeplatz. Im 15./16. Jahrhundert gab es für die 3000 Badgäste im Jahr zwölf Herbergen mit etwa 400 Badekabinen. Prominente Gäste kamen zur Badekur, wie etwa Kaiser Friedrich III. im Jahre 1473.

Paracelsus

1526 war Paracelsus in Baden-Baden, der versuchte die Wirkungen der Heilquellen wissenschaftlich zu belegen. Er kam zu dem Schluss, dass die Quellen von Baden-Baden die Fähigkeit haben, zahlreiche schwere Erkrankungen zu mindern und zu lindern, aber nicht die Kraft besitzen, den Menschen völlig zu heilen. Mehr über Paracelsus.

1601 wurde die italienische Variante zur Fango-Behandlung, die "Baden-Badener Badeschlammkur" eingeführt. Der Thermenschlamm wurde bei allerelei Gebrechen eingesetzt.



Aufschwung durch die Aufklärung
Im 18. Jahrhundert wandelte sich die Badekultur von neuem. Im Zuge der Aufklärung ging von Frankreich ein neues Verständnis in Sachen Körperhygiene aus. Im Geiste von Rousseaus Aufforderung "Zurück zur Natur!" lag auf der Seine in Paris das erste öffentliche Badeboot. Ihm folgten Boote gleicher Art in mehreren deutschen Städten.

In Baden-Baden wurde 1869-1877
das Friedrichsbad im Stil der italienischen Renaissance erbaut, damals das modernste Badehaus Europas, weltweit bestaunt, bewundert und kopiert (Wiesbaden, Aachen). Dieser Badetempel war jedoch nichts für Besucher mit schmaler Geldbörse. Bald war das Friedrichsbad dem Ansturm nicht mehr gewachsen, und so errichtete man 1890-1893 in der Nachbarschaft das Augustabad als reines Frauenbad. Leider wurde dieses schöne Gebäude 1962 abgerissen.

Landesbad 1918

Als "Arme-Leute-Alternative" zu den beiden prunkvollen Badetempeln wurde das Landesbad errichtet, das heutige Rheumakrankenhaus.


Baden-Badener Mineralbrunnen

Als "unerreichtes Tafel- und Kur-Getränk" wurde um 1900 das Mineralwasser von einer "Baden-Baden Company Ltd., London und Baden-Baden" unter die Leute gebracht.


Der Apotheker
Dr. Rößler entdeckte um 1904 im Baden-Badener Thermalwasser eine radioaktive Substanz, was seinerzeit in Wissenschaftskreisen weltweit für großes Ausehen sorgte.

In den 60er Jahren wurde dann als Ersatz für das Augustabad ein "Kurmittelhaus" erbaut, das jedoch nicht allzu attraktiv war. Erst als man dann 1983-1985 eine Modernisierung vornahm und daraus die Caracalla-Therme machte, stellten sich wieder die Besuchermassen ein.

Baden-Baden ist staatlich anerkanntes Heilbad im Bäderland Nr. 1 in Deutschland. Baden-Württemberg hat etwa 60 Heilbäder und Kurorte.

Das Kurangebot in Baden-Baden aus dem Jahre 1910.

Heute reicht das Angebot, neben dem Baden in Thermalwasser, von der Milch- und Molkekur, der Fangokur, der Algenkur bis zu Ayurveda-Behandlungen. Sie finden Beauty-Tempel, können Beauty-Spa-Programme buchen und noch vieles mehr rund um Fitness, Gesundheit und Schönheitspflege. Mehr darüber
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Der amerikanische Schriftsteller und Satiriker
Mark Twain, immer voll des Spottes, schrieb über die Wirkung der Thermalquellen in seinem Buch "A tramp abroad - Bummel durch Europa:
"Es heißt, Deutschland mit seinen feuchten Steinhäusern sei die Heimat des Rheumatismus. Wenn das so ist, muß die Vorsehung das vorausgesehen und deswegen das Land mit diesen Heilbädern ausgestattet haben...Ich glaube fest daran, daß ich meinen Rheumatismus in Baden-Baden gelassen habe..."

Kurort des Jahres
1992 wählte die "International Spa and Fitness Association", Washington, Baden-Baden zum Kurort des Jahres 1993.

Im Jahr 1993 bestanden 12 Thermalquellen mit einer Gesamtschüttung von 292000 cbm pro Jahr. d.h. pro Tag wurden 800 cbm oder 800000 Liter ausgeschüttet.


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Kult-Bäder und Bäderkultur in Baden-Württemberg
Wolfgang Niess, Sönke Lorenz
Geb. Ausgabe, 303 Seiten, 100 Farbfotos und 60 historische Abb., Markstein Verlag

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